Best of 2016: Mercedes-Maybach S 600 Fahrbericht

29.12.2015 | Christian Sauer | Testrides

Mercedes-Maybach S 600 Christian Sauer Drivers Club Germany

Private Eigner fahren laut Mercedes-Benz vor allem in China ihre S-Klasse am Wochenende auch gern selbst. Dafür präsentiert sich der S 600 mit dem bekannten 530 PS und 830 Nm Drehmoment starken 6,0-Liter-Zwölfzylinder bestens gerüstet. Äußerst kultiviert säuselt die Top-Motorisierung des neuen Maybach und meldet sich akustisch nur bei Vollgas zu Wort. Ein professioneller Chauffeur wird es seinen Passagieren wohl kaum „zumuten“, aber er könnte in nur fünf Sekunden auf Tempo 100 und weiter bis zur begrenzten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h beschleunigen. Kaum langsamer, aber um einiges sparsamer wird der 4,6-Liter-Achtzylinder des S 500 Maybach mit 455 PS und 700 Nm wohl mehr Kunden ansprechen. Anders als der V12 mit sieben Stufen, wird der vernünftigere V8 mit einer 9-Stufen-Automatik und außer mit Heckantrieb alternativ mit permanentem Allradantrieb 4MATIC angeboten.

 

Während unserer Testfahrt mit dem S 600 Maybach in Kalifornien überraschte uns das Magic Body Control Luftfahrwerk samt Stereokamera, die die Dämpfer automatisch auf Unebenheiten einstellt, mit für das Gewicht und die Größe erstaunlicher Handlichkeit. Komfort hat selbstverständlich höchste Priorität und eine Maybach-Version mit noch stärkerem Motor steht zumindest derzeit nicht zur Debatte. Somit bleibt der S 65 AMG mit 630 PS sowie über 235.000 Euro Listenpreis vorerst die stärkste und zugleich teuerste S-Klasse.

Dank der gleichen Plattform wäre es aber wohl problemlos möglich, auch andere Motorisierungen wie einen Plug-in-Hybrid mit der Exklusivität der neuen Sub-Marke Mercedes-Maybach zu vereinen. Es bleibt wohl eine Frage der Zeit, bis die wachsende S-Klasse-Familie mit dem geplanten Cabrio um weitere Maybach-Derivate ergänzt wird. Als Reaktion auf die Mitbewerber wird außerdem ein großes SUV wie der GLS (ehem. GL) mit dem Logo der Maybach Manufaktur als Doppel-M nicht ausgeschlossen. Mercedes-Benz will mit den besonders luxuriösen Varianten ganz oben mitspielen, ohne in direkte Konkurrenz mit Bentley und Rolls-Royce zu treten.

 

Durch die Synergien und die Serienfertigung auf der gleichen Linien wie die S-Klasse kann der neue und im Vergleich zu früher weniger eigenständige Maybach günstiger produziert werden. Zwar werden Teile des Interieurs wie das Leder der Türverkleidungen in Handarbeit gefertigt, dennoch könnten sich äußerst anspruchsvolle Kunden neben den geprägten Logos, den damit veredelten Kissen und den versilberten Champagnerkelchen aus der Flensburger Manufaktur Robbe & Berking für die Bordbar mehr Details wünschen, die ihren Maybach von anderen S-Klassen abhebt. Zumindest auf Anfrage sind individuelle(re) Ausstattungen mit kompletter Belederung, individuellen Zierelementen und aufwendigen Sonderlackierungen erhältlich. Spätestens dann sollten sich handwerkliche Liebe zum Detail und technische Perfektion samt dem Maximal-Angebot an elektronischen Features zu einem harmonischen Gesamtpaket ergänzen. So oder so stellt der Mercedes-Maybach S 600 die derzeit luxuriöseste und technisch aufwendigste S-Klasse dar – und das zu einem überraschend „günstigen“ Preis von unter 200.000 Euro. Wir hoffen jedoch, dass Mercedes-Benz den Namen und die Tradition von Maybach damit nicht „unter Wert“ verkauft.