Kampfstiere auf der Straße: 50 Jahre Lamborghini

17.06.2013 | Christian Sauer | Testrides

50 Jahre Lamborghini Drivers Club Germany

Seit inzwischen fünf Jahrzehnten gilt es Stiere nicht nur in der Arena, sondern auch auf der Straße oder der Rennstrecke an den Hörnern zu packen. Drivers Club Germany Chefredakteur Christian Sauer besuchte anlässlich des 50. Geburtstages den Firmensitz von Automobili Lamborghini in Sant’Agata Bolognese. Dort fuhr er nicht nur die aktuellen Modelle, sondern blickte auch in die automobile Vergangenheit zurück.

Wer dieser Tage auf dem Flughafen in Bologna landet, wird von einem ganz besonderen „Follow-Me-Car“ in Empfang genommen. Dem mit Blinklichtern aufgerüsteten Lamborghini Aventador LP 700-4 folgen Piloten mit ihren Maschinen sicher gern und müssen aufpassen, nicht vom 350 km/h schnellen Flügeltürer abgehängt zu werden. Mit dem Aventador bekommt der Spruch „Nur Fliegen ist schöner!“ eine ganz neue Dimension, gerade wenn man im offenen Roadster sitzen und sich den Wind durch die Haare wehen lassen kann. Zum perfekten Glück fehlt da nur noch eine Start-und-Landebahn oder zumindest eine freie Strecke ohne Tempolimit …

Zumindest in und rund um dem 7.400 Seelen-Ort Sant’Agata Bolognese, der zwischen Bologna und Modena gelegenen Heimat der Stiere, drücken die Carabinieri doch mal ein Auge zu. Stolz ist man hier in der Emilia Romagna und speziell im „Land der Motoren“ auf die Sportwagen von Lamborghini, wie auch auf die von Ferrari aus dem nicht weit entfernten Maranello oder die noch selteneren Exoten von Pagani, denen wir letztes Jahr einen Besuch abstatteten. Während Ferrari und Maserati schon seit vielen Jahren zum Fiat-Konzern gehören, nahm sich Audi 1998 Lamborghini an. Entgegen anfänglicher Skepsis tat das Engagement des VW-Konzerns der italienischen Traditionsmarke sehr gut – viele Insider meinen sogar, dass es ansonsten Lamborghini heute gar nicht mehr gäbe.

 

Fest steht, dass sich in den letzten 15 Jahren einiges getan hat. Die Ingolstädter brachten nicht nur die Erfahrung ihres Allradantriebes mit, nein, mit dem Gallardo wurde eine komplett neue, preiswertere Baureihe mit technischer Verwandtschaft zum Audi R8 etabliert. Das verhalf den bis dato sehr geringen Verkaufszahlen zu neuen Rekorden und amortisierte Teile der Investitionen. Diese flossen in die Infrastruktur des Werkes, machten sich aber auch in der Qualität und technischen Reife der Sportwagen bemerkbar. Auch der finanzielle Rückhalt ist nachhaltig gesichert, um beispielsweise mit dem für 2017 angekündigten SUV Urus in zusätzliche Segmente zu expandieren oder das Know-How in Sachen Carbon-Leichtbau zu stärken. Bei allem Hightech und deutschem Einfluss ist die Faszination geblieben: Das aufsehenerregende Design eines Lamborghini erkennt man selbst in einer unauffälligen Lackierung und der ebenso sonore wie markante Sound zeugt von der Kraft der Kampfstiere mit ihren Zwölf- oder Zehnzylinder-Herzen.

Die derzeitige Leistungsspitze markieren zwei, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums präsentierten, Aventador-Sondermodelle: Der 750 PS starke und auf drei Exemplare limitierte Veneno für jeweils 3,5 Mio. Euro sowie die einhundert LP 720-4 50° Anniversario mit 720 PS. Dessen neuer Lackton Giallo Maggio (Mai Gelb) erinnert an die Gründung von Lamborghini im Mai 1963 und strahlt während unseren Besuchs mit der norditalienischen Sonne um die Wette.  Das intensiv funkelnde Gelb bildet der dunklen Glasfassade des Firmensitzes einen Kontrast, der nicht hätte größer sein können. Während das seltene Sammlermodell schnell wieder hinterm Werkstor verschwindet, stehen vor dem Haupteingang aufgereiht jeweils ein offener und geschlossener Aventador, sowie mehrere Gallardo-Versionen – vom Spyder bis zum Superleggera.