Special: Mercedes-Benz Blog House Sicherheit

08.06.2015 | Christian Sauer | News, Testrides

Mercedes-Benz Bloghouse Sicherheit Crashtest
In Sindelfingen konnten wir von Drivers Club Germany zusammen mit anderen Bloggern exklusive Einblicke in neue Entwicklungen für mehr Sicherheit bei der Daimler AG und deren Historie werfen.

Normalerweise ist das riesige Areal der Daimler AG in Sindelfingen bei Stuttgart „Top Secret“. Neben dem Werk befinden sich hier nämlich das Design- und das Entwicklungszentrum, von dem aus auch mehr oder weniger getarnte Prototypen auf Erprobungsfahrt gehen. Fotos von diesen „Erlkönigen“ am Werkstor tauchen regelmäßig in Auto Bild & Co. auf, aber auf das Gelände selbst kommen auch bei Mercedes-Benz geschätzte Journalisten nur selten. Kein Wunder, denn alle paar Meter lassen sich nagelneue Modelle erspähen – viele davon übrigens an Ladesäulen geparkt – der Hybridantrieb scheint bei Daimler in den nächsten Jahren wirklich eine immer größere Rolle zu spielen.

Nach der kurzweiligen „Irrfahrt“ über das Werksgelände erreichen wir unser erstes Ziel: die Crash-Halle. Doch bevor es dahin geht, wo es teilweise mehrfach pro Tag „knallt“, gibt es erstmal ein Update und eine Zusammenfassung zum ganzheitlichen Konzept der „Real-Life-Safety“. Dabei bilden die Maßnahmen der aktiven und passiven Sicherheit zusammen mit der Unfallforschung die „Integrale Sicherheit“. An erster Stelle steht natürlich das Vermeiden von Gefahren, das rechtzeitige Warnen und Unterstützen mit den zahlreichen Assistenzsystemen von „Intelligent Drive“ wie der Collision Prevention Assist Plus oder der Aktive Spurhalte-Assistent & Aktive Totwinkel-Assistent. Zusammen mit den PRE-SAFE-Systemen soll bei Gefahr dann vorbeugend agiert werden. Wenn es dann doch zu einem Unfall kommt, können beispielsweise die Airbags bedarfsgerecht schützen sowie durch den automatisiertem Notruf schnell Hilfe alarmiert und somit Schlimmeres vermieden werden.

 

Durch die Unfallforschung, in deren Rahmen seit über 40 Jahren Daimler-Mitarbeiter vor Ort die Unfallstellen und Unfallwagen untersuchen, werden enorm wichtige Informationen gesammelt. Die fließen dann wiederum in die Konstruktion neuer Autos und Bauteile ein. Durch die gestiegenen Kapazitäten der Großrechnern können immer genauere Computer-Simulationen erstellt werden, wo sogar das Crashverhalten einzelner, ansonsten verborgener Komponenten untersucht wird. Doch auf reale Crash Tests kann trotz des hohen Aufwandes nicht verzichtet werden. Bei Daimler belässt man es nicht nur bei den international vorgeschriebenen Varianten, sondern ergänzt sie um weitere Crash Tests, die nach Einschätzung der Experten im Konzern zusätzliche Erkenntnisse für die Sicherheit bringen. Dabei geht die Sicherheit der großen Modelle nicht auf die der kleineren Modelle. Verdeutlicht wird dies durch den Crash Test einer S-Klasse gegen einen smart. Klar, in der großen Limousine profitieren Passagiere von den modernsten Sicherheits-Features und natürlich auch von der Größe des Wagens. Aber auch im kleinen smart bleibt überraschend viel Lebensraum erhalten. Ein weiterer Aspekt ist die Fußgänger-Sicherheit im Falle eines Crashs.

Leider konnten wir zwar keinen Crash Test live mitverfolgen, doch bereits dessen aufwendiges Setup ist beeindruckend. In unserem Fall ist es ein neuer GLE, in dem bereits zahlreiche Messgeräte und Crash Test Dummies auf ihren Einsatz warten. Da sämtliche Versuche streng standardisiert sind, muss alles penibel genau vorbereitet sein. Wenn es dann soweit ist, wird der Wagen nicht wie in den Anfängen der Tests per Rakete, sondern mit einer Art Katapult und Rollwagen auf Geschwindigkeit gebracht. So rollt der Testwagen dann die letzten Meter frei und trifft unter realistischen Bedingungen auf das jeweilige Hindernis, zumeist feste Testkörper. Den lautstarken Crash nehmen dann mehrere Hochgeschwindigkeits-Kameras auf. Die jetzige Crashhalle mit Platz für zwei Versuche wird demnächst durch eine neue ersetzt, wo dann bis hin zu den LKWs mit Stern alle Modelle der Daimler AG getestet werden können. Immer aufwendiger werden auch die Crash Test Dummies, die wir in ihrer Werkstatt – ihrem „Zuhause“ – besuchen. Dort werden die Messpuppen auf ihren nächsten Einsatz vorbereitet oder nach erfolgtem Crash Test wieder repariert. Mit integrierten Sensoren haben sie jeweils einen hohen fünf- oder sogar sechsstelligen Wert. Es ist ebenso faszinierend wie skurril, die „Großfamilie“ samt Erwachsenen und Kindern unterschiedlicher Größe mit ihrer vermeintlichen Menschlichkeit einmal so hautnah zu erleben.