Kia Sorento: SUV-(Geheim)Tipp

08.04.2016 | Christian Sauer | Testrides

Kia Sorento Drivers Club Germany

Insgesamt passt die optionale 6-Stufen-Automatik aus unserer Sicht besser zu dem großen SUV, ebenso wie der damit obligatorische Dynamax-Allradantrieb. Das von Magna Steyr entwickelte System beinhaltet die Advanced Traction Cornering Control (ATCC), die über Torque-Vectoring aktiv Einfluss auf das Fahrverhalten nimmt und noch bevor das elektronische Stabilitätsprogramm eingreift, das Drehmoment gezielt an die Räder mit Bodenhaftung leitet. Dadurch erhöht es die Seitenstabilität in Kurven und es bringt ebenfalls Vorteile im Gelände. Ohne Leistungsreduzierung oder Bremseingriffe verliert der Kia Sorento so nicht an Schwung und kommt mit 18,5 cm Bodenfreiheit recht weit. Auf extrem rutschigem Untergrund kann bis 30 km/h manuell die „Lock“-Funktion eingeschaltet werden, welche die gleichmäßige Drehmomentverteilung auf Vorder- und Hinterräder (50/50) fixiert.

Wer sich für das Automatikgetriebe entschieden hat, kann per „Drive Mode Select“ zwischen drei Fahrprogrammen – Eco, Normal und Sport – auswählen, die den Antrieb sowie die Lenkung beeinflussen. Fiel die Wahl vorab auf die Handschaltung, lässt sich über „Flex Steer“ zumindest die Lenkkraft von komfortabel auf sportlich anpassen. Zwar wird auch so aus dem Sorento kein besonders dynamisches SUV, aber er macht selbst auf kurvigen Landstraßen keine schlechte Figur und kann vor allem mit seinem sehr gutem Fahrkomfort punkten. Auf schlechtem Untergrund wähnt man sich fast in einem Wagen mit Luftfederung zu sitzen, doch die Ingenieure verzichteten auf die teure Technik und entwickelten dafür das konventionelle Fahrwerk weiter. Gleichzeitig wurde der Anteil ultrahochfesten Stahls mehr als verdoppelt. Davon profitiert nicht „nur“ die passive Sicherheit (5 Sterne im Euro NCAP), sondern über die höhere Verwindungssteifigkeit auch das Fahrverhalten und der -komfort. Ein dickes Lob verdient ebenfalls die verbesserte Geräuschdämmung, wodurch kaum etwas von der Außenwelt und vom Diesel im Innenraum zu hören ist. Dafür sorgt in der zweithöchsten Ausstattungslinie „Spirit“ gegen Aufpreis und serienmäßig in der Top-Ausstattung „Platinum Edition“ ein Soundsystem von Infinity by Harman mit zehn Lautsprechern und 630 Watt für den richtigen Klang.

Das Infotainmentsystem unseres Testwagens mit 8-Zoll-Touchscreen funktionierte problemlos und lässt sich einfach bedienen. Auf dem Display wird je nach Ausstattung das Bild der Parksensoren, der Rückfahrkamera oder der 360-Grad-Kameras dargestellt. In der Platinum Edition gesellen sich ab Werk dazu das automatisierte Parksystem für Lücken parallel oder quer zur Straße, die Verkehrszeichenerkennung, der adaptive Tempomat samt Frontkollisionswarner, der Querverkehrwarner, der Gespannstabili­sierungsassistent, das adaptive Kurvenlicht und das 7-Zoll-TFT Aktiv-Matrix-Display im Zentrum der analogen Instrumente.

 

Die „Platinum Edition“ veredelt die an sich schon bequemen Sitze weiter: Für den Fahrer gibt es eine 10-fach elektrische Verstellung, für den Beifahrer 8-fach, beide sind klimatisierbar und sogar in der zweiten Seite muss nicht auf eine Heizung verzichtet werden. Das Panoramadach verstärkt das luftige Ambiente des erfreulich klar und übersichtlich gestalteten Cockpits. Statt der schwarzen Lederausstattung ist gegen einen geringen Aufpreis von 490 Euro eine braune oder hellgraue Alternative erhältlich. Noch Wünsche offen? Es bleiben nur noch wenige Extras wie Sport-Endschalldämpfer, Anhängekupplung oder Standheizung. Und da diese sowieso erst nach dem Transport von Asien beim Importeur nachgerüstet werden, beträgt die Lieferzeit für einen Sorento meistens nur wenige Wochen.

Wir empfehlen direkt die Top-Ausstattung „Platinum Edition“ mit einem Listenpreis von knapp über 50.000 Euro und dann mit den Händlern zu verhandeln. So kann man teilweise sogar unter 40.000 Euro landen und das inklusive der Kia-typischen 7-Jahres-Garantie. Andere Hersteller und Autohäuser geben natürlich auch großzügige Rabatte, aber selbst ohne großen Nachlass bietet der Kia Sorento eine nahezu konkurrenzlose Kombination von enormem Platzangebot, hoher Flexibilität, den meisten Anforderungen gewachsenen Antrieb und Fahrwerk, hochwertigem Design, tadelloser Verarbeitung und reichhaltiger Komfort- sowie Sicherheitsausstattung. Nach rund 60.000 verkauften Sorento der ersten und zweiten Generation seit 2002 kann man eigentlich nicht mehr von einem Geheimtipp sprechen, aber das koreanische Fullsize-SUV hat noch viel Potential – auch in Deutschland.