Best of: McLaren 650S im Fahrbericht

16.12.2014 | Christian Sauer | Testrides

McLaren 650S Drivers Club Germany 1
Nach dem 12C Spider im letzten Jahr, testeten wir von Drivers Club Germany nun den McLaren 650S als ebenso spektakuläres Coupé mit Flügeltüren. Auf geht’s zum rasanten Fahrbericht!

F1, MP4-12C, P1 und nun 650S – McLaren hat es sich selbst und uns in Sachen Nomenklatur nicht leicht gemacht, den Durchblick zu behalten. Um den Überblick nicht zu verlieren – der F1 war der Zwölfzylinder-Supersportwagen mit bis zu 680 PS und drei Sitzen aus den 1990er Jahren. Wenn überhaupt, werden die nur 72 gebauten Exemplare mit Straßenzulassung heutzutage für mehrere Millionen Euro gehandelt. Sein legitimer Nachfolger, der über eine Million Euro teure P1 ist auf 375 Exemplare limitiert und bereits ausverkauft. Er spielt(e) mit einem 916 PS starken Hybrid-Antrieb wiederum in der obersten Leistungs- und Preisklasse à la Porsche 918 und LaFerrari mit. Der MP4-12C, oder später nur noch 12C genannte V8-Biturbo mit 625 PS und rund 200.000 Euro Grundpreis sollte als Coupé und Spider ab 2010 deutlich mehr Kunden ansprechen, was ihm mit mehr als 3.000 gebauten Wagen auch gelungen ist.

Nachdem der 12C anders als ursprünglich geplant, doch nicht parallel weiter produziert wird, will McLaren mit dem 650S samt 650 PS weiter die Pace vorgeben. Die Optik könnte mit der vom P1 inspirierten Front samt schmalen LED-Scheinwerfern kaum spektakulärer ausfallen. Selbst Experten müssen schon zweimal hinschauen, um beide McLaren-Modelle von vorn auseinander zu halten.  Vom Hybrid-Sportler übernimmt das „Einstiegsmodell“ aber auch Teile der aufwendigen Aerodynamik. Dazu zählt beispielsweise der Frontsplitter, der bei unserem Testwagen aus Carbon gefertigt ist. Das kostet allerdings ebenso einen vierstelligen Aufpreis wie die filigranen Außenspiegel und großen Lufteinlässe aus dem leichten Wunderstoff. Damit veredelt, wirkt die ohnehin schon futuristische Heckpartie nun noch dramatischer als beim Vorgänger. Ebenfalls extra zu ordern ist der Heckflügel aus Carbon, der sich im Aero-Modus bereits auf Knopfdruck um einige Grad in den Wind stellt, um mehr Anpressdruck zu generieren. Bei Vollgas stellt er sich nun wie das DRS-System in der Formel 1 wieder flach, um den Luftwiderstand zu reduzieren. Nimmt der Pilot seinen Fuß bei höheren Geschwindigkeiten vom Gas und bremst stark, klappt der Spoiler komplett hoch und agiert wirkungsvoll als Airbrake.

Die Optimierung der Aerodynamik führt beim 650S im Vergleich zum 12C zu einer nochmaligen Optimierung des Fahrverhaltens. Der Supersportwagen fühlt sich noch besser beherrschbar und kontrollierbar an. Wie schon bei seinem Vorgänger verblüfft es, wie einfach sich das 650 PS starke Geschoss mit 3,8 Liter Hubraum bei langsamer Gangart bewegen lässt. Mit einer Hand dirigieren wir ihn durch enge Innenstädte, das adaptive Fahrwerk schluckt Unebenheiten geschmeidiger als so manches zivilere Modell und das Geräuschniveau im Cockpit finden wir  deutlich entspannter als bei den meisten Konkurrenten wie dem Ferrari 458 Speciale. Doch wehe, der Active-Knopf wird gedrückt und die Drehschalter für Handling und Powertrain werden auf S(port) oder sogar auf T(rack) gestellt. Dann zeigt der McLaren sein anderes Gesicht – das eines Rennwagens mit Straßenzulassung. Passend dazu garantiert die Launch-Controll eine Beschleunigungs-Orgie der besonderen Art: Knopf gedrückt, linker Fuß auf die Bremse und rechter Fuß aufs Gas. Drehzahl bei rund 3.000 Touren und dann Bremse los – das Resultat ist im wahrsten Sinn des Wortes atemberaubend.

 

Die speziell auf den McLaren zugeschnittenen 305er Pirelli P Zero Corsa Reifen auf den 20 Zoll großen Leichtmetallfelgen an der Hinterachse krallen sich regelrecht im Asphalt fest und in Sage und Schreibe drei Sekunden katapultiert das Drehmoment von 678 Nm bei 6.000 Touren das 1.330-kg-Leichtgewicht aus dem Stand auf Tempo 100. Damit gehört der Engländer aus Woking aus England zu den schnellsten Sprintern überhaupt. Die sieben Gänge lassen sich automatisch oder per filigraner Schaltwippe blitzschnell wechseln und wenn der Platz reicht, sind vom grandiosen Sound-Gewitter untermalt nach insgesamt 8,4 Sekunden 200 km/h erreicht. Doch damit nicht genug, die 300er Marke fällt nach 25,4 Sekunden und der Vortrieb endet offiziell erst bei 333 km/h im Coupé und 329 im Spider mit elektrischem Hardtop.