Fahrbericht: Mercedes-Benz S 500 Plug-in-Hybrid

25.09.2014 | Anja Sauer | Testrides

Mercedes-Benz S 500 Plug-in-Hybrid
In Dänemark und Schweden testete unsere Redakteurin Anja Sauer den neuen S 500 Plug-in-Hybrid aus dem Hause Mercedes-Benz. Was sie dabei mit ihm erlebte, lesen und sehen sie hier.

Flughafen Kopenhagen: Genervt steige ich aus dem verspäteten Flieger und wenn ich dran denke, noch durch die halbe Stadt kurven zu müssen, wird mir ganz anders. Doch dann steht meine S-Klasse vor mir, genauer gesagt der neue S 500 Plug-in-Hybrid und öffnet die Fahrertür. Als würde sie sagen: „Steig ein, ich bringe dich zum Hotel. Du brauchst gar nicht viel machen. Noch dazu bin ich sehr, sehr sparsam, denn ich kann auch elektrisch fahren – also entspann‘ dich und fahr endlich los!“ Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und steige an. Mit ihren zahlreichen Assistenzsystemen ist es fast so, als würde sie wirklich selbst fahren. Die meisten, wie zum Beispiel der Spur- und Abstandshalteassistent, sind schon aus der S-Klasse bekannt. Einige Features sind allerdings neu, wie die Thermotronic. Mit Mercedes connect me kann ich diese steuern und das Auto klimatisieren, indem ich auf meinem Handy die gewünschte Abfahrtszeit angebe. Irgendwie traue ich den ganzen Features noch nicht, ich möchte die Kontrolle gerne selbst behalten, doch die S-Klasse belehrt mich eines besseren. „Du kannst mir vertrauen, das alles funktioniert – echt!“ gibt mir der Mercedes zu verstehen, also lasse ich mich drauf ein.

Das eigentliche Highlight ist aber der Hybrid-Antrieb. Es gibt vier Modi: den Hybrid, den E-Mode, den Save- und den Charge-Modus. Beim Hybrid und beim E-Mode wird so gut es geht elektrisch gefahren, wobei der E-Mode natürlich noch etwas später den drei Liter großen V6-Biturbo-Benziner dazuschaltet. Durch Kopenhagen kann ich somit rein elektrisch fahren – die Batterie reicht für 33 km. Lautlos gleite ich dahin und komme jetzt entspannt und erholt im Hotel an. „Wenn du mich morgen fährst, dann kannst du über dein Handy meine Klimaautomatik mit Sitz- und Armlehnenheizung schon vorher anschalten, dann bin ich schön warm, denn es soll morgen kühl und neblig werden, wenn wir nach Schweden rüber fahren. Falls es dir doch zu warm unterm Hintern wird, dann schalte meine Sitzkühlung an und wenn du verspannt bist, dann massiere ich deinen Rücken.“

 

Gesagt, getan, am nächsten Tag ist es wirklich trüb und so freue ich mich auf das vorgewärmte Auto. Beim Anlassen höre ich nichts, denn die S-Klasse startet beim Anfahren immer elektrisch, das nennt sich „Silent Start.“ Auf der Fahrt über verschiedene Straßen und die imposante Öresund-Brücke kann ich dem Plug-in so richtig auf den Zahn fühlen. Auf der Autobahn fahre ich im Save-Modus, das heißt, das intelligente Fahrsystem schützt die derzeit voll geladene Batterie der S-Klasse und ich fahre fast nur mit dem Benziner – die Batterieladung hebe ich mir für die Stadt auf, da fahre ich dann wieder rein elektrisch. Da ich es aber zwischendurch nicht lassen kann, die elektrische Power zu testen, ist meine Batterie fast leer und so schalte ich den Charge-Modus ein, um meine Batterien wieder aufzuladen. Das geht sehr schnell und schon habe ich wieder genug Strom für Malmö, wo ich später noch hinfahren werde. „Heute Abend, wenn du mich in die Garage stellst, kannst du mein Kabel am Heck anschließen und ich bin innerhalb von zwei Stunden voll geladen, bei einer normalen 230V-Steckdose in nur etwa vier Stunden – toll was?“ Das ist wirklich toll und ich bin mehr als überrascht, wie gut das Hybrid-System bei so einer großen Luxus-Limousine funktioniert, denn den Plug-in-Hybrid gibt es nur für die größte S-Klasse, die mit dem langen Radstand.

Zusätzlich zu den Fahr-Modi, gibt es noch drei Fahrprogramme: E für Economy, das Standard-Programm, S für Sport – dabei  ist rein elektrisches Fahren ausgeschlossen und E+ (Economy +) für maximale Verbrauchseinsparung. Hierbei wird das Hybridsystem so effizient wie möglich genutzt, also so oft wie möglich gesegelt oder rekuperiert. Das Gaspedal signalisiert mir dabei mittels Doppel-Impuls, wann ich den Fuß vom Gas nehmen sollte um diese Eigenschaften zu nutzen. „Unter anderem passiert dies, wenn du näher auf ein anderes Auto auffährst, ich kann das per Radar steuern und damit passe ich mich den Verkehrsgegebenheiten an und nutze diese, um möglichst effizient und sparsam fahren zu können. Bekommst du nur einen Impuls vom Gaspedal, heißt das, das ich den Verbrennungsmotor einschalten muss, du willst also sportlicher und schneller fahren.“ Die Rekuperation ist bei dem S 500 Plug-in-Hybrid sehr stark und setzt beim Bremsen zunächst den Elektro-Motor und nicht die Scheibenbremsen ein, ohne Betätigung des Bremspedals kann ich mit dem Auto segeln. „Mein Verbrauch ist sehr niedrig, so soll ich kombiniert nur 2,8 Liter Treibstoff verbrauchen. Meine elektrische Leistung liegt bei 85 kW und 340 Nm Drehmoment, mein Benziner kann 333 PS und 480 Nm ab 1.600 Umdrehungen leisten. Insgesamt habe ich 442 PS unter der Haube, fast wie bei meinem S 500-Bruder ohne Hybrid und ich leiste 650 Nm Drehmoment. Ich bin also nicht nur sparsam, sondern kann auch richtig schnell. Bis zu 140 Km/h kannst du elektrisch fahren, insgesamt schaffe ich 250 km/h. Wie du merkst, brauche ich mich also nicht zu verstecken – ich bringe dich also auch schnell an dein Ziel, wenn du das als Fahrerin möchtest. In 5,2 Sekunden sprinte ich auf 100 Km/h.“ Schnell muss ich auch sein, denn ich muss bald zurück zum Flughafen. Leider darf ich keine 250 fahren, denn das darf ich in Dänemark und Schweden nicht.