Fahrbericht: Kia Sportage GT Line

12.01.2017 | Christian Sauer | Testrides

Die sportliche Ausstattungs-Linie verleiht dem beliebten SUV noch mehr Schwung. Wir testeten die stärkste Variante mit dem 185-PS-Diesel und Allradantrieb. Hier unser Fahrbericht.

Noch mehr als sein großer SUV-Bruder Sorrento hat sich das zweite, kleine(re) SUV von Kia seit 1993 hierzulande zum Bestseller entwickelt. Der für den europäischen Markt in der Slowakei produzierte Sportage wuchs im Vergleich zum Vorgänger bei unveränderter Breite und Höhe um vier Zentimeter auf 4,48 Meter. Das ist und bleibt ein gutes Maß, außen nicht zu groß und dennoch viel Platz innen – doch dazu später mehr. Schauen wir uns erstmal seine Optik an. Per se schon knackiger und markanter, sieht vor allem der Sportage als GT Line noch dynamischer denn je aus.

Die auffälligste Veränderung zeigt das neue „Gesicht“: Wäh¬rend beim bisherigen Modell die Frontscheinwerfer mit dem Kühlergrill in der typischen Kia-Form („Tigernase“) eine optische Einheit bildeten, sind die Schein¬werfer nun deutlich vom Grill abgesetzt, der zudem tiefer platziert ist. Insgesamt wirkt die Frontansicht dadurch breiter. Zu den exklusiven Design¬elementen unseres Testwagens gehören ein spezieller Kühlergrill, auffällige Nebelscheinwerfer mit jeweils vier LED-Spots zusätzlich zu den dynamischen Xenon-Scheinwerfern sowie ein Unterfahrschutz in Aluminium-Optik.
 

Sein charakteristisches Profil hat der Kia Sportage dagegen auch in der neuen Gene¬ration bewahrt. Durch die längere Karosserie und den längeren Dachheckspoiler wirkt der Kompakt-SUV in der Seitenansicht nun aber noch dynamischer, wozu auch 19 Zoll große Leichtmetallfelgen beitragen. Wie schon in der Frontansicht betont das horizontal ausgerichtete Heckdesign die Breite des Fahrzeugs und verleiht dem Sportage damit optisch eine noch größere „Standfestigkeit“. Die Auspuffanlage mit Doppelendrohr und edle Satinchrom-Elemente sind exklusiv der GT Line vorbehalten. Zudem wurde die Aerodynamik bei dem neuen Modell optimiert und die Farbpalette mit elf statt bisher sieben Lackierungen deutlich erweitert.

Wer bei dem Design – teilweise sogar mit dem Porsche Macan verglichen – unkt „großes Maul und nichts dahinter“, sollte sich mal den stärksten der fünf verfügbaren Motoren anschauen oder am besten fahren. Anders als bei vielen Import-Marken bietet Kia für das kompakte SUV nämlich einen 2,0-Liter-Diesel an, der in der stärksten Variante immerhin 185 PS und 400 Nm Drehmoment ab 1.750 Touren leistet. Während der neue 177 PS / 265 Nm starke 1,6-Liter-Benziner optional mit einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe bestellbar ist, übernimmt beim Selbstzünder eine konventionelle 6-Stufen-Automatik auf Wunsch die Kraftübertragung. Serienmäßig fährt der stärkste Sportage als GT Line mit einer recht knackigen 6-Gang-Handschaltung vor. Allerdings entfällt damit der Fahrdynamikschalter Drive-Mode-Select mit Eco-, Normal- und Sport-Programm für Getriebe, Motor und Lenkung sowie die elektrische Parkbremse.

Serienmäßig sind die beiden Topmotorisierungen mit dem Dynamax-Allradantrieb samt Torque Vectoring ausgestattet. Während im Normalfall „nur“ die Vorderräder angetrieben werden, schalten sich nach vorherigen Knopfdruck dann bei Traktionsverlust automatisch die Hinterräder zu. Obwohl es zudem eine Differentialsperre gibt, die bis 30 km/h die Antriebsverteilung zwischen den Achsen auf 50:50 sperrt, hat Kia den aktuellen Sportage natürlich nicht für harte Offroad-Einsätze konzipiert. Insbesondere als GT Line fühlt er sich auf Asphalt umso wohler. Ohne nennenswerte Komfort-Einbußen verleiht ihm das straffer abgestimmte Fahrwerk zusammen mit der direkteren Lenkung eine bessere Fahrdynamik. Passend dazu wurden die Bremsen größer dimensioniert. Hinzu kommen die verwindungssteifere Karosserie mit fünf Sternen im Euro NCAP Crashtest und eine Vielzahl moderner Assistenzsysteme.

Dazu zählen beispielsweise ein autonomer Notbremsassistent, Querverkehrwarner, Spurhalte- und Spurwechselassistent sowie Verkehrszeichenerkennung – je nach Ausstattungsvariante zum Teil serienmäßig oder in Paketen relativ günstig bestellbar. Uns fehlt allerdings die Kopplung des Tempomats an ein voraussehendes Radar. Typisch Koreaner bietet der Sportage ansonsten überdurchschnittlich viele Features in seinem Segment. Ob Rückfahrkamera, Parkassistent oder elektrische Heckklappe – es bleiben kaum Wünsche offen. Sogar eine induktive Ladeschale für das Smartphone fehlt nicht. Den großen 8-Zoll-Touchscreen des Infotainmentsystems mit 7-Jahres-Karten-Update, Connected Services und JBL-Soundsystem samt acht Lautsprechern wollen wir nicht missen. Die gute Übersichtlichkeit und Verarbeitung gefallen, wenn auch der positive Wow-Effekt wie beim großen Bruder Sorrento mit für seine Preisklasse sehr hochwertigen Materialien ausbleibt. Dafür hat der Sportage trotz gesteigerten Anteil an Soft-Touch-Oberflächen zu viel tristes, schwarzes Hartplastik.
 

Eine zweifarbige Lederausstattung in Schwarz/Beige oder Schwarz/Grau ist ausschließlich für die luxuriöse Topausstattung Platinum erhältlich, die es allerdings ausschließlich in Verbindung mit dem 185-PS-Diesel und der 6-Stufen-Automatik für 42.190 Euro gibt. Letztgenannte kann auch für die GT Line zu 1.900 Euro extra geordert werden, ansonsten wird bei 37.390 Euro wie schon erwähnt per Hand geschaltet. Gegen Aufpreis lassen sich die Sitze elektrisch verstellen und klimatisieren. Ab Werk bieten sie guten Seitenhalt und das unten abgeflachte, handliche GT-Lenkrad ist beheizbar. Hinzu kommt, dass dank des drei Zentimeter längeren Radstands auch in der zweiten Reihe das Platzangebot großzügig ausfällt. Die Rücksitzlehne kann jetzt mehrstufig und in größerem Winkel in der Neigung verstellt werden. Last but not least: Das Kofferraumvolumen wuchs von bisher 465 auf 503 Liter und durch Umklappen der Rücksitze lässt es sich bis zu 1.492 Liter erweitern.

Fazit: Kia ist mit dem Sportage in der aktuellen Generation ein nahezu rundum gelungenes SUV gelungen und in der GT Line bietet er zudem einen sportlich(er)en Charakter.