Jeep Grand Cherokee SRT8 – Häuptling heiße Sohle

30.01.2013 | Christian Sauer | Testrides

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Amerikanische SUVs und Geländewagen waren schon immer etwas anders als die aus Europa – vor allem unvernünftig groß und natürlich von voluminösen V8 befeuert – das sportlichste Jeep-Modell macht da (zum Glück) keine Ausnahme. Es setzt sogar noch einen drauf, wie unser Chefredakteur Christian Sauer in seinem Fahrbericht feststellt.

Ein Ferrari als Dienstwagen ist großartig, aber nicht immer praktisch. Das musste schon Michael Schumacher in seiner aktiven Zeit in Maranello feststellen und wich entsprechend auf alltagstauglichere Modelle aus dem Fiat-Konzern aus. Wie gut, dass Chrysler und damit auch Jeep seit 2011 zum gleichen Konzern gehören wie Ferrari, haben sich vielleicht auch die Formel-1-Piloten Fernando Alonso und Felippe Massa gedacht. Zu Beginn der letzten Saison gab es für beide nämlich den Jeep Grand Cherokee SRT8 als neuen Dienstwagen – selbstverständlich rot lackiert – ebenso wie die Bremssättel der bissigen Stopper. Passenderweise stammen die vom italienischen Spezialisten Brembo und überfordern fast die breiten Schlappen, die, wie könnte es wohl in dieser transatlantischen Liaison anders sein, von Pirelli stammen. Eine noch anspruchsvollere Herausforderung als die Verzögerung ist es für die Gummis aus Italien, die brachiale Leistung des mächtigen Triebwerkes auf die Straße zu bringen.

Der HEMI-Achtzylinder holt stolze 468 PS aus 6,4 Liter Hubraum. Sechs Komma vier Liter – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – Downsizing ist im Wilden Westen wohl (noch) nicht angekommen. Selbst wenn die europäischen Automobilhersteller dieses Thema ebenso wie die sparsamen Diesel-Motoren auch jenseits des großen Teiches propagieren, gehören großvolumige V8-Kraftprotze einfach zum Selbstverständnis der Amerikaner. Und bei den derzeit wieder deutlich sinkenden Rohöl- und Benzinpreisen in den USA, scheint der Druck zum Spritsparen zumindest für die breite Masse nicht drängender zu werden. Erfreulich, dass der Durchschnittsverbrauch des neuen SRT8 im Vergleich zum 426 PS starken Vorgänger um immerhin rund 10 % auf durchschnittlich 14,1 Liter reduziert werden konnte. Das ist natürlich immer noch eine Menge Stoff und wird hierzulande sicherlich einige Interessenten abhalten, sich den Verlockungen des amerikanischen Dickschiffes hinzugeben.

Das fällt allerdings nicht leicht, denn wer einmal den Startknopf des SRT8 gedrückt hat, wird sofort merken, was da für ein mächtiges Triebwerk am anderen Ende des Gaspedals hängt. Dumpf wummert es aus den beiden Schornsteinen am Heck, die optisch dank einer Art Trichter noch dominanter erscheinen. Für einen amerikanischen Wagen etwas ungewöhnlich, präsentiert sich die Leistungscharakteristik mit den Spitzen-Leistungen weit oberhalb des Drehzahlkellers. Erst bei 6.250 Touren versammeln sich alle Pferdchen und auch das maximale Drehmoment von 624 Nm liegt erst bei 4.100 an. Das verspricht nicht unbedingt Kraft von unten heraus, aber zur Beruhigung aller US-Car-Fans sei erwähnt, dass bereits ab der Leerlaufdrehzahl über 300 Nm darauf warten, den 2,4 Tonnen schweren Koloss zum Geschoss zu verwandeln. Bei nur fünf Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h fällt es auch nicht so negativ auf, dass das Automatikgetriebe mit nur fünf Gängen auskommen muss. Natürlich lässt sich mit dem Ami auch entspannt cruisen, was wir ehrlich gesagt nicht anders erwartet hatten. Wenn die Automatik allerdings dann doch mal schalten muss, fallen die relativ langen Pausen umso mehr auf – da versprechen auch die Schaltpaddel nicht viel Besserung. Das wird sich hoffentlich demnächst ändern, wenn im Rahmen eines optischen und technischen Updates für den SRT8 eine 8-Stufen-Automatik zum Einsatz kommen soll.