Best of 2016: Mercedes-Maybach S 600 Fahrbericht

29.12.2015 | Christian Sauer | Testrides

Mercedes-Maybach S 600 Drivers Club Germany
Drivers Club Germany Chefredakteur Christian Sauer nahm in Kalifornien das neue Flaggschiff mit Stern aus mehreren Perspektiven unter die Lupe und beantwortet die Frage, ob der 188.000 Euro teure Maybach die beste Chauffeur-Limousine der Welt ist.

Weiße Handschuhe waren früher und sind zum Teil immer noch die Erkennungszeichen eines erstklassigen Chauffeurs. Auf der ganzen Welt wird so vor allem an die Türen von Rolls-Royce und Bentley stilvoll Hand angelegt. Nach jahrzehntelanger Abstinenz versuchte Daimler mit dem legendären Namen Maybach in Erinnerung an den genialen Automobil- und Motorenkonstrukteur Wilhelm Maybach wieder in der Liga der Superlative mitzuspielen. Technisch den Mitbewerbern überlegen, standen die hohen Kosten allerdings in keinem Verhältnis zu den enttäuschenden Absatzzahlen der Limousine, die in unterschiedlichen Varianten angeboten wurde. 2012 folgte dann die Einstellung des Prestige-Projektes. Doch gerade im Fernen Osten, insbesondere in China nehmen immer mehr Kunden diagonal hinter dem Fahrer Platz. Dort werden Werte wie Freiraum, Individualität, Komfort sowie Qualität sehr geschätzt und davon profitieren enorm die britischen Traditions-Hersteller in deutscher Hand. Neben feinstem Holz und Leder wird zunehmend aber auch dort auf Hightech gesetzt.

Die meisten technischen Innovationen finden sich derzeit zweifelslos an Bord der S-Klasse von Mercedes-Benz, von deren aktueller Generation seit 2013 bereits über 100.000 Exemplare verkauft wurden. Wer einmal am Steuer des Coupé oder der Limousine saß, wird die unzähligen elektronischen Helferchen wohl nie wieder missen wollen. Und auch im Fond, gerade beim / mit langem Radstand wird Luxus groß geschrieben: Vor allem der vielfach verstellbare Executive Sitz mit Liege-Funktion in Verbindung mit dem Chauffeur-Paket sucht seinesgleichen. Jedoch musste der zweite Gast hinter dem Fahrer bislang darauf verzichten – dafür reichte selbst die Länge nicht. Abhilfe verspricht Mercedes-Benz nun mit der nochmal 20 Zentimeter längeren Maybach S-Klasse. Entsprechend der stattlichen Fahrzeuglänge von 5,45 Meter und 3,36 Meter Radstand ist das Platzangebot auf allen vier Sitzen beeindruckend. Der beste Platz bleibt beim Linkslenker natürlich hinten rechts.

 

Wird der Beifahrersitz mit dem Chauffeur-Paket maximal vorgefahren, können selbst großgewachsene Passagiere die Beine ausstrecken. In Verbindung mit der Sitzheizung, Belüftung und den unterschiedlichen Massage-Programmen lässt sich wohl in keiner anderen Limousine entspannter sitzen oder liegen. Zudem sorgen im Fall eines Unfalls neu entwickelte Vorkehrungen für Sicherheit. Diese schützen natürlich auch den zweiten Gast im Fond, der anders als in der S-Klasse mit langem Radstand nun ebenfalls die Vorteile des Executive Sitzes genießen kann. Leider lässt sich abhängig von der Sitzeinstellung des Chauffeurs die Beinstütze nur zum Teil ausklappen. Für eine  „Gleichberechtigung“ hätte der Maybach noch weiter gestreckt werden müssen. Dadurch wäre allerdings nicht nur das Gewicht – so bereits rund 2,3 Tonnen – nochmal gestiegen, es hätte auch die Alltagstauglichkeit deutlich reduziert.

Durch die neu konstruierte Tür und die erhöhte Kopffreiheit gelingt der Einstieg in die automobile Luxuswelt noch bequemer. Die in die C-Säule integrierten Dreiecksfenster garantieren mehr Privatsphäre und zusätzlich zur dunklen Verglasung schützen elektrische Sonnenrollos vor neugierigen Blicken. Stattdessen spendet auf Wunsch die mehrfarbige Ambiente-Beleuchtung oder das ebenfalls dimmbare Panoramadach mit Magic Sky Control mehr oder weniger Licht. Für Unterhaltung sorgt das Infotainment-System mit 10-Zoll-Displays, auf denen sich dank Online-Zugang beispielsweise Wetter- und Navigationsdaten, Verkehrskameras aber auch TV-Programme und Videos darstellen lassen. Grandios präsentiert sich dazu der Klang aus dem Burmester High-End 3D-Surround-System, das übrigens auch die Kommunikation mit dem Chauffeur unterstützt. Dank verfeinerter Aerodynamik und weniger Windgeräuschen ist der Maybach im Fond zudem die leiseste Serien-Limousine der Welt. Eine ausfahrbare Trennscheibe zwischen Bediensteten und Gästen wird aber nur für die neue Pullman-Variante der S-Klasse angeboten, die sich mit vis-à-vis Sitzen wieder für Staatsoberhäupter prädestiniert zeigt.