Best of 2014: Mercedes-Benz G 65 AMG

23.12.2014 | Christian Sauer | Testrides

Mercedes-Benz G 65 AMG

Im Cockpit paaren sich historische Artefakte wie der zusätzliche Haltegriff für den Beifahrer mit den von anderen Mercedes-Modellen übernommenen Bedienelementen und Luxuszutaten. Das entstandene Ensemble mag auf dem ersten Blick vielleicht skurril wirken, passt aber zur G-Klasse und deren Transformation zu einem der Lieblingsautos der „Schönen und Reichen“. Ich kann sie ja auch verstehen, denn wer einmal auf dem hohen Thron saß und auf alles darunter hinabblickte, möchte es nie wieder missen. Auf den beiden sehr bequemen Sesseln mit abgestepptem Leder und zahlreichen Einstellmöglichkeiten lässt sich eine fast unendliche Kopffreiheit genießen. Allein die Breite des Innenraums und die Beinfreiheit hinten fallen nicht extrem üppig aus. Keine Wünsche sollten beim Kofferraum offen bleiben. Hinter der Hecktür lässt sich selbst unhandliche Ladung oder ein großer Hund problemlos unterbringen. Nur das feine Leder auf der Türinnenseite sollte er nicht dreckig machen.

Dabei ist die G-Klasse mit ihrem permanenten Allradantrieb samt Differentialsperren doch dafür gedacht gewesen, im Dreck zu wühlen, im Schlamm zu baden und über Steinbrocken zu kraxeln. Das merke ich dem G 65 AMG auch auf der Straße an: So fällt die Übersichtlichkeit dank der fast senkrechten Frontscheibe und den schmalen A-, B-, C-Säulen überraschend gut aus. Die leichtgängige Lenkung verlangt durch deren Übersetzung viel Kurbelarbeit, doch mit zunehmender Geschwindigkeit und Gewöhnung lässt sich das große Schiff recht zielsicher um Kurven bugsieren – er ist aber natürlich kein Sportwagen und wird es auch nie werden. Ohne Luftfederung bietet das Geschoss allerdings nur einen eingeschränkten Fahrkomfort, doch auf langen Strecken ist der Geländewagen dennoch ein adäquater Begleiter – selbst mit großem Anhänger im Schlepptau. Den enormen Kräften gewachsen zeigen sich die Hochleistungsbremsen mit 37,5 cm großen Scheiben vorn.

Die sind auch nötig, um den Boliden aus maximal 230 km/h sicher zum Stehen zu bringen. Für die elektrisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit braucht der G 65 AMG etwas Anlauf, die 100er Marke knackt er hingegen schon nach 5,3 Sekunden. Untermalt wird dieser Kraftakt von den Sidepipes. Subjektiv fällt der Sound nicht ganz so lautstark wie beim G 63 AMG mit seinem bollernden V8 aus, aber die Kopfdrehungen der Passanten beweisen, dass auch der Zwölfzylinder nicht zu überhören ist. Unwiderstehbar ist ebenfalls das Gefühl mit 1000 Nm und somit mit schier unerschöpflichen Kraftreserven unterwegs zu sein. Doch das beschert ihm auch einen Durchschnittsverbrauch von über 20 Liter. Der 65er führt eben einen sehr kostspieligen Lebensstil, ebenso wie seine vermögenden Käufer. Deshalb verzichte ich auf eine Diskussion über Sinn oder Unsinn und genieße lieber dieses einmalige, majestätische Luxusmobil. Aus meiner Sicht gebührt ihm der Titel des „Königs der Geländewagen“ – zumindest noch, denn irgendwann wird es ihn in dieser Form nicht mehr geben und andere werden seinen Platz einnehmen. Es lebe der König!

Einen weiteren Fahrbericht vom G 65 AMG gibt es bei NewCarz