Best of 2014: Mercedes-Benz G 65 AMG

23.12.2014 | Christian Sauer | Testrides

Mercedes-Benz G65 AMG
Kein Offroader hat mehr Zylinder, mehr PS oder mehr Drehmoment und dennoch ist sein Titel des Königs der Geländewagen in Gefahr – Drivers Club Germany Chefredakteur Christian Sauer verrät warum.

Es ist schon wieder mehr als ein halbes Jahr vergangen, seitdem ich den Mercedes-Benz G 63 AMG 6×6 gefahren bin. Wenn ich an das sechsrädrige Ungetüm mit dem 544 PS starken V8-Biturbo zurück denke, kommen in mir immer noch extreme Glücksgefühle hoch. Durch nichts, noch nicht einmal durch den Preis von fast einer halben Million Euro scheint das derzeit teuerste Serienmodell von Mercedes-Benz zu stoppen – die Begierde vor allem im Ausland ist  größer als gedacht. Gleiches gilt auch für den G 65 AMG, nach dem Produktionsende des SLS AMG mit 268345 Euro Grundpreis der zweitteuerste Sternenwagen.

 

Aktuell gebührt ihm der Titel, des weltweit einzigen Offroaders mit einem Zwölfzylinder-Triebwerk, und was für eins! Zum Einsatz kommt der 6-Liter-Biturbo mit 612 PS und wahnwitzigen 1000 Nm Drehmoment. Als Top-Motorisierung wird er ebenfalls im SL Roadster, in der S-Klasse Limousine und bald wohl auch im S-Klasse Coupé angeboten. Es grenzt fast an ein Wunder, dass der riesige Motor überhaupt in die seit Jahrzehnten nur marginal veränderte Karosserie implantiert werden konnte. Nahezu passgenau füllen die zwölf Zylinder, die beiden Turbolader und Zusatzaggregate den Motorraum aus. Die schicke Carbon-Abdeckung samt Namensplakette des verantwortlichen AMG-Mechanikers kann bei über 2,5 Tonnen Leergewicht aber lediglich der Optik und nicht ernsthaft der Gewichtsreduzierung geschuldet sein.

An der G-Klasse scheint alles massiv und teilweise auch die Zeit stehengeblieben zu sein. Ecken und Kanten prägen das markante Design. Dazu gesellen sich „neumodische“ Features wie LED-Tagfahrlicht und das Sport-Outfit von AMG mit großen Luftöffnen an der Front, dicken Kotflügelverbreitungen für die 20-Zoll-Räder mit 275er Breitreifen und zwei Auspuffendrohren an jeder Seite. Mächtig und selbstbewusst sind wohl die passendsten Attribute, die den Look des G 65 AMG beschreiben und andere Verkehrsteilnehmer regelrecht zu „Untertanen“ degradieren. Um die Trotzburg überhaupt erklimmen zu können, helfen die Trittbretter. Wie früher lassen sich die Türen immer noch mit einem fast schon nostalgisch wirkenden Türknopf öffnen und schließen mit heutzutage ansonsten kaum mehr vorstellbaren Kraftaufwand, dafür aber auch mit diesem ganz besonders satten Klang. Genau dem trauern viele Mercedes-Enthusiasten nach.