Luxus-Messe der Superlative: Monaco Yacht Show 2014

05.10.2014 | Christian Sauer | Lifestyle, News

Monaco Yacht Show 2014 Drivers Club Germany
Das Team von Drivers Club Germany ging an Bord der größten und teuersten Privatyachten der Welt.

Die Côte d’Azur begrüßt uns mit spätsommerlichem Wetter, als wir auf dem Internationalen Flughafen von Nizza landen. Dort, wo sowieso immer zahlreiche Privatjets parken, reihen sich dieser Tage besonders viele Flügel an Flügel. Der Grund befindet sich 19 km weiter östlich im Fürstentum Monaco, genauer gesagt im Port Hercules, wo die 24. Auflage der weltweit wichtigsten Messe für große Yachten stattfindet. Wer möglichst schnell und bequem ans Ziel kommen möchte, nimmt entweder den eigenen Hubschrauber und landet direkt auf dem Schiff oder bucht wie wir einen der zwischen Nizza und Monaco im Linienbetrieb fliegenden Helikopter – Preis pro Strecke und Person rund 100 Euro. Dafür erspart man sich nicht nur den Stress am Boden, sondern bekommt grandiose Ausblicke auf die Küste und die Yachten, die dutzendweise davor ankern. Einige von ihnen, die zum Verkauf stehen oder gechartert werden können, hätten sich wohl gern auch bei der Show präsentiert, aber trotz Vergrößerung läuft der Hafen im wahrsten Sinn des Wortes fast über.

 

115 Yachten wurden in den Vortagen nach einer genauestens geplanten Choreografie dicht an dicht vertäut  – teilweise sogar an extra gebauten, schwimmenden Pontons. Darunter sind auch einige Exemplare unter 30 Meter Länge, das Gros bilden aber größere Formate. Nirgends besteht die Möglichkeit, so viele Superyachten mit über 60 Meter hautnah zu erleben und zu besichtigen, zumindest für diejenigen, die mindestens 150 Euro für die Tageskarte ausgegeben und einen Termin bei der jeweiligen Werft oder dem mit dem Vertrieb beauftragten Broker vereinbart haben.

Wir starten unsere Tour mit der Athena, dem heimlichen Star der diesjährigen Monaco Yacht Show. Der 90 Meter lange Dreimaster ist nicht nur einer der wenigen großen Segler – weltweit gibt es nur zwei größere Yachten – sondern steht erstmals zum Verkauf. Ihr bisheriger Eigner, der Software-Mogul James Clark, der sich zukünftig mehr dem Regatta-Segeln widmen will, ließ sie vor zehn Jahren auf der niederländischen Werft Royal Huisman nach seinen Vorstellungen bauen und nutzte sie intensiv auf mehreren Erdumrundungen. Davon ist aber keine Spur, denn die 20-köpfige Crew pflegt sie mit Hingabe und so strahlt das klassische Interieur mit feinstem Holz wie am Tag des Stapellaufs.

Maximal zehn Gäste können das großzügige Platzangebot und den Luxus genießen, den sonst nur Motoryachten bieten. Das hat natürlich seinen Preis: rund 500.000 Dollar pro Woche oder als Investition 75 Mio. Dollar für die derzeit teuerste, zum Verkauf stehende Segelyacht. Wer sich traut, kann dann auch mit dem „Krähennest“ den hinteren Masten hinauf fahren und den Ausblick auf die klassische Schönheit samt traditionellem Steuerrad und das Vorschiff mit unter Luken verdeckten Beibooten, den sog. Tendern genießen.

Von dort oben wirkt selbst die nagelneue Equanimity klein, obwohl ihr mit 91,50 Meter dieses Jahr der Titel der längsten Yacht der Show gebührt. Ebenfalls in Holland, nämlich bei der Oceanco-Werft gebaut, wünschte ihr chinesischer Eigner keine Presse an Bord und somit auch keine Fotos ihres asiatisch inspirierten Innendesigns mit Blattgold, Bambus- und Wenge-Holz. Schade, aber dann besuchen wir stattdessen eine „alte Bekannte“, die Solandge von Lürssen. Nachdem wir bei allen Yachten üblich unsere Schuhe an Land lassen und die Gangway erklimmen, empfängt uns der 85-Meter-Neubau – auf der eine Woche Urlaub eine Million Dollar kostet – mit spektakulären Features und einem opulenten Materialmix zum Beispiel aus von hinten beleuchteten und Murano-Glas.

Unser Rundgang führt uns (barfuß) vom klinisch sauberen Maschinenraum, über das Crewdeck mit Kino, durch die luxuriösen Kabinen und Salons hinauf zur Brücke sowie zum Sonnendeck. Während sich der Whirlpool nachts zur Open-Air-Disko mit DJ-Pult verwandelt und das Gym mit zahlreichen Fitness-Geräten auf Workouts wartet, lässt sich in der Sauna, im Dampfbad, bei der Massage und dem Friseur entspannen. Wie bei Kreuzfahrtschiffen, die während der Yacht Show ebenfalls in oder vor Monaco festmachen, spielt Wellness an Bord der großen Yachten eine zunehmend wichtigere Rolle.

 

So auch bei der Grace E von Perini Navi / Picchiotti, die als nächstes auf unserem Plan steht. Um den zeitraubenden Fußweg um den Hafen herum zu sparen, nehmen wir eines der Shuttleboote. Doch wie bei den Super- oder Megayachten wird auch bei den Tendern immer mehr auf Luxus und Stil gesetzt. Statt kleiner Schlauchboote kommen schicke Runabouts im Stil der Riva Aquarama zum Einsatz. Wir hatten das Vergnügen, mit einer 750 Portofino der Schweizer Familienwerft Boesch über zu setzen. Selbst bei langsamer Geschwindigkeit im Hafen bereitet das 7,50 Meter lange Holzboot, mit zwei V8-Verbrennungs- oder zwei Elektro-Motoren viel Spaß.

Doch die Fahrt ist viel zu schnell vorbei, als wir bei der 73-Meter-Yacht Grace E ankommen. Ihr Interieur, von der wir auf Wunsch des Eigners noch keine (echten) Innenaufnahmen zeigen dürfen, verbreitet sich eine völlig andere Atmosphäre als auf der Solandge. Moderner, aber zugleich einladender Minimalismus kennzeichnet die von außen sehr schlank wirkende Yacht, die ebenfalls über ein umfangreiches Wellness-Angebot verfügt. Den Antrieb übernehmen zwei, komplett drehbare Antriebsgondeln. Uns wundert, dass noch nicht mehr Yachten diesen Azipod-Antrieb einsetzen, der bei Kreuzfahrtschiffen bereits Standard geworden ist und spürbare Vorteile in Sachen Effizient sowie Komfort bietet. Die Experten der Werften darauf angesprochen, nennen einen für uns überraschenden Grund: den hohen Anschaffungs-Preis. Kaum vorstellbar, dass Multimillionäre und Milliardäre zum Teil weit mehr als 100 Mio. Euro für eine neue Yacht ausgeben und dann daran sparen.

 

Die deutsche Werft Nobiskrug wollte eigentlich die 74-Meter-Yacht Odessa II präsentieren, doch deren Eigentümer sagte kurz vor der Messe ab. Als Ersatz kam die nahezu gleich lange Mogambo nach Monaco.

Wie der Name schon andeutet, bekam das Design eine afrikanische Note – modern umgesetzt – mit sehr hochwertigen, aber auch empfindlichen Materialien. Mogambo kann ebenfalls gechartert werden.