Lexus LC 500 Performance Testdrive

08.11.2018 | Christian Sauer | Testrides

Wir testen das spektakuläre Coupé mit 477 PS starkem V8-Sauger, 10-Stufen-Automatik und der sportlichsten Ausstattung.

Hoverboard, ein Raumschiff für Luc Bessons Science-Fiction-Film „Valerian“ und Yachten unterschiedlicher Größe – ja, das ist auch Lexus – Toyotas Luxusableger versteht sich als eine globale Lifestyle-Marke und da gehören solch PR-trächtige Designexperimente auch dazu. Geld wird seit 1989 aber mit luxuriösen Automobilen verdient und das immer noch vor allem in den USA. Mehr oder wenige effiziente Modelle mit Hybridantrieb dominieren bekanntlich das Portfolio und dennoch gibt es „Ausreißer“. Während der von uns getestete Supersporler LFA längst seinen Platz in der automobilen Geschichte eingenommen hat, waren es bis dato die F-Versionen des RS genannte Coupés sowie der Lexus-Limousinen, die sich der Fahrdynamik verpflichtet fühlten und fühlen.

Nicht nur bei der Nomenklatur bricht die LC-Baureihe nun mit der bisherigen Tradition. Doch bevor wir dazu kommen, lassen wir erstmal das Design wirken. Man sollte sich dafür etwas Zeit nehmen, denn es gibt viel zu entdecken und es fasziniert aus jeder Perspektive aufs Neue. Mit atemberaubend, futuristisch und innovativ lässt es sich am besten beschreiben, oder? Extrem schmale LED-Leuchteinheiten, kurze Überhänge, die lange Motorhaube, breite Spur, schmale Taille und das knackige Heck machen das „Grand Touring Coupé“ aus unserer Sicht zu einem wahren Kunstwerk. Da verwundert es nicht, dass Lexus einige Elemente auch dem kleineren Bruder RC im Zuge dessen neuerlichen Facelifts spendiert hat. Dies beinhaltet ebenfalls den mächtigen Marken-typischen „Diablo“-Kühlergrill.

Bei 4,77 m Länge mit 2,87 Radstand und 1,92 Breite versprüht der LC 500 mit seinen 1,34 Meter über Asphalt optisch Dynamik. Dazu passen die optionalen 21 Zoll großen Schmiederäder – als erstes Modell in seinem Segment – mit 275er Michelin Pneus. Bei der von uns getesteten Performance-Version stellt sich automatisch bei 80 km/h oder manuell per Knopfdruck ein ausfahrender Heckspoiler vehement in den Fahrtwind. Er gehört zu der ausgeklügelten Aerodynamik mit nahezu glattem Unterboden, die mit dem Design eine harmonische Symbiose eingeht. Aus Carbon wurde nicht nur das Dach, sondern auch Teile des Kofferraumdeckels und der Türen gefertigt. Getreu der Vorgabe, das passende Material für den richtigen Einsatz zu verwenden, werden natürlich auch Stähle und Aluminium verwendet. Zusammen mit der erstmals von Lexus umgesetzten GA-L-Plattform wirkt der LC 500 sehr verwindungssteif. Zugegeben, mit rund zwei Tonnen ist das Coupé alles andere als ein Leichtgewicht, aber von Natur aus ja auch kein Supersportler.

Das beweist ebenfalls der erste Blick ins Cockpit des 2+2-Sitzers. Große Türen empfangen uns, deren fließende Verkleidungen eine Einheit mit dem Exterieur erzeugen sollen. Der Übersichtlichkeit dienlich sind zwar die schmalen A-Säulen, jedoch anders als von Lexus behauptet, empfanden wir die Sicht nach vorn nicht optimal. Auch nach hinten ist der LC kaum einschätzbar, aber die Rückfahrkamera zum Glück serienmäßig. Noch stärker auf den Fahrer orientiert und mit formschönen Details garniert, erinnert uns die horizontale Gestaltung wieder an andere Modelle von Lexus. Obwohl damals schon beim LFA an Bord, wirken die digitalen Instrumente immer noch futuristisch, vor allem wenn der von einem haptischen Zentralring eingefasste Drehzahlmesser zu Gunsten weiterer Informationen und Menüs nach rechts gleitet. Ergänzt wird das digitale Erlebnis vom Head-up-Display und dem 10,3 Zoll großem Display des Infotainmentsystems. Leider bleibt auch im LC dessen Bedienung per Tasten und Touchpad nicht unbedingt selbsterklärend, sondern gewöhnungsbedürftig.

Ein Manko werden sportliche Fahrer mit langen Beinen feststellen, wenn ihre Knie unfreiwillig Kontakt mit dem wuchtigen Armaturenträger aufnehmen, der relativ weit ins Cockpit hineinragt. Die beheizbaren und belüftbaren Sportsitze bieten zwar vergleichbar wenige (elektrische) Einstellmöglichkeiten, aber trotzdem guten Langstreckenkomfort und Seitenhalt. Die Notsitze im Fond eignen sich wenig überraschend höchstens für Kinder. Ein Lob verdienen die verwendeten Materialien und deren Verarbeitung. Für die Hochwertigkeit sind die sogenannten „Takumi-Meister“, besonders hochqualifizierte Mitarbeiter bei Lexus verantwortlich. Sie konnten ihr handwerkliches sowie technisches Können bereits im Zuge der Entwicklung und Produktion des LFA beweisen. Großflächig wurden im LC 500 Alcantara und Leder verarbeitet. Akkurate Ziernähte sowie metallische Elemente finden sich beispielsweise in Form des beheizbaren und elektrisch verstellbaren, handlichen Lenkrads oder des Wählhebels der 10-Stufen-Automatik.

