Jeep Compass 4xe

29.01.2021 | Christian Sauer | Testrides

Nachdem sein SUV-Brudermodell Renegade 4xe viel Aufmerksamkeit auf sich zog, testen wir den größeren Compass als 240 PS starken Plug-in-Hybrid.

Während anlässlich seiner Weltpremiere im März 2014 noch über den Jeep Renegade auf gleicher Plattform wie der Fiat 500X geunkt wurde, hat sich das Kompakt-SUV dank eigenständigem, vom Wrangler inspirierten Design über die Jahre hierzulande zum aktuell bestverkauftem Jeep-Modell gemausert. Dementsprechend verwundert es wenig, dass gerade der Renegade die meiste Aufmerksamkeit auf sich zog, als letztes Jahr bei ihm zusammen mit seinem großen Bruder Compass die ersten Plug-in-Antriebe der legendäre Geländewagenmarke vorgestellt wurden.

Naturgemäß ist der 4,39 m lange Compass mit Design-Anleihen am Grand Cherokee, der den Renegade je nach Version um bis zu 16 cm überragt, ihm gegenüber in engen Innenstädten leicht im Nachteil. Dafür bietet er aber auch deutlich mehr Platz. Das zeigt sich schon beim Kofferraum (420 – 1.230 Liter statt 330 – 1.277) und vor allem beim deutlich großzügigerem Platzangebot auf der Rücksitzbank, die sich dreigeteilt umklappen lässt. Dorthin gelangen selbst großgewachsene Erwachsene dank breiteren Türen bequem(er) und sitzen recht komfortabel. Das gute Raumgefühl wird auf Wunsch vom gläsernen Panoramadach unterstützt, dessen fixer Teil über die Rücksitze reicht.

Vorn nehmen wir in unserem Testwagen mit der Topausstattung „S“ auf straff gepolsterten Sitzen mit 8-fach elektrischer Verstellung Platz. Gerne hätten wir die Sitzfläche zumindest manuell verlängert, doch auch so passt es für längere Fahrten. In der typisch amerikanisch kurzen Aufpreisliste gibt es ausschließlich für die S-Ausstattung die Option auf Sitzbelüftung. Leider fehlen ab Werk (im italienischen Melfi) gänzlich Möglichkeiten zur Individualisierung des Innenraums. So bleibt es zumindest hierzulande aktuell zwangsläufig bei der schwarzen Leder-/Kunstlederausstattung – immerhin mit grauen Kontrastnähten.

Im Cockpit dominiert schwarzes Plastik mit ordentlicher Verarbeitung, was für den ganzen Wagen gilt. Über größere Ablagen hätten wir uns gefreut. Am relativ kleinem und für unseren Geschmack schön dickem Lenkrad finden sich wie am gesamten Armaturenbrett zahlreiche Knöpfchen und Schalter. Da merkt man der zweiten Generation des Compass, die 2016 Weltpremiere feierte, doch schon ihr Alter an. Die letztjährige Überarbeitung brachte gerade als Plug-in-Hybrid zwar neue Funktionen, jedoch kein komplett neues Bedienkonzept mit sich.

So bieten das 7-Zoll-Farbdisplay zwischen dem analogen Drehzahlmesser und der ebenfalls analogen Anzeige für den elektrischen Betrieb sowie der 8,4 Zoll große Touchscreen des vielseitigen Infotainmentsystems sehr sehr viele Informationen und Optionen. Zusätzlich finden sich in der unteren Mittelkonsole, neben dem traditionellen Wählhebel der 9-Stufenautomatik noch die Bedienelemente für die zweistufig einstellbare Rekuperation, die drei Fahrmodi „Hybrid“, rein elektrisch und nicht elektrisch zum Aufladen während der Fahrt; die Bergabfahrhilfe und die Allrad- bzw. Fahrprogramme.

Zwar bieten lediglich die „4xe“ genannten Plug-in-Hybrid Versionen des Jeep Compass mit 190 oder in unserem Fall 240 PS Gesamtleistung einen Vierrad- statt Frontantrieb, aber dafür die Wahl zwischen automatischer Steuerung, „Sport“ mit dynamischer reagierendem Antrieb und direkterer Lenkung, „Snow“ für den Winterbetrieb und „Sand/Mud“ mit entsprechender Antriebs-Übersetzung. Ambitionierte Offroad-Fahrer, die mit dem Compass in härteres Gelände vordringen wollen, freuen sich über „4WD LOW“ und „4WD LOCK“ sowie beim noch offroad-orientierterem Compass Trailhawk über den zusätzlichen Modus „Rock“, grobstollige Reifen auf 17-Zoll-Felgen, höhergelegte Karosserie und robustem Unterfahrschutz.

