Kia Optima Sportswagon GT

19.11.2017 | Christian Sauer | Testrides

Wir testen den stattlichen Kombi in der Sportversion und prüfen, ob sich der Koreaner mit deutschen Genen gegen die hiesige Konkurrenz behaupten kann?

Wer nach Kia und Mittelklasse sucht, wird aktuell vor allem den Stinger finden, der als sportliche Fließheck-Limousine bis zu 370 PS leistet. Dagegen wird noch mehr als schon bisher die eher unauffällige Stufenheck-Limousine Optima ins Hintertreffen geraten. Abgesehen von der deutschen, europäischen, asiatischen und konzerninternen Konkurrenz von Hyundai gibt es bekanntlich mit den SUVs Sportage und Sorrento sowie neuerdings mit dem Niro reizvolle Alternativen aus dem eigenen Haus. Doch wer nicht unbedingt höher sitzen will und trotzdem viel Platz sucht, findet seit letztem Jahr mit dem Optima Sportswagon vielleicht das richtige Modell. Obwohl zahlreiche Hersteller in Anbetracht der SUVs klassische Kombis vom Aussterben bedroht und höchstens noch in Europa Chancen sehen, setzen die Südkoreaner dennoch auf diese „Nische“.

Dank des Chefdesigners Peter Schreyer und dem gemeinsamen Entwicklungszentrum von Kia und Hyundai in Rüsselsheim wirkt der 4,86 Meter lange Kombi – identisch mit der Limousine – auch optisch sehr europäisch klar gezeichnet. Vor allem in der Topausstattung „GT“ macht er auch seinem Namen „Sportwagon“ alle Ehre. Der markentypische Tigernasen-Grill wird von speziellen LED-Scheinwerfern, größeren Lufteinlässen und 18-Zöllern mit roten Bremssätteln flankiert. In Anbetracht seiner stattlichen Größe und dem Trend zu immer größeren Rädern, würde dem Kia auch 19-Zöllern gut stehen. Zudem fänden wir auf Wunsch dunkle Alurädern schön, wenn die Seitenzierleisten schon so gehalten sind. Am Heck fallen der Diffusor und die dicken Auspuffblenden auf – dazu später mehr.

Erstmal öffnen wir die große Heckklappe – einstellbar auch automatisch, wenn man samt dem Schlüssel einige Sekunden dicht dahinter steht. Im Normalzustand passen 552 Liter ins Gepäckabteil. Werden die Rücksitze komplett umgeklappt, sind es sogar 1.686 Liter. Wie bei der Länge und 2,81 Meter Radstand nicht anders zu erwarten, mangelt es auch den Passagieren hinten nicht an Beinfreiheit. Die äußeren Sitze können sogar beheizt werden. Das gilt natürlich auch für die bequemen Sportsitze in der ersten Reihe. Im Rahmen des umfangreichen Technik-Paketes für 1.990 Euro extra bieten sie zusätzlich kühlende Ventilation und 8-fache elektrische Verstellung. Serienmäßig gibt es letztgenannte „nur“ für den Fahrersitz. Zur Wahl stehen schwarzes oder rotes Leder, mit oder ohne farblich abgesetzte Nähte. Diese finden sich auch am handlichen Sportlenkrad.

