Die Wüste bebt: Mercedes-Benz G 63 AMG 6×6

15.03.2013 | Christian Sauer | News

Mercedes-Benz G 63 AMG 6x6 Drivers Club Germany

Wie kaum ein anderes, aktuell als Neuwagen erhältliches Modell ähnelt die G-Klasse von Mercedes einem Dinosaurier auf vier Rädern. Groß, massiv, brachial und als AMG-Versionen G 63 und G 65 mit über 500 PS unter der mächtigen Haube. Gepanzerte und verlängerte Sonderanfertigungen gab es schon früher, doch jetzt folgt die Krönung. Während wir ihn derzeit für schneereichen Winter bräuchten, sind sein Haupteinsatzgebiet die Dünen Arabiens.

Offiziell handelt es sich beim Mercedes-Benz G 63 AMG 6×6 noch um ein seriennahes Showcar – besser gesagt – um zwei Exemplare in Weiß und Silber. Ob und falls ja, wann die Entscheidung zur Kleinserienfertigung fällt, hängt von der Resonanz auf das sechsrädrige PS-Monster ab. Vor allem die Scheichs in und um Dubai dürften Interesse haben, schließlich fährt man dort traditionell auf „den G“ ab und mit dem eckigen Klassiker gern durch die City oder ins Gelände.

Dass der Spaß mit und für den G 63 AMG 6×6 erst dort anfängt, wo andere Offroader kapitulieren – Kettenfahrzeuge einmal ausgenommen – verraten schon die Eckdaten. Sechs angetriebene Räder, eine Geländereduktion im Verteilergetriebe, Portalachsen, fünf während der Fahrt sperrbare Differentiale und eine während der Fahrt bedienbare, aktive Reifendruckregelanlage, die in Rekordzeit den Druck in den riesigen 37-Zoll-Pneus variiert, sucht man bei herkömmlichen Geländewagen vergeblich.

Daraus resultiert unter allen topografischen Verhältnissen eine gnadenlose Fahrdynamik. Selbst die höchsten Sanddünen erstürmt das Showcar mit Leichtigkeit und Sandpisten verlieren dank einer unerschütterlichen Spurstabilität ihre Schrecken. Mit dem hoch-gelegten Fahrwerk steigt beim G 63 AMG 6×6 die Bodenfreiheit von 21 cm im Serien-G auf 46 cm und die Wattiefe – oder besser Tauchtiefe – von 60 cm auf einen Meter! Und wer die Performance onroad ausprobiert, wird von der katapultartigen Beschleunigung des 3,85 Tonnen schweren Pickups begeistert sein.

Gerade für Fahrzeuge, die ihrer Bestimmung entsprechend in abseits gelegenen Gebieten der Welt unterwegs sind, ist ein üppiger Kraftstoffvorrat sinnvoll und überlebensnotwendig. Deshalb wurde der Serientank mit einem Fassungsvermögen von 96 Liter mit einem 63 Liter großen Zusatztank ergänzt. Die Tankkapazität liegt somit bei insgesamt 159 Liter.

 

Trotz dieser einmaligen Antriebstechnik ist das Showcar keine technische Neuentwicklung im eigentlichen Sinne. Dank des nach 34-jähriger Bauzeit üppig gefüllten „G“-Baukastens kommen unter der Karosserie des G 63 AMG 6×6 fast ausschließlich Serienteile zum Einsatz. Beispiel Triebstrang: AMG V8 Biturbo-Motor mit 544 PS sowie einem Drehmoment von 760 Newtonmetern, fettem V8-Sound aus jeweils zwei Sidepipes je Fahrzeugseite, AMG Speedshift Plus 7G-Tronic Automatikgetriebe gepaart mit einem vorderen Antriebsstrang vom G 63 AMG und einem hinteren Doppeltriebstrang aus der 6×6-Version, wie er beispielsweise bei der australischen Armee zuverlässig seinen Dienst verrichtet. Zusätzlich die genialen Portalachsen, die ihren Ursprung gleichfalls in dem militärischen Bereich haben und hier erstmals in einem Zivilfahrzeug zum Einsatz kommen.

Das Fahrwerk basiert überwiegend auf der Serien, lediglich die Schraubenfedern und Dämpfer wurden angepasst. Auch bei den Federn konnten sich die Ingenieure im umfangreichen „G“-Baukasten bedienen, der immerhin 15 verschiedene Federkennungen bereithält. Während die Vorderachse die verstärkten Federn einer gepanzerten Sonderschutzvariante übernimmt, bekommt die erste Hinterachse deutlich härtere, die zweite Hinterachse eine weichere Federrate verordnet. Zusammen mit den rallyeerprobten, verstellbaren Gasdruck-Stoßdämpfern soll sich so laut Mercedes eine „perfekte Symbiose aus sportlicher Dynamik und Komfort on- wie offroad“ ergeben.

Optisch lässt der Pickup G 63 AMG 6×6 keine Zweifel an seiner Passion aufkommen. Die voluminöse Bereifung der drei Achsen, der gewaltige Abstand zum Boden, die Höhe von knapp 2,30 Meter bei einer Breite von gut 2,10 Meter und das klare, geradlinige Design des Pickups flößen schon auf den ersten Blick Respekt ein. Wie bereits der G 63 AMG und G 65 AMG trägt auch der Super-Offroader mit der 5,87 Meter langen Karosserie das typische AMG Markengesicht mit dem „Twin blade“-Kühlergrill. Weitere optische Highlights: Die Blende mit den integrierten LED-Lichtleisten oberhalb der Windschutzscheibe und die üppigen Kotflügelverbreiterungen sind in edlem Sichtkarbon ausgeführt, das hintere Ladeflächenmodul trägt einen markanten Edelstahl-Überrollbügel. Die Ladefläche ist mit besonders hartem und strapazierfähigem Bambusholz ausgekleidet und über eine hintere Ladeklappe zugänglich.

AMG-typisch sportlich-luxuriös gibt sich die Innenraumausstattung. Der G 63 AMG 6×6 bietet eine exklusives Leder-Ausstattung entweder in Rot oder Hellbraun mit individuellen Kontrastziernähten und attraktiver Rautensteppung. Hinzu kommen vier elektrisch verstellbare, beheizbare und belüftete Einzelsitze, das Rear Seat Entertainmentsystem mit zwei Farbbildschirmen hinter den vorderen Kopfstützen, eine besondere Mittelkonsole im Fond sowie Alcantara-Verkleidungen für den Dachhimmel und die Karosseriesäulen. Die Rückwand zur Ladefläche ist wiederum mit feinem Leder bezogen. Sonderwünsche wie eine Playstation, Minibar oder Disco-Kugel sind sicherlich machbar und nur eine Frage des Geldes.

Falls der G 63 AMG 6×6 tatsächlich in kleiner Auflage gebaut werden sollte, wird er sicherlich deutlich mehr als der vierrädrige G 63 AMG (in Deutschland 137.504 Euro) und wahrscheinlich sogar mehr als der G 65 AMG (€ 264.180,-) mit seinem Zwölfzylinder kosten.