Deren lang übersetzter Zehnter sorgt mit niedrigen Drehzahlen auf der Autobahn für mehr Effizienz – Verbrauch offiziell 11,5 Liter im Durchschnitt – und zusammen mit den geringen Windgeräuschen für angenehme Ruhe, die höchstens bewusst durch das Soundsystem von Mark Lewinson mit 13 Lautsprechern und 915 Watt unterbrochen wird. Für die Fahrdynamik wichtiger ist die geringe(re) Spreizung zwischen den Gängen darunter. Die Automatik reagiert schnell und lernt den jeweiligen Fahrstil des Piloten, um vorrausschauend den optimalen Gang zu wählen. Nur der Wechsel zum manuellen Schalten per Magnesium-Schaltwippen wird leider mit einer unfreiwilligen Pause behindert. Insgesamt scheinen nahezu bei allem elektronische Systeme „helfen“ zu wollen. Neben den inzwischen üblichen Premium-Assistenten für mehr Komfort und Sicherheit, sollen sie aber auch die Dynamik steigern. So lässt das Stabilisationsprogramm bei den Einstellungen Sport und vor allem Sport+ dem Hecktriebler etwas mehr Spiel. Es ist auch komplett deaktivierbar, wobei wilde Drifts mit dem Coupé vielleicht nicht unbedingt sein müssen.

Relevanter finden wir die Allradlenkung, die zusammen mit der variablen Übersetzung der elektromechanischen Servolenkung den LC zum einen bei höheren Geschwindigkeiten stabil und zum anderen auf Landstraßen überraschend direkt macht. Dafür berechnet das Lexus Dynamic Handling System die optimale Stellung jedes einzelnen Rades. Bis zu 80 km/h lenken die Hinterräder zumeist gegenläufig zu den vorn ein, darüber hinaus je nach Situation in die gleiche Richtung. Hinzu kommen die neuen Mehrlenkerachsen vorn und hinten für präzises Handling, das Torsen-Sperrdifferential zu Gunsten der Traktion sowie die ausgewogene Gewichtsverteilung. Das nicht geringe Gewicht des LC 500 müssen Stahlbremsen, vorn mit 40 cm Durchmesser, verzögern. Im regulären Alltagseinsatz sollten sie damit allerdings keine Probleme haben. Mit den adaptiven Dämpfern rollt das Coupé sehr geschmeidig über Unebenheiten – nicht nur im Comfort – sondern sogar in Sport+. Während in der Hybrid-Version LC 500h mit 3,5-Liter-V6 und 359 PS Systemleistung der flache Kofferraum nur 173 Liter schluckt, sind es im LC 500 ohne Elektroboost immerhin 25 mehr. Doch wie fährt sich der 5-Liter-Achtzylinder ohne Turboaufladung nun?

Diese Frage haben wir uns bewusst für den Schluss aufgehoben. Schon beim Start röhrt er lautstark wie ein reinrassiger Sportwagen. Danach übt er sich erstmal wieder in Zurückhaltung. Doch vor allem in Sport und Sport+ bollert er dank aktivem Auspuff und Soundgenerator im Motorraum typisch V8 bei niedrigen Drehzahlen und dreht dann beim Gasgeben richtig auf. Nicht „nur“ das ein- und durchschlagende Backfire ist ein Fest für Menschen mit „Benzin im Blut“. Aus dem Drehzahlkeller heraus fehlt ihm wie zu erwarten zwar der Punch eines modernen Turbomotors, aber dafür ist der Sauger hungrig nach hohen Drehzahlen. Dabei fasziniert der bereits aus dem LS F und RC F bekannte Hightech-Triebwerk mit doppelter Einspritzung, Titanventile und geschmiedete Pleuelstangen für Höchstleistung aber auch für Langlebigkeit. Nach dem Erreichen des maximales Drehmoment 540 Nm bei 4.800 Touren, dreht er leichtfüßig weiter, um dann erst bei 7.100 Touren seine 477 PS zu leisten. Subjektiv vergehen die objektiven 4,7 Sekunden schneller und nach emotionaler Höhenfahrt stehen maximal 270 km/h auf dem Tacho.

Für ein Grand Touring Coupé begeistert der LC 500 mit ausgesprochener Dynamik, ohne den Komfort zu vernachlässigen. Für uns ist es das schönste und sportlichste Modell von Lexus seit dem LFA. Dabei trüben die genannten Detailmängel das insgesamt gelungene Gesamtbild ebenso wenig die Ambientebeleuchtung, die wir woanders schon umfangreicher und mit mehreren Farben individualisierbar erlebten. Generell fallen die Möglichkeiten der Individualisierung vergleichsweise sparsam aus. Dafür legt Lexus von Zeit zu Zeit jedoch Sondermodelle wie die Yellow Edition auf. Die Preise beider LC-Versionen starten exakt identisch bei 99.200 Euro und mit der umfangreichsten Ausstattung Performance-Package, den 21-Zöllern und der Metallic-Lackierung unseres Testwagens werden es dann 109.000 Euro. Mal schauen, wie viele LC 500 Lexus dafür in Deutschland verkaufen kann – dennoch oder gerade deshalb – Wiedersehen macht Freude!