Winterreifen einmal anders – mit Michelin nach Lappland!

02.03.2014 | Daniel Englisch | Testrides

Michelin Winter Experience Drivers Club Germany Subaru WRX STI Rallye Armin Schwarz

Nicht nur im Eiskunstlauf folgt der Pflicht die Kür – ein gelber Porsche 911 4S in komplett weiß getauchter, finnischer Kulisse. Aber ich darf nicht an das Steuer – noch nicht. Meine Enttäuschung flaut sofort ab, nachdem ich bemerke, neben wem ich als Beifahrer Platz nehmen darf: Armin Schwarz. Der Profi übernimmt das Pacecar und die ersten Einführungsrunden. Nach zwei Runden übergibt mir die Rallye-Legende seinen Platz im Cockpit. Via Funk leitet er den ganzen Trupp, insgesamt drei 911 4S und darunter zwei Cabrios. Nach kurzer Eingewöhnung dürfen wir die Assistenzsysteme ausschalten. Sogleich wird der Unterschied fühlbar. Der Porsche wird trotz Allrad und der niedrigen Geschwindigkeit giftig, es bedarf Übung und ein gekonntes Händchen, um ihn in der Spur zu halten. Wieder zeigen die schneeweißen Seitenwälle die Grenzen der Fahrer und auch der Reifen auf. Aber dennoch ist es ein Heidenspaß. Unter kundiger Leitung gelangen sogar die ein oder anderen kontrollierten Drifts um ganze Streckenabschnitte herum. Doch zum ersten Mal kommt auch der Traktor als Streckenfahrzeug zum Einsatz.

Jetzt haben endgültig alle Blut geleckt. Der Profi zeigt uns seine ganz speziellen Spielzeuge. Für die Rally und finnischen Straßenverhältnisse fit gemachte Subaru WRX STI. Mit Käfig und auf Spikes geht es gleich zum Fahrertraining der ganz besonderen Art. Das Auto beschleunigt und bremst brutal, mit den Spikes macht es gefühlt keinen Unterschied ob auf Eis oder Schnee. Der Subaru lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen und falls doch, ist er durch einen kleinen Gasstoß noch zu retten. Trotz des rutschigem Untergrunds fahren die Rally-Geschosse wie auf Schienen. Es bedarf einer gewissen Eingewöhnungsphase bis man sich auf das Fahren mit den ganz besonderen Winterreifen vollständig einlassen kann. Schon jahrelang kalkuliert man bei winterlichen Verhältnissen das bisschen Vorsicht mehr ein, sei es beim Bremsweg, beim Einfahren in die Kurve und beim Beschleunigen. Nun auf Spikes, muss man dies alles vergessen und komplett außer Acht lassen. Es ist eine ganz besondere Erfahrung und für Eis gibt es keinen besser geeigneten Typus Reifen, als den Spike. Dies gepaart mit einem Rallye-Fahrzeug dessen Handling vergleichbar mit einem Go-Kart ist – genial. Stimmt nicht ganz, der Subaru baut zusätzlich noch Grip und Antrieb über die Vorderachse auf. Unfassbar, welche Driftwinkel mit den Subaru zu erreichen sind. Wo sonst längst der Abriss der Haftungsgrenze erreicht ist, legen die WRX mit ihrem ausgeklügelten Allrad-System noch einen drauf. Aber jetzt, nachdem jeder davon überzeugt ist, selbst ein guter Rally-Pilot zu sein, wird es noch einmal richtig spannend.

Der Profi wird uns einen kleinen Einblick in sein Handwerk gewähren. Erneut nehme ich auf dem Beifahrersitz Platz. Erneut sitzt Armin Schwarz am Steuer. Aber diesmal muss er keine Rücksicht auf die Nachfolgenden nehmen, diesmal hat er freie Fahrt. Und das bekomme ich sogleich zu spüren. Beim Versuch auf den Tacho zu schielen, kann ich einzig den Drehzahlmesser erkennen. Dessen Nadel tobt jenseits der 7.000 Umdrehungen im dritten Gang. Wohlgemerkt fahren wir immer noch auf Eis und Schnee. Bremspunkte, die mir als bereits längst verpasst erschienen, nimmt der Profi gelassenen mit einem müden Lächeln. Trotz der eintretenden Dämmerung und immer schlechter werdenden Sichtverhältnisse bringt der Mann zu meiner linken noch den ein oder anderen lockeren Spruch bei gefühltem Tempo 180 km/h über einen Waldweg. Noch drei Kuppen liegen zwischen uns und unserem Startpunkt. Auf diesem Streckenabschnitt stößt mein Helm dreimal ans Dach. Die Lenkbewegungen des Profis sind auf das Minimalste reduziert, mit kurzen, präzisen Lenkeinschlägen und Gasstößen zirkelt Armin Schwarz das Auto um die Strecke, wie es wirklich nur ein Rallyepilot kann. Das war es auch schon, ein kaum zwei Minuten langes Vergnügen, aber noch näher am Renngefühl geht nicht.

Wir nehmen vieles an Erfahrungen aus Ivalo mit. Gut, die besten Winterreifen dürfen wir in Deutschland zwar nicht fahren, aber brauchen wir wirklich Spikes bei 8 Grad Celsius und nassen Straßen? Für alles weitere hat Michelin einen Top-Reifen, der seinen Vorgänger in jeder Disziplin noch übertrumpft. Michelin hat bei der Neuentwicklung des Alpin5 ein ganz besonderes Augenmerk auf die sich verändernde Wettersituation in Mitteleuropa gelegt. Selbstverständlich sind die Fahreigenschaften auf Matsch und Schnee unverändert gut geblieben, jedoch wurde der Pneu stark im Bereich Nasshandling verbessert. Ein speziell auf unsere Winter abgestimmter Reifen, auch wenn das Fahren im Schnee sicher mehr Spaß macht.