Lexus NX 300h: Mehr Schein als Sein?

08.03.2015 | Christian Sauer | Testrides

Lexus NX 300h
Drivers Club Germany testete das schnittige SUV mit kompakten Maßen und jeder Menge Luxus-Features.  Doch einen Haken gibt es dennoch. Welcher das ist und welche Alternative wir empfehlen, verrät unser Fahrbericht.

Mit dem NX fährt nach dem größeren und seit 2007 gebauten RX die zweite SUV-Baureihe von Toyota’s Premium-Marke Lexus zu den Kunden in Deutschland. Mit 4,63 m scheint er perfekt zum hierzulande anhaltenden Trend zu kompakte(re)n „Hochbeinern“ zu passen. Dazu sticht der Japaner mit seinem aufsehenerregenden Design aus der Menge hervor. Es wirkt sehr sportlich und fast schon aggressiv – optisch ist der NX auf jeden Fall eine Bereicherung und Alternative unter den SUVs – das konnte bislang vor allem Nissan’s Tochter Infiniti von sich behaupten. Unter dem Design leidet allerdings die Übersichtlichkeit, daher sind zumindest die Parksensoren und die Rückfahrkamera sinnvoll, wir würden auch die 360-Grad-Kamera empfehlen, die leider nur als Extra für die teuerste Ausstattung „Luxury Line“ angeboten wird.

Trotz der dynamischen Formensprache gibt es innen relativ viel Platz für 555 bis 1.600 Liter Gepäck und vier Personen. Allein auf der Dreierrücksitzbank zeigt sich die Kopffreiheit etwas eingeschränkt. Vorn herrscht dafür keinerlei Platzmangel. Die groß geschnittenen Vordersitze lassen ab der von uns getesteten „Executive Line“ elektrisch verstellen. Deren Belüftung ist allerdings wieder ausschließlich der „Luxury Line“ vorbehalten, ebenso wie Sportsitze dem „F Sport“. Generell gibt die an sich übersichtliche Aufpreisliste einige Rätsel auf, warum welche Extras mit welchen Ausstattungs-Varianten zu kombinieren sind. Ansonsten gefällt das moderne Cockpit mit bis auf wenige Ausnahmen hochwertigen Materialien und in unserem Testwagen mit braunem Leder. Die wuchtige Mittelkonsole krönt das 8-Zoll-Multifunktionsdisplay des Infotainmentsystems, das sich je nach Ausstellung per Drehschalter oder Touchpad steuern lässt. Die Bedienung gelingt zwar einfacher als die Systeme der großen Lexus-Modelle, allerdings bleiben einige Schwachstellen. Als Highlight kann daran ein Premium Surround System mit 14 Lautsprechern von Mark Levinson gekoppelt werden. Einen nicht geringen Aufpreis kostet ebenfalls das 6,2 Zoll große Head-up-Display zusammen mit den Fernlicht- und Spurhalte-Assistenten. Das Abstandsradar ist dagegen separat zu bekommen.

 

Exklusiv dem „F Sport“ vorbehalten bleibt das adaptive Fahrwerk samt aktiven Stabilisatoren und Sport+ Modus. Darauf mussten wir in unserem Testwagen zwar verzichten, aber auch im Sport-Modus kommt Fahrfreude hinterm kleinen Lenkrad auf. Der NX lässt sich generell recht dynamisch und handlich um Kurven scheuchen, ohne den Komfort zu vernachlässigen. Vielversprechend sieht zumindest auf dem Papier auch die Systemleistung von 197 PS des Hybrid-Antriebes aus. Der Reihen-Vierzylinder mit 2,5 Liter Hubraum erzeugt allein 155 PS und 210 Nm Drehmoment, das erst ab 4.200 Touren anliegt. Beim Anfahren oder im Schiebbetrieb unterstützen maximal zwei Elektromotoren, an der Vorderachse mit 143 PS / 105 kW und bei der „E-Four“ genannten Allrad-Version ein 68 PS / 50 kW starker Stromer an der Hinterachse. Die günstigste Version des Lexus NX verzichtet auf letztgenannten und agiert als reiner Fronttriebler. Das Zusammenspiel des Benziners mit den Elektromotoren funktioniert gut und bei langsamer oder gleichmäßiger Fahrt hält sich der Antrieb akustisch angenehm im Hintergrund.