Multitool: Land Rover Discovery Sport im Fahrbericht

31.01.2017 | Christian Sauer | Testrides

Kleiner und günstiger als der nagelneue Discovery, hat sein kleiner Bruder Discovery Sport seinen Platz in der britischen Offroad- und SUV-Familie schon gefunden. Aber kann er ihn auch international behaupten?

Mit der finanziellen Sicherheit des indischen Mutterkonzerns Tata im Rücken hat sich Jaguar Land Rover in den letzten Jahren prächtig (weiter)entwickelt, wovon unsere zahlreichen Fahrberichte zeugen. Zwar trauern wir dem Defender als Kult-Geländewagen immer noch nach – Fans haben ihn für immer in ihr Herz geschlossen und letztes Jahr hoffentlich noch einen Neuwagen abbekommen – dem Freelander als Vorgänger des Discovery Sport jammern wir jedoch nicht unbedingt nach. Dafür hatte Land Rover 2014 einfach ein deutlich besseres Einstiegsmodell auf die Räder gestellt. Es gibt zwar nicht mehr die Wahl zwischen Drei- oder Fünftürer und die Rolle des offenen SUVs hat inzwischen der verwandte Range Rover Evoque übernommen, aber dennoch fasziniert der Discovery Sport mit seiner Vielseitigkeit.
 

Das moderne Design ähnelt zumindest vorn den Brüdern von Range Rover und auch dem neuen großen Discovery scheint er wie aus dem Gesicht geschnitten – oder doch anders herum – schließlich war der „Kleine“ vorher da. Mit 4,60 Meter Länge ist er allerdings nicht wirklich klein und für einige Fahrer*innen in der Innenstadt vielleicht sogar schon zu groß. Dadurch bietet der Discovery Sport innen aber enorm viel Platz. Optional sind sogar zwei ausklappbare Zusatzsitze erhältlich, wodurch er zum Siebensitzer beziehungsweise 5+2-Sitzer mutiert. Während Erwachsenen in der dritten Reihe keine zu langen Fahrten zugemutet werden sollten, lässt es sich auf der Rücksitzbank entspannt aushalten. Wird diese umgeklappt, steigt das Kofferraumvolumen von 541 auf maximal 1.698 Liter.

Langstreckentauglich präsentieren sich ebenfalls die Vordersitze, die gegen Aufpreis bis zu 10-fach elektrisch verstellbar und klimatisierbar sind. In unserem Testwagen mit der zweithöchsten Ausstattungslinie HSE ist genarbtes Leder serienmäßig. Exklusiv der Topausstattung HSE Luxury vorbehalten bleibt noch feineres Windsor-Leder. Die Qualitätsanmutung im Innenraum gefällt größtenteils. Leider trübt immer noch das billig wirkende Hartplastik in der Mittelkonsole den ansonsten guten Eindruck. Das damals vor 2,5 Jahren im Discovery Sport seine Premiere feiernde InControl-Touch-Infotainmentsystem mit 8-Zoll-Display wird inzwischen in allen Modellen von Land Rover, Range Rover und Jaguar angeboten. Es bietet zwar zahlreiche Funktionen samt Apps und lässt sich mit DAB+, TV-Empfang, Dual-View, Fond-Entertainment sowie verschiedenen Soundsystemen bis hin zum Meridian-Surroundsound mit 825 Watt und 17 Lautsprechern upgraden, die Bedienung bleibt aber teilweise umständlich.
 

Typisch für die aktuellen Land Rover und Range Rover lassen sich die vorprogrammierten Fahrprogramme des Terrain Response-Systems simpel per Knopfdruck auswählen. „Sand“ oder „Schlamm“ erscheinen in der heutigen SUV-Welt schon fast befremdlich, aber der Discovery Sport steht eben in einer langen Offroad-Tradition und wie schon seine Ahnen vor ihm, muss er sich im Zweifelsfall auch im (mittel)schwerem Gelände bewähren. Welches Potential er dort dank den kurzen Überhängen, relativ langen Federn, 21 cm Bodenfreiheit, 60 cm Watttiefe und der eindrucksvollen Achsverschränkung besitzt, demonstrierte er bereits im Rahmen der beiden letzten Land Rover Experiences in Australien und Russland. Dem großen Discovery-Bruder bleiben zwar die Luftfederung mit Höhenverstellung, Achssperren und das Untersetzungsgetriebe vorbehalten, aber selbst ohne diese Features lässt der Discovery Sport im Gelände die meisten SUVs hinter sich.

Wer sparen muss oder will, bekommt Land Rover’s Einstiegsmodell auch mit Frontantrieb und 6-Gang-Handschaltung. Die bessere Wahl stellt aus unserer Sicht jedoch die Kombination von Allrad und 9-Stufen-Automatik dar. Die schaltet weich und bietet bekanntlich einen Sportmodus, der dem 150-PS-Diesel unseres Testwagens samt 380 Nm ab 1.750 Umdrehungen etwas mehr Temperament entlockt. Rund elf Sekunden auf Tempo 100 sowie 180 Höchstgeschwindigkeit sind für einen „Hochbeiner“ okay und für viele Interessenten wohl ausreichend. Wer mehr will, für diejenigen gibt es ja noch die 180-PS-Variante des TD4-Diesels und den 240 PS starken Si4-Benziner – alle aus der modernen Ingenium-Motorenfamilie mit vier Zylindern und 2,0 Liter Hubraum. Beim Verbrauch liegen zumindest die Selbstzünder mit offiziell 5,3 Liter im kombinierten Betrieb auf dem gleichen Niveau. Passend zum Antrieb präsentieren sich Fahrwerk und Lenkung ausgewogen abgestimmt, unauffällig, komfortabel und ansatzweise sportlich.

Als Option gibt es die adaptive Fahrwerkssteuerung Adaptive Dynamics mit MagneRide-Dämpfer. Die Dämpfungsflüssigkeit ist mit magnetischen Partikeln versehen und wird einem Magnetfeld ausgesetzt, woraufhin die Viskosität sinkt oder sich erhöht. Auf diese Weise lässt sich die Aufhängung je nach Bedarf härter oder weicher einstellen. Das Dynamic-Paket verleiht dem Discovery Sport optisch außen und / oder innen zusätzliche Sportlichkeit. So ausgestattet und mit weiteren Kreuzchen beispielsweise für die elektrische Heckklappe oder sinnvolle Assistenzsysteme steigt der Preis dann allerdings locker über 50.000 Euro, voll sogar auf über 60.000 Euro. Nochmals – wir reden hier vom Einstiegsmodell – zugegeben von Land Rover als eine europäische Premiummarke. Vergleichbare Audi, BMW, Mercedes oder Volkswagen liegen ähnlich – nur SUVs à la asiatischer Marken Kia Sorento sind bei weniger Prestige günstiger – und dann ist da doch die Geländetauglichkeit für den Fall der Fälle.

Also auch 2,5 Jahre nach seiner Premiere ist der Land Rover Discovery ohne nennenswerten Verjüngungen eine ernsthafte Überlegung wert. Und falls es doch größer, stärker, komfortabler und geländetaugler sein „muss“, dann vielleicht sein Bruder, der nagelneue Discovery – Test folgt!