Die große Überraschung: Mitsubishi L200

20.03.2016 | Christian Sauer | Testrides

Mitsubishi L200 Drivers Club Germany Fahrbericht
Wie viel Lifestyle bietet der robuste „Profi für Profis“ in der komfortablen TOP-Ausstattung. Wir widmen uns seinen vielseitigen Talenten, die weit über den reinen Nutzwert hinausgehen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die „Pritschenwagen“ vor allem in den USA allein als Synonym für unverschämt durstige und große Spritfresser galten. Dabei wird oft vergessen, dass auch die Asiaten schon länger auf die praktischen „Lastesel“ setzen. Im Fall des Mitsubishi L200 wird inzwischen schon die fünfte Generation in Thailand gebaut von dort aus erfolgreich in (fast) die ganze Welt exportiert. Hierzulande zog der Trend viele Jahre vorbei, doch spätestens seitdem Volkswagen mit dem Amarok einen eigenen Pick-up präsentierte, scheinen die Berührungsängste nicht nur bei Gewerbetreibenden zu schwinden. Immer mehr Hobbysportler und urbane „Großstadt-Cowboys“ steigen um beziehungsweise in die großen Wagen auf. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die neuen Modelle mit separater Ladefläche zumindest innen weg vom Nutzfahrzeug immer mehr PKW-Charakter bekommen und komfortabler oder sogar luxuriös werden. Hinzu kommt, dass es zwar immer mehr SUVs gibt, aber gleichzeitig echte Offroader“ vom Schlage eines Land Rover Defender oder Nissan Patrol langsam aussterben. Und somit nehmen die Pick-ups zumindest teilweise diese Rolle ein, wenn gleich sie mit ihren XXL-Maßen nur bedingt für anspruchsvolle Offroad-Trails geeignet sind.

Im Fall unseres Mitsubishi L200 mit Doppelkabine sieht es nicht anders aus: Mit 5,28 m Länge ist er sogar länger als eine S-Klasse von Mercedes-Benz und 1,81 m Breite bei 1,78 m Höhe sind ebenfalls nicht zu ver- oder missachten. Dagegen sieht selbst der stämmige Mitsubishi Pajero als Fünftürer wie sein „kleiner Bruder“ aus. Fast auf dem hohen Niveau der Offroad-Legende bewegt sich der L200 mit einer Wattiefe von 60 cm, bis zu 30 Grad Böschungswinkel und 20 cm Bodenfreiheit. Ursprünglich auch für den Mitsubishi Pajero entwickelt, arbeitet in unserem Fall der permanenten Allradantrieb „Super Select 4WD II“ mit Visco-Kupplung, Mitteldifferential und Geländeuntersetzung. Per Drehschalter lassen sich bis zu 100 km/h die Vorderräder von ihrer Antriebspflicht entbinden und im Allrad-Modus übernehmen die Hinterräder maximal 60 Prozent.

 

Die neue 6-Gang-Handschaltung soll laut Mitsubishi deutlich besser als beim Vorgänger sein, Pick-up-Novizen werden aber zumindest beim Motorstart stark daran erinnert, immer noch in einem Nutzfahrzeug zu sitzen. Dann schüttelt sich der Schalthebel erstmal kräftig und an den Schleifpunkt der Kupplung muss sich auch gewöhnt werden. Dafür überrascht das Getriebe dann mit guter Bedienbarkeit. Alternativ ist eine 5-Gang-Automatik mit Schaltwippen und Sportmodus bestellbar, die ebenfalls im Pajero zum Einsatz kommt. Gleiches gilt für den Motor unseres Testwagens, mit 181 PS der stärkste von beiden Vierzylinder-Dieselmotoren mit jeweils 2,4 Liter Hubraum. Das moderne Alu-Triebwerk nagelt nur bei langsamen Geschwindigkeiten deutlich hörbar, wirkt mit 430 Nm ab 2.500 Touren bullig und durchzugsstark. In 10,4 Sekunden (11,8 Sekunden mit Automatik) beschleunigt der für einen Pick-up relativ leichte Zweitonner auf Tempo 100 und mit etwas Anlauf weiter bis 179 km/h (177 km/h). Damit wird der L200 natürlich nicht zum Sportwagen-Schreck, aber auf der Autobahn kann man mit ihm locker im Verkehr mitschwimmen und zügig Kilometer abspulen. Als offiziellen Durchschnittsverbrauch gibt Mitsubishi 6,4 Liter an, womit er auf jeden Fall günstiger als sein Vorgänger ist. In Kombination mit dem 75-Liter-Tank ergibt sich eine langstreckentaugliche Reichweite.