Der genauere Blick ins Cockpit weckt Erinnerungen an andere große Kia-SUV à la Sorrento. Dazu gehören neben den recht hochwertigen Kunststoffen und der guten Verarbeitung, auch das relativ moderne 8-Zoll-Infotainmentsystem sowie das Harman-Kardon-Soundsystem samt zwölf Lautsprechern und 490 Watt. Die Musik spielt dennoch woanders – vermeintlich sogar im V8-Takt. Doch wie schon zu „befürchten“ war, stammt der Klang nicht wirklich aus einem großvolumigen Achtzylinder oder aus der Auspuffanlage, sondern aus einem Soundgenerator. Ob man(n) das mag und ob das dauerhaft Spaß macht, bleibt fraglich. Fest steht, dass der einzig für den Optima Sportwagon GT angebotene Motor ein Benziner ist. Der Vierzylinder-Turbo holt aus zwei Liter Hubraum 353 Nm Drehmoment ab 1.350 Touren und erreicht bei 6.000 seine Maximalleistung von 245 PS. Das reicht für 7,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 und 232 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Anders als die schwächeren Optima-Versionen mit 6-Gang-Handschaltung oder 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe wird das dynamische Topmodell ausschließlich mit 6-Stufen-Automatik angeboten. Das modernere Getriebe würde sicher auch im Sport-Modus des GTs noch schnellere Gangwechsel und in Eco einen geringeren Verbrauch ermöglichen. Der liegt offiziell im Durchschnitt bei 8,2 Litern auf 100 Kilometern – in der Realität aber eher um zehn Liter. Sparsamer wäre sicherlich ein sportlicher Diesel wie ihn der VW-Konzern mit seinen Marken gleich mehrfach im Programm hat, zukunftsweisend aber nicht. Dann schon eher ein Plug-in-Hybrid, den Kia seit Sommer nicht mehr nur für die Optima Limousine, sondern auch für den Kombi anbietet.

Er kombiniert einen Zweiliter-Benziner samt 115 kW/156 PS mit einem 50 kW/68 PS starken Elektromotor. Die Gesamtleistung liegt bei 151 kW/205 PS. Die Kraftübertragung übernimmt auch in diesem Fall eine 6-Stufen-Automatik. Den Durchschnittsverbrauch für die ersten 100 Kilometer gibt Kia mit 1,4 Litern an. Der 11,3 kWh starke Akku soll für eine rein elektrische Reichweite von bis 62 Kilometer sorgen. Dank der etwas größeren Batterie (9,8 kWh bei der Limousine) kann der Kombi acht Kilometer weiter fahren als sein Pendant. Das Kofferraumvolumen des Kombi-Teilzeitstromers verringert sich durch die im Kofferraumboden verstauten auf 440 bis 1.574 Liter. Schade auch, dass es den Plug-in-Hybriden nicht in Verbindung mit der dem „richtigen GT“ nahekommenden Ausstattungslinie GT-Line konfigurierbar ist.

Unabhängig von der Motorisierung treibt der Verbrenner im Optima ausnahmslos die Vorderräder an. Und bei über 200 PS und Frontantrieb stellt sich wie immer die Frage, ob es ungewünschte Einflüsse auf die Lenkung gibt. Im Fall vom Optima GT können wir das fast komplett verneinen. Lenkbefehle werden direkt umgesetzt und das adaptive Fahrwerk federt straff, aber nicht zu hart. Ob dynamische Kurvenfahrten auf der Landstraße oder komfortables Gleiten auf der Autobahn – der große Kia kann alles. Selbst bei Tempo 220 liegt er ruhig und sicher auf der Straße. Typisch für den koreanischen Hersteller zahlreiche Komfort- und Sicherheitsfeatures. Die meisten sind sogar schon in der günstigsten Ausstattung und Motorisierung des Sportwagons mit 163 PS ab 25.990 Euro serienmäßig. Das sind lediglich 900 Euro Aufpreis zu Limousine, der sich in jedem Fall lohnt. Am anderen Ende der Preisliste rangieren der Plug-in-Hybrid sowie der GT ab 41.790 Euro. So oder so ist das in Anbetracht der nahezu kompletten Ausstattung ein regelrechtes Schnäppchen, das mit geschickten Verhandlungen im Autohaus noch günstiger werden kann. Dazu kommt die Kia-typische (Teil)Garantie bis sieben Jahre oder 150.000 Kilometern und unsere Empfehlung als echte Konkurrenz zu den etablierten Kombis der europäischen Hersteller.