SUV-Allrounder: Mercedes-Benz GLC

18.09.2016 | Christian Sauer | Testrides

mercedes-benz-glc
In unserem Fahrbericht muss das Mittelklasse-SUV beweisen, ob es tatsächlich den perfekten Kompromiss von Design, Größe, Technik und Preis darstellt. Die Basis für weitere Varianten samt Coupé, AMG, Plug-in-Hybrid und Brennstoffzelle ist er allemal.

Natürlich präsentieren wir leidenschaftlich gerne Superlative – die größten – stärksten – schnellsten und teuersten Autos der Welt. Doch seien wir mal ehrlich, wer kauft sich einen Mercedes-Benz G 500 4×4² oder einen Bugatti, selbst wenn es finanziell möglich wäre. Stattdessen bleiben Autos oft reine Nutzgegenstände für den Alltag und praktische SUVs dabei die erste Wahl. Passend zur Nachfrage danach wächst auch das Angebot und die Hersteller tun ihres dazu, mit immer neuen Derivaten keine Langeweile aufkommen zu lassen. Allein Mercedes-Benz bietet schon vier SUV-Baureihen plus die G-Klasse als Krönung der Offroader mit Stern an. Während es unterhalb des kultigen Allrad-Klassikers ab 1997 zuerst „nur“ die M-Klasse (später ML / heute GLE) gab, kamen später der GL (GLS) als S-Klasse mit Geländeambitionen sowie der kompakte GLA auf Basis der A-Klasse dazu. Ein gutes Mittelmaß stellte bereits ab 2008 der GLK dar. Allerdings polarisierte sein kantiges Design und hielt den so manchen Interessenten von seiner Anschaffung ab.

 

Sein Nachfolger, der letztes Jahr präsentierte und auf Höhe der C-Klasse zwischen dem GLA und dem GLE positionierte GLC wirkt nun harmonischer und aus Sicht vieler auch gefälliger. Einen großen Anteil daran hat sicherlich das Mercedes-Familiengesicht mit optionalen Voll-LED-Scheinwerfern. Und auch das Cockpit spiegelt das Ambiente und die Innovationen der C-Klasse wieder. Zwar muss der GLC auf die zwei 12,3 Zoll großen Displays der E- oder S-Klasse verzichten, aber dennoch wirkt es haptisch wie optisch und technisch gelungen. Als eins der ersten Daimler-Modelle projektiert das Head-up-Display die wichtigsten Daten in das direkte Blickfeld des Fahrers, der sich je nach Budget über eine Vielzahl von Komfort- und Sicherheitsassistenten freuen darf.

Vielseitig sind auch die Möglichkeiten zur Individualisierung mit diversen Materialien und Lederfarben. Sehr passend finden wir die Konfiguration unseres Testwagens mit der designo-Lackierung diamantweiß bright, sattelbraunem Leder und Zierelementen aus offenporigem schwarzem Esche-Holz. Subjektiv und objektiv bietet der GLC deutlich mehr Platz als der vorherige GLK. Das liegt vor allem am 11,8 cm längeren Radstand und der auf 4,65 m gestreckten Gesamtlänge. In der ersten wie auch in der zweiten Reihe fällt das Raumangebot großzügig aus. Passend dazu wuchs ebenfalls der Kofferraum im knackig gestylten Heck auf 580 bis maximal 1.600 Liter.

 

Besonders komfortabel be- oder entladen lässt sich der GLC dank der sich per Fußbewegung öffnenden Heckklappe sowie mit der um 4 cm absenkbaren Ladekante als eine Funktion des aufpreispflichtigen Luftfahrwerks AIR BODY CONTROL. Doch die wesentlichen Vorteile spielt es während der Fahrt aus: In seinem Segment stellt es eine Besonderheit dar und hebt ihn davon im wahrsten Sinne des Wortes von seinen Mitbewerbern ab. Um bis zu 5 cm ist es in Verbindung mit dem Offroad-Technik-Paket höhenverstellbar und es erlaubt dank der Wattiefe von 30 Zentimetern sogar das Durchqueren kleinerer Bäche. Zusammen mit dem permanenten 4MATIC-Allradantrieb und bis zu 20 Zoll großen Rädern erklimmt der GLC selbst 70-prozentige Steigungen. Und auch auf der Straße bietet das Luftfahrwerk nennenswerte Vorteile, da es Unebenheiten wirkungsvoll glatt bügelt und sich dank der Fahrdynamikregelung DYNAMIC SELECT samt fünf Modi für sportlicheres Fahren straffen lässt. Zudem lassen sich die anderen Komponenten wie beispielsweise die Lenkung individuell konfigurieren.

Wer sich einen besonders dynamischen GLC wünscht, sollte sich den V6-Biturbo von AMG mit 3,0 Liter Hubraum anschauen. Er kommt auf 367 PS und katapultiert den AMG GLC 43 in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 km/h. Bei 250 km/h wird er elektronisch abgeregelt. Hinzu kommen selbstverständlich sportliche Zutaten beim Fahrwerk sowie Exterieur- und Interieur. Das hat natürlich seinen Preis, der bei rund 62.000 Euro beginnt. Auf den bekannten 211-PS-Vierzylinder des 250er setzt der GLC 350 e, der als Plug-in-Hybrid jedoch von einem 116 PS / 85 kW starken Elektromotor unterstützt oder für einige Kilometer auch ersetzt wird. Für die „Kraft der zwei Herzen“ muss allerdings mindestens 52.717 Euro investiert werden. Ab 2017 soll der GLC zudem als Plug-in-Hybrid mit innovativer Brennstoffzelle auf den (freien) Markt kommen, womit er das erste Serienmodell von Mercedes-Benz mit der schon seit mehreren Jahren erprobten Antriebstechnologie der Zukunft sein wird.

 

Bereits jetzt wird neben den GLC 250 als Benziner für rund 43.000 Euro, er ebenfalls mit 204 PS im stärksten von zwei Diesel für 46.826 Euro angeboten. In unserem GLC 220 d ist er auf 170 PS gedrosselt. Offiziell soll er sich analog zum 250 d im Durchschnitt auch mit 5,0 Litern auf 100 Kilometern begnügen, was sich während unseren Testfahrten als durchaus realistischer Wert bestätigte. Ob sich die Differenz von 34 PS zu 1.548 Euro zwischen den beiden Dieseln lohnt, muss jeder selbst entscheiden. Dank 400 Nm Drehmoment und der weich schaltenden 9-Stufen-Automatik, die außer im Plug-in-Hybrid in jedem GLC serienmäßig ist, sollte die Einstiegsmotorisierung den meisten Ansprüchen genügen, wobei die 500 Nm des stärkeren Bruders das Fahren natürlich noch entspannter gestalten. Zur Frage der für die eigenen Ansprüche passenden Motorisierungen, stellt sich zudem die nach der richtigen Ausstattung. Einzeln oder mit kompletten Paketen lässt sich der GLC entweder edel-elegant, robust oder sportlich gestalten.

 

Hinzu kommt die Möglichkeit, das rundum gelungene SUV auch als GLC Coupé bestellen. Dabei stehen allerdings der abfallenden Dachlinie mit eingeschränkter(er) Kopffreiheit und der um 80 Liter kleinere Kofferraum dem Mehrpreis von rund 5.000 Euro entgegen. Weiterhin und mehr denn je gilt also – wer die Wahl hat …