Mit Strom und Gas: Mercedes-Benz B-Klasse im Fahrbericht

31.10.2014 | Christian Sauer | Testrides

Mercedes-Benz B-Klasse

Vernünftiger ist sowieso der Economy-Modus, bei dem die Leistung auf 98 kW begrenzt wird. Per Kickdown können aber auch in diesem Fahrprogramm bis zu 132 kW abgerufen werden. Gleiches gilt für Economy Plus, wo die Leistung auf 65 kW und die Höchstgeschwindigkeit von 160 auf knapp 110 km/h reduziert wird. Überschüssige Geschwindigkeit verwandelt die knapp 1,7 Tonnen schwere B-Klasse Electric Drive auf mehreren Wegen in elektrische Energie für die Lithium-Ionen Batterie mit einer Kapazität 28 kWh. Neben dem automatischen Modus und drei manuellen Stufen, wobei mit Wippen am Lenkrad die Rekuperations-Stärke gewählt wird, kommen auch Sensoren und Radar zum Einsatz. Analog zum konventionellen Zurückschalten bei starkem Gefälle, wird das Rekuperationsmoment erhöht, um die Beschleunigung abzubremsen. Nimmt die Neigung ab, wird die Bremsenergierückgewinnung ebenfalls wieder reduziert, maximal bis zum Segeln.

Ähnlich intelligent reagiert die Rekuperation, wenn das vorrausschauende Radar des Collision Prevention Assist Plus – der beim drohenden Auffahrunfall bis 40 km/h automatisch bremst – ein langsames oder verzögerndes Fahrzeug sowie ein Verkehrsschild mit Tempolimit erkennt. Aus unserer Sicht fehlt eigentlich nur noch ein besonders effizienter Modus für den Tempomat, der an Steigungen die Geschwindigkeit und somit den Verbrauch senkt, um dann bergab mit Schwung wieder die gewünschte Durchschnittsgeschwindigkeit zu erreichen. Doch Mercedes bietet darüber hinaus eine andere Möglichkeit an, um möglichst weit mit der elektrischen B-Klasse zu kommen. Dank der Sonderausstattung Range Plus lässt sich die Reichweite um bis zu 30 km auf maximal 230 km erhöhen. Durch Betätigen der entsprechenden Taste in der Mittelkonsole wird beim darauffolgenden Ladevorgang mehr Batterie-Kapazität freigegeben. Da bei zu häufiger Nutzung dieser Funktion die Batterie schneller altern kann, sollte sie nicht zu oft verwendet werden. Außerdem ist ein besonderes Isolierpaket inbegriffen, das wohl für wärmere Länder wenig Sinn machen würde. Deswegen und weil wahrscheinlich nur wenige Kunden die Extra-Reichweite tatsächlich benötigen werden, kostet das Range-Plus-Paket extra.

Zumindest auf absehbare Zeit verzichtet Mercedes bei der B-Klasse Electric Drive komplett auf DC-Schnellladen. Auf unsere Nachfrage begründen es die Experten des Herstellers damit, dass es derzeit noch nicht weit (genug) verbreitet ist und der Aufwand sowie der Preis dafür zu hoch wären. Man beobachtet die Entwicklungen aber natürlich weiter und eine Vollladung in rund drei Stunden an einer öffentlichen Ladestation oder einer Wallbox (400 V, 3 phasig, 16 A) wird den meisten Kunden sicher genügen. An einer Haushaltsteckdose (230 V, 1-phasig, 16 A) dauert es knapp neun Stunden. Mercedes-Benz stellt übrigens der Batterie ein Zertifikat und somit ein Leistungsversprechen aus: Dieses versichert, dass jede technische Fehlfunktion innerhalb eines Zeitraums von acht Jahren nach Erstauslieferung oder -zulassung bzw. bis zu einer Laufleistung von 100.000 Kilometern von Mercedes-Benz behoben wird. Die B-Klasse Electric Drive kann ab 39.151 Euro bestellt werden – zum Vergleich – der BMW i3 startet bei 34.950 und der VW e-Golf kostet mindestens 34.900 Euro.

 

Fest steht bereits jetzt, dass der B 200 Natural Gas Drive ab 32.903,50 Euro zu haben ist. Während der Electric Drive im Zwischenboden zwischen den Achsen, unter den Rücksitzen, seine Batterien lagert, sind dort die Erdgas-Tanks sicher installiert. Für Notfälle ist zusätzlich ein kleiner, 12 Liter fassender Benzintank an Bord. Sollte das Gas einmal ausgehen, schaltet das Fahrzeug automatisch auf Benzinbetrieb um. Im Erdgasbetrieb beträgt der Verbrauch des 115 kW (156 PS) und 270 Nm starken B 200 Natural Gas Drive 4,2 kg/100 km, was einer CO2 Emission von 115 g pro Kilometer entspricht. Das sind rund 16 Prozent weniger als beim gleichstarken B 200 BlueEFFICIENCY mit Benzinantrieb. Aber nicht nur die Umwelt, auch der Geldbeutel soll geschont werden: Rechnet man den Gas-Verbrauch auf Benzin um, liegt der Preis pro Kilometer die Hälfte darunter. Die Reichweite beträgt rund 500 Kilometer – rund 100 km mehr als im Audi A3 g-tron.

Selbst der Fahrspaß bleibt dabei nicht auf der Strecke, schließlich beschleunigt der B 200 Natural Gas Drive auf bis zu 200 km/h und aus dem Stand auf 100 km/h in knapp neun Sekunden. Wie beim Electric Drive präsentiert sich das Fahrwerk mit einem ausgewogen Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit. Für den relativ hohen Aufbau liegt die B-Klasse überraschend gut in Kurven. Noch mehr Dynamik versprechen der Allrad-Antrieb und das Sportfahrwerk, die mit den beiden jeweils stärksten Benzin- und Diesel-Motorisierungen mit bis zu 211 PS im B 250 kombinierbar sind. So bietet die B-Klasse für fast jeden Bedarf und persönlichen Geschmack den richtigen Antrieb und die passende Ausstattung.