Business Upgrade: Mercedes-Benz E-Klasse

25.03.2016 | Christian Sauer | Testrides

Mercedes-Benz-E-400-4MATIC-Drivers-Club-Germany
Für viele Manager ebenso ein Lieblingsauto wie für die meisten Taxifahrer – testeten wir die unterschiedlichen Motorisierungen und neuen Hightech-Features in Portugal – auch auf der Rennstrecke von Estoril.

Beginnen wir mit dem Design: Die zehnte Generation der für Daimler weltweit extrem wichtigen E-Klasse stellt längst keinen optischen Alleingang mehr wie früher mit vier runden oder eckigen Scheinwerfern dar. Stattdessen ist die Limousine mit dem modernen „Mercedes-Familiengesicht“ auf den ersten Blick aus nahezu allen Perspektiven schwierig von der C-Klasse und der S-Klasse unterscheidbar. Davon mag man denken, was man will, aus unserer Sicht steht ihr das neue Kleid ausgezeichnet. Trotz den gewachsenen Dimensionen (Radstand + 6,5 cm und Länge + 4,3 cm auf 4,92 m) wirkt der W 213 nun zierlicher als zuvor und zugleich elegant wie dynamisch. Einen wesentlichen Anteil daran tragen die weiterentwickelten MULTIBEAM Scheinwerfer mit 84 individuell steuerbaren LEDs für eine optimale Ausleuchtung ohne Blendung anderer Verkehrsteilnehmer. Serienmäßig sind jedoch nicht mehr standesgemäße Halogenscheinwerfer und wie viele sinnvolle oder zumindest schöne Features gibt es diese und „einfachere“ LED-Scheinwerfer allerdings nur zu teils horrenden Aufpreisen.

 

Wer fleißig Kreuzchen in der schier unendlich langen Aufpreisliste gemacht hat, kann seine E-Klasse beispielsweise automatisch per Smartphone in Garagen und Parklücken ein- oder ausparken. In ähnlicher Form bietet es BMW schon im 7er an und Mercedes zieht nun erstmals nach. Einen Schritt weiter geht die Sternen-Marke bei Smartphones, die per NFC als Schlüssel den Wagen nun öffnen und starten können. Natürlich funktioniert es weiterhin auch mit dem per se komfortableren Keyless-Schlüssel. So oder so empfängt uns die E-Klasse mit einem Luxus-Interieur im Stil der nochmal 19 bis 32 cm längeren S-Klasse Limousine. Mit deren aktueller Generation debütierten 2013 die komplett digitalen Instrumente und treten nun ihren Siegeszug durch immer mehr Baureihen mit Stern an. Auch wenn wir schon mehrfach das Vergnügen hatten, beeindruckt das sogenannte Widescreen-Cockpit samt drei Darstellungsstilen nicht „nur“ mit der Größe von zweimal 12,3 Zoll, sondern auch mit der HD-Auflösung und den flüssigen Animationen. Ob das den Aufpreis von über 1.000 Euro zu den klassischen Rundinstrumenten mit Display dazwischen lohnt, muss jeder Käufer selbst entscheiden, ebenso ob es das Head-up-Display zum fast gleichen Aufpreis sein soll.

 

Bei der Bedienung des noch weiter vernetzten COMAND-Infotainment-Systems hat man nun die Wahl zwischen den Drehschalter samt optionalem Touchpad in der Mittelkonsole, der abermals verbesserten Sprachbedienung und ganz neu bei Mercedes-Benz, den kleinen Touch-Control Buttons links und rechts am Lenkrad zum „Wischen“ durch die Menüs. Die Ambientebeleuchtung lässt sich nun in 64 Farben konfigurieren und illuminiert auch das teuerste von zwei Burmester-Soundsystemen mit 23 Lautsprechern sowie 1.450 Watt für fast 6.000 Euro extra. Zahllose Optionen zur individuellen Gestaltung des geräumigen und sehr hochwertigen Innenraums werden ebenfalls in Form von Aluminium, offenporigem Holz und edlem Leder angeboten. Taxiunternehmer werden kaum die sehr empfindlichen Farbkombinationen wie des designo Paketes macchiatobeige / sattelbraun wählen, doch die neue E-Klasse soll noch mehr modernen Luxus denn jeher bieten. Zusätzlich wird später auch eine Maybach-Version analog der S-Klasse mit verlängertem Radstand für den Chauffeurs-Betrieb beispielweise in China folgen. Doch nicht nur die Gäste im Fond werden das Panorama-Schiebedach und die Luftfederung AIR BODY Control zu schätzen lernen, das je nach Modus den schwierigen Spagat zwischen Dynamik und Komfort meistert. In Verbindung DYNAMIC SELECT stehen fünf Fahrprogramme zur Wahl, die auch die Charakteristik der Lenkung und des Antriebes spürbar verändern.

Als Motorisierungen stehen bereits zum Marktstart verschiedene Vier- und Sechszylinder zur Wahl: Während wir den E 200 Benziner mit 184 PS und 300 Nm Drehmoment bei der internationalen Fahrveranstaltung in Portugal nicht testen konnten, starten wir mit dem E 220 d als kleinsten Diesel bei knapp 50.000 Euro. Sein 2,0-Liter-Motor leistet 195 PS sowie 400 Nm – also bei kleinerem Hubraum mehr Leistung als beim Vorgänger E200 BlueTEC. Der komplett neu entwickelte Diesel hält sich akustisch angenehm im Hintergrund, solange nicht die volle Leistung abgerufen wird. Dann wird es auch nichts mit dem versprochenen Durchschnittsverbrauch von 3,9 Litern, was 102 g CO2 entspricht. Mit 5,1 Litern ist der der E 350 d angegeben, dessen 3,0-Liter-V6 sich wie zu erwarten noch laufruhiger und mit 258 PS sowie 620 Nm durchzugsstärker präsentiert. Dafür kostet er mindestens 55.602 Euro. Wie bei alle anderen, zur Markteinführung angebotenen Versionen der E-Klasse, übernimmt alternativlos die 9G-TRONIC als moderne Automatik die Kraftübertragung.