Kleiner Riese: Opels Adam trumpft auf

27.06.2013 | Dominik Bischoff | Testrides

Kleiner-Riese---Opels-Adam-trumpft-auf

Der kleine Opel Adam soll retten, wofür Adam Opel 1862 mit der Firmengründung – damals noch Opel-Nähmaschinen – den Grundstein legte. In unserem Test zeigte der kleine Rüsselsheimer was in ihm steckt und das er tatsächlich zum Opel-Hero werden könnte.

Nach mehr als 150 Jahren Firmenhistorie ist es um die Marke mit dem Blitz leider so schlecht bestellt wie kaum jemals zuvor. Der kleine Rüsselsheimer soll die Marke mit dem Blitz sanieren – wenn schon nicht finanziell, dann zumindest imagemäßig – und die, vor allem von der Konzernmutter GM verschuldeten, Versäumnisse wieder wettmachen. Teilweise zumindest. Nach 14 Tagen mit dem bisher kleinsten aller vom Drivers Club Germany getesteten Wagen fällt uns der Abschied schwer und wir sind fest davon überzeugt – der kleine Adam hat definitiv das Zeug zum Opel-Retter. Vielleicht nicht finanziell, denn zum Volumenmodell taugt der extrovertierte Stadtflitzer kaum. Das Image der Rüsselsheimer kann der Kleine aber gehörig aufpolieren.

Wir merken das schon auf den ersten Metern mit unserem knallgelben Adam, Ausführung Slam. Überall sind wir direkt der Eyecatcher und jeder, der uns zu fassen kriegt, will begeistert mehr Details über das Fahrzeug. Ein Image-Problem hat der Adam also definitiv nicht und das, obwohl man ihn kaum guten Gewissens als praktisch bezeichnen kann. Genau eine Umzugskiste üblicher Größe kann der Adam schultern – auf der Rücksitzbank. Allen Unkenrufen zum Trotz schluckt der Kofferraum in der Realität aber doch erstaunlich viel. Obwohl 170 Liter Volumen nicht sonderlich viel klingen, den obligatorischen Einkauf für Single oder Zwei-Personen Haushalt bekommt man auch mit dem Adam nach Hause. Mit umgeklappter Rückenlehne kommt der Adam sogar auf stolze 663 Liter Kofferraumvolumen.

Damit kommen wir genau zum Punkt: Der Adam will nämlich gar kein profaner Lastesel sein. Der Adam möchte gern ein Lifestyle-Mobil sein und attackiert damit ganz offen die etablierte Konkurrenz wie Fiat 500 oder Mini Cooper. Ähnlich viel Individualität wie der Rüsselsheimer bietet aber nur der Mini. Beinahe jedes Detail lässt sich individuell gestalten. Allein zehn verschiedene Felgendesigns stehen zur Auswahl, wobei einige Varianten sich sogar noch durch farbige Spangen individualisieren lassen – 31 Versionen kommen insgesamt zustande. Überhaupt lassen sich viele Details der Wagenfarbe anpassen: Grillspange, Schaltknauf, Handbremshebel, Akzente im Lederlenkrad und noch einiges mehr. Das steht dem Adam unheimlich gut und vermittelt vor allem ein Gefühl von Wertigkeit. Aber auch der andere Weg, Details in Kontrastfarben oder beispielsweise im Carbon-Look zu gestalten, passt gut zum Adam.

Insgesamt macht die Verarbeitung des Adam einen hervorragenden Eindruck – auch damit kann Opel kräftig am etwas angekratzten Image feilen. Das sollte sie aber auch, denn eines darf nicht unerwähnt bleiben. Natürlich lässt sich Opel die ganze Individualisierbarkeit bezahlen. Unser Testwagen in der höchsten Ausstattungsvariante Slam schlägt bereits mit 15.495 Euro zu Buche. Mit anderen Felgen, farbigen Felgenspangen, diversen Farbpaketen und Navi kommt man so leicht auf einen Preis von über 20.000 Euro. Ziemlich viel Geld für einen Kleinstwagen, aber im Vergleich zu einem anderen direkten Konkurrenten – dem Audi A1 – durchaus noch erschwinglich. Zumal man fürs Geld ein wirklich sehr gut verarbeitetes Auto bekommt.