Lexus RX – Restart mit Upgrade

03.10.2016 | Christian Sauer | Testrides

lexus-rx-drivers-club-germany
Die vierte Generation des japanischen SUV-Flaggschiffs will mit dynamischerem Design, noch mehr Platz und Luxus gegen die hiesigen Mitbewerber punkten. Ob es dem Toyota-Ableger gelingt, klärt unser Fahrbericht des Topmodells RX 450h Luxury Line.

Er ist kaum wiederzuerkennen, der neue RX von Lexus. Seit 1998 wurde das Design von Generation zu Generation eher behutsam weiterentwickelt. Doch nachdem bereits der Lexus NX als sein kleiner SUV-Bruder mit seinem aggressiven Design voran preschte, greift der RX nun die moderne Formensprache mit verbesserter Aerodynamik auf. Vor allem von vorn mit dem riesigen, für Lexus typischen Diabolo-Kühlergrill, der von den L-förmigen LED-Scheinwerfern eingerahmt wird, sieht er richtig scharf und zugleich elegant aus.

Auch die Rücklichter setzen auf LED-Technik und die L(exus)-Form. Eine Premiere bildet die C-Säule mit geschwungenem Glaselement, die das Dach optisch frei schweben lassen. Das Detail sieht zudem gut aus und verbessert die Übersichtlichkeit nach hinten, die bei dem „großem Schiff“ naturgemäß eingeschränkt ist. Im Vergleich zum Vorgänger wuchs die neue Generation um 12 cm auf 4,89 m Länge. Da die Höhe mit 1,69 m unverändert blieb, wirkt das SUV deutlich gestreckter, flacher und mit bis zu 20 Zoll großen Rädern dynamischer.

Der Kofferraum hinter der elektrischen Heckklappe, die gerne etwas schneller öffnen oder schließen könnte, fasst 539 bis 1.612 Liter bei elektrisch umgeklappten Rücksitzen. Der Zugang zu ihnen ist dank den massiv wirkenden, riesigen Türen sehr komfortabel. Anders als in Nordamerika – dem Hauptmarkt des RX – lassen sie sich hierzulande jedoch kaum in einer Parklücke vollständig öffnen. Im Fond finden sich dank 5 cm mehr Radstand üppige Platzverhältnisse, die denen der Lexus-Top-Limousine LS in kaum etwas nachstehen.

Gleiches gilt für die breiten Sessel in der ersten Reihe unseres Testwagens mit der Topausstattung „Luxury Line“, die 1,9 cm tiefer positioniert sind und somit mehr Kopffreiheit ermöglichen. In seinem Segment versteht es sich nahezu von selbst, dass sie vielfach elektrisch verstellbar und klimatisierbar sind. Allerdings wird keine Massagefunktion angeboten und von den Komfortsitzen sollte auch nicht zu viel Seitenhalt erwartet werden. Mehr davon bieten die Sportsitze der nahezu gleich teuren Linie „F-Sport“ mit zahlreichen sportlichen Details. Wie in unserem Testwagen ist das Lenkrad ebenfalls beheizbar, aber etwas kleiner.

Beim Blick auf die Instrumente zeigt sich ein weiterer Unterschied: Während bei den anderen Linien zwei klassisch wirkende Rundinstrumente mit Display dazwischen alle wichtigen Informationen liefern, wird im RX F-Sport auf ein acht Zoll großen LCD-Bildschirm mit dem Drehzahlmesser im Mittelpunkt gesetzt. Das wurde erstmals im Supersportwagen LFA vorgestellt und wir kennen das bereits aus den anderen Lexus-(F-Sport)-Modellen.

Optional werden für alle RX ein Head-up-Display im direkten Sichtfeld des Fahrers und ein riesiges 12,3 Zoll großes, freistehendes Display auf der Armaturentafel angeboten. Die Bedienung mit der von Lexus bekannten „Computermaus“ funktioniert für unseren Geschmack immer noch nicht perfekt, aber besser als in den bisherigen Modellen. Für Audioliebhaber stehen Soundsysteme von Pioneer mit neun oder zwölf Lautsprechern sowie als Highlight eins von Mark Levinson samt 15 Lautsprechern und aufwendigen Detaillösungen.

In der Mittelkonsole unseres Testwagens mit elegant gebogenem Holz findet sind zudem der Drehschalter zur Auswahl des Fahrmodus. Doch selbst im Sport-Modus und Sport+-Modus wird trotz den aktiven Stabilisatoren aus dem „normalen“ RX – beim F-Sport mag das anders sein – kein ausgesprochener Dynamiker.  Dafür bieten die adaptiven Dämpfer viel Fahrkomfort und die stufenlose Automatik passt bis auf Defizite beim starken Beschleunigen gut dazu.

Auf die Vorderräder wird die Kraft des neuentwickelten V6-Benzin-Saugmotors mit 3,5 Liter Hubraum und 262 PS / 335 Nm Drehmoment übertragen. Dazu kommen die 167 PS (123 kW) / 335 Nm des vorderen Elektromotors und bei Bedarf zusätzlich die 68 PS (50 kW) / 139 kW des hinteren Stromers. Zusammen ergibt dies neben dem Allradantrieb eine maximale Systemleistung von 313 PS / 230 kW, die den Lexus RX 450h AWD in 7,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und bis zur abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h beschleunigt.

Als offiziellen Durchschnittsverbrauch werden 5,2 – 5,3 Liter auf 100 km angeboten. Ob dies im Alltag realistisch ist, bleibt jedoch gerade bei Hybriden immer eine Frage der Nutzung. Obwohl der RX 450h kein Plug-in-Hybrid ist, also nicht per Stromkabel aufgeladen werden und mehrere Kilometer elektrisch fahren kann, fuhren wir selbst außerhalb des EV-Modus überraschend oft emissions- und geräuschlos. Schade finden wir allerdings, dass Lexus derzeit gar keine und auch Toyota als Konzernmutter nur wenige Plug-in-Hybride anbietet.

Alternativ zum Hybrid-Antrieb wird ein 238 PS / 350 Nm starker Vierzylinder-Turbo-Benziner mit 2,0 Liter Hubraum mit Allrad- oder Frontantrieb angeboten.  Der RX 200t stellt mit seinem Grundpreis von 49.900 Euro zugleich die günstigste Möglichkeit dar, einen RX zu fahren.  Am oberen Ende der Liste steht unser Testwagen als RX 450h Luxury Line mit 76.400 Euro und fast vollständiger Ausstattung. Anders als bei der deutschen Konkurrenz gib es nur wenige aufpreispflichtige Extras und dennoch wird es auch der neue Luxus-SUV von Lexus hierzulande schwierig haben, sich gerade gegen sie bei der Kaufentscheidung durchzusetzen.