Business Upgrade: Mercedes-Benz E-Klasse

25.03.2016 | Christian Sauer | Testrides

Mercedes-Benz-E-400-4MATIC-Drivers-Club-Germany

Bei den Benzinern geht es weiter mit dem E 300 (3,0-Liter-V6, 245 PS / 370 Nm) und dem E 350 e Plug-in-Hybrid, dessen Antrieb nahezu identisch auch im C 350 e zum Einsatz kommt. Zusammen bringen es der Vierzylinder samt 211 PS und der E-Motor auf eine Systemleistung von 286 PS und 550 Nm. Dadurch benötigt der E 350 e lediglich 6,2 Sekunden auf 100 km/h und knapp 30 km sollen rein elektrisch möglich schein, wenn er per Knopfdruck auf besondere Effizienz getrimmt wird. Kombiniert machen ihn laut Mercedes 2,1 Liter Super zum sparsamsten Modell der E-Klasse machen. Je nach Stromstärke sollen die Akkus binnen 90 bis 180 Minuten voll geladen sein. Der einzige Nachteil ist die Stufe im Kofferraum, der ansonsten in allen anderen E-Klasse Limousinen 540 Liter groß ist, im Hybriden aber weiterhin durch die umklappbaren Rücksitzen vergrößert werden kann. Ein „Lademeister“ wird später dann sowieso wieder das T-Modell als großer Kombi.

Doch jetzt noch einmal zurück zu den Motorisierungen, die vorerst unter dem E 43 und dem noch nicht präsentierten E 63 mit dem E 400 4MATIC samt 333 PS und 480 Nm enden. Dein 3,0-Liter-V6 überrascht uns zum einen mit seinem spontanen Ansprechverhalten und seiner Drehfreudigkeit sowie mit seinem kernigen Sound. Der muss wahrscheinlich hinter dem der AMG-Modelle  zurückbleiben, aber neben dem Turbofauchen unterhält sogar ein kleines Backfire geneigte Zuhörer außen wie innen. Im Sport-Modus und insbesondere im Sport+Modus macht der E 400 auf kurvigen Landstraßen ebenso viel Spaß wie auf der ehemaligen Formel-1-Strecke von Estoril. Während unserem dortigen Tracktest bei strömenden Regen konnte auch der 4MATIC-Allradantrieb zeigen, was er kann, bevor die physikalischen Grenzen und extrem rutschige Asphalt selbst ihn – beziehungsweise uns – ausbremsen.

 

Auf der Rennstrecke machen Assistenzsysteme von Natur aus wenig Sinn, aber dort lassen sie sich gut testen: Auf dem Weg zum autonomen und noch sicheren Fahren setzt Daimler aus rechtlichen sowie technischen Gründen immer noch auf einen aufmerksamen Piloten, der das Steuer zumindest in der Hand und somit die Kontrolle behält. Doch der DRIVE PILOT bestehend aus Abstands-Pilot DISTRONIC, Lenk-Pilot samt aktivem Spurwechsel-Assistent und aktivem Nothalt-Assistent sowie der Geschwindigkeitslimit-Pilot können ihm zumindest auf der Autobahn schon viel Arbeit abnehmen. Und falls es trotz den zahlreichen Kameras, Radars und Sensoren dann doch zu einer gefährlichen Situation kommt, helfen der serienmäßige aktive Brems-Assistent, Bestandteile des erweiterten PRE-SAFE-Paketes und zahlreiche Airbags sorgen für bestmögliche Sicherheit. In der neuen E-Klasse sind es so viele neue oder zumindest nochmal verbesserte Systeme, dass es den Rahmen sprengen würde, sie alle vorzustellen. Ob man sie dann auch wirklich braucht und nutzt, sollte bei der Konfiguration gut überlegt sein, treiben sie den Preis doch in Sphären der S-Klasse.

Doch auch wenn die Gefahr der Marken-internen Kannibalisierung besteht, hat Mercedes-Benz die E-Klasse mit dem umfangreichen Upgrade in nahezu allen Aspekten auf ein so hohes Niveau katapultiert, dass Audi und BMW dagegen mit ihren aktuellen A6 und 5er keine Chance haben. Selbst deren nächsten Generationen müssen sich strecken, um zumindest den Anschluss an den Stern nicht zu verlieren oder sogar ihrerseits wieder einen Schritt voraus zu sein. Und an sich attraktive Außenseiter wie der Jaguar XF oder der Volvo S90 spielen zumindest auf dem deutschen Heimatmarkt der drei Platzhirsche wohl für immer eine Nebenrolle. Auch wenn sich zunehmend Individualisten für sie begeistern, werden sie längst nicht die Verkaufszahlen der E-Klasse erreichen, dessen neueste Generation bald zum alltäglichen Straßenbild gehören wird.