Liebe auf den zweiten Blick: Nissan Juke Nismo

14.11.2013 | Christian Sauer | Testrides

Nissan Juke Nismo Drivers Club Germany 1

Mehr Leistung und Sound, dynamischeres Fahrverhalten sowie sportlichere Optik und das bei einem attraktiven Preis – das alles verspricht der Juke von Werks-Tuner Nismo. Drivers Club Germany Chefredakteur Christian Sauer testete die Allrad-Version.

Seien wir mal ehrlich – die eigene Meinung zu revidieren, fällt oft nicht leicht – gerade wenn es um so etwas Subjektives wie Optik geht. Schönheit liegt bekanntlich ja im Auge des Betrachters und als ich den Nissan Juke das erste Mal sah, fand ich ihn einfach nur hässlich. Sein unorthodoxes Design erschien mir befremdlich und ich konnte oder wollte mich über die Jahre einfach nicht daran gewöhnen. Als Nissan dann den V6-Biturbo aus dem GT-R mit 550 PS in den Juke R verpflanzte und die Karosserie mit martialischen Spoilern der Leistung anpasste, änderte sich mein Bild vom japanischen Crossover, der übrigens in Großbritannien gebaut wird. Doch meine Meinung konnte erst Nismo grundsätzlich ändern. Im Rahmen des 24-Stunden Rennens auf dem Nürburgring weckte das Interview mit Chief Product Specialist Hiroshi Tamura die Neugier in mir, das erste Modell der Sportabteilung in Deutschland selbst zu testen.

Ich war mir ziemlich sicher, dass mein Testwagen typisch Nismo in „unschuldigem“ Weiß vorfahren wird. Doch weit gefehlt: „Teuflisch schwarz“ wäre wohl ein passender Name für die Metallic-Lackierung, die zum Glück nicht mit dem Chromzierrat der zivileren Modelle kombiniert wird. Stattdessen finden sich rote Akzente beispielsweise in Form der Außenspiegel. Selbstbewusst trägt die nur 4,16 m lange und 1,77 m breite Wuchtbrumme bei 1,56 m Höhe ringsum Spoiler und dunkle 18-Zoll-Felgen zur Schau. Das qualifiziert den Juke Nismo weniger für Ausfahrten ins Gelände als für die Rennstrecke.

 

Auch innen geht es dank Nismo-Zutaten nun sportlicher im Juke zu: Die Sitze bieten guten Seitenhalt und Komfort auch für größere Passagiere. Mehr Einstellmöglichkeiten hätten ihnen aber gut getan. Neben (leider zu viel) Hartplastik gibt es rutschfestes Alcantara kombiniert mit roten Nähten auch für die Rücksitzbank mit ausreichend Platz drei Erwachsene sowie am Multifunktions-Lenkrad. Das kennen wir bereits aus anderen Nissan-Modellen, fällt für ein sportliches Fahrzeug etwas groß aus und ist lediglich in der Höhe, jedoch nicht in der Tiefe verstellbar. Dennoch lässt sich der Juke Nismo damit quirlig und zielgenau um die Ecken dirigieren.

Das Handling überzeugt auf ganzer Linie, woran sicherlich der Sport-Modus des Nissan Dynamic Control Systems, sowie das Torque Vectoring System jeweils einen großen Anteil haben. Letztgenanntes sorgt für eine variable Kraftverteilung an alle vier Räder und wird ausschließlich für die Allrad-, aber nicht für die Variante mit Vorderradantrieb verbaut. Die Elektronik verhindert lästiges Untersteuern und lässt den Juke Nismo regelrecht in die Kurven eindrehen, ohne zu gefährlichem Übersteuern zu neigen. Selbst der Geradeauslauf fällt trotz des mit 2,53 m recht geringen Radstandes sehr ruhig aus. Die Bremsen verzögern den rund 1,4 Tonnen schweren Nissan vehement und gut dosierbar. Positiv überrascht haben mich der ausgewogene Fahrkomfort, als auch der dazu passende Sound aus dem Sportauspuff – nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. So verwandeln sich selbst lange Autobahnetappen nicht zur Qual.