Doch zurück zu unserem Compass, der abseits von Straßen auch schon einiges leistet und der als 4xe S auf dunkelgrauen 19-Zöllern mit 235/45er Pneus steht und ebenfalls an der Karosserie auf graue oder schwarze Akzente setzt. Allein die blauen Logos bzw. Schriftzüge an der Front, den Seiten und am Heck sowie die zusätzliche Tankklappe für das Ladekabel an der Fahrerseite auf Höhe des Deckels für den Benzintank verraten von außen die Hybrid-Variante. Unter der Motorhaube lässt sich bis auf die Starkstromkabel dank Plastikabdeckung die Technik darunter nur erahnen.

Der kleine 1,3 Liter kleine Vierzylinder-Benziner, der in den beiden anderen Motorisierungen des Compass allein für sich 130 oder 150 PS und 270 Nm leistet, schickt in den 4xe-Versionen ebenfalls 130 oder 180 PS an die Vorderräder. Dazu gesellt sich auf Befehl oder automatisch bei Bedarf der 60 PS / 44 kW starke Elektromotor an der Hinterachse. Die Lithium-Ionen-Batterien mit ihrer Kapazität von 11,4 kWh (Nettokapazität: 9,1 kWh) sind platzsparend unter der Rücksitzbank verbaut, so dass der Kofferraum samt Fach darunter gegenüber der reinen Verbrennerversionen nahezu unverändert groß bleibt. Allerdings verkleinern sie den Benzintank von 55 auf 37 Liter.

Bis zu 130 km/h fährt der Compass 4xe rein elektrisch – zumindest kurzzeitig, denn das relativ kleine Akkupack leert sich bei solch intensiver Nutzung zusehends. Auch die offizielle E-Reichweite von bis zu 50 km erscheint eher optimistisch denn realistisch. Im Stadt- und Landstraßenbetrieb sollten zumindest aber rund 40 km möglich sein. Danach kann per Ladekabel an einer heimischen Wallbox mit 4,5 kW in unter drei Stunden oder an Ladesäulen mit bis zu 7,4 kW in rund 100 Minuten voll geladen werden.

Oder man aktiviert den E-Save-Modus, in dem der Benziner dann als Generator arbeitet und die Batterien lädt. Das schlägt sich natürlich dann wiederum auf Verbrauch aus, der offiziell mit 2,1 Liter auf 100 km angegeben ist – stets unter Nutzung der vollen Batterien. Ohne sie hat der kleine Benziner mit dem rund zwei Tonnen schwerem SUV merklich zu tun und leert den kleinen Tank ziemlich schnell. Reichweiten, wie sie die für den Compass gar nicht mehr angebotenen Dieselmotoren ermöglichen würden oder früher taten, sind mit dem Plug-in-Hybrid nicht (mehr) möglich. Auch an die Diesel-typische Durchzugskraft vor allem bei höheren Geschwindigkeiten kommt der Hybrid nicht heran.

Bis unser insgesamt 240 PS und 520 Nm starke Testwagen seine eingetragene Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h erreicht, braucht es Geduld. Dafür geht es beim Beschleunigen aus dem Stand dynamisch voran, was die offiziell 7,3 s bis Tempo 100 widerspiegeln. Passend dazu fällt das Fahrwerks-Setup ausgewogen mit gutem Mix aus Komfort, Sicherheit und Sportlichkeit aus. Durch Kurven zieht der Compass recht flink und federt mit Ausnahme schlechter Straßen zumeist angenehm unauffällig. Mehr Komfort ohne Kompromisse bei der Fahrdynamik könnten wohl nur adaptive Dämpfer bringen, was jedoch den Preis steigern würde. Der fällt vollausgestattet inklusiver vieler netter und sinnvoller Komfort- und Sicherheits-Features mit knapp 50.000 Euro zwar auf dem ersten Blick nicht unbedingt günstig aus.

Dank öffentlicher Förderungen und ggf. Rabatt beim Händler ändert sich das aber deutlich. Für dann rund 40.000 Euro oder mit reduzierter Ausstattung sogar günstiger bekommt man ein für die Preisklasse recht stattliches und praktisches SUV inklusive des einzigartigen Charmes der Marke Jeep. Als 4xe gehören zudem die üblichen Vorteile, aber auch Nachteile kleiner Plug-in-Hybride zum Gesamtpaket dazu. Hoffentlich wird der Compass nach der Fusion von FCA mit Jeep als amerikanischer Traditionsmarke und der PSA Groupe zukünftig nicht nur weitergebaut, sondern auch weiterentwickelt. Aus unserer Sicht hat er Potential für noch mehr!

Und was für ein Zufall, noch während wir unseren Fahrbericht fertig stellen, präsentiert Jeep das Facelift des Compass und wie für die meisten anderen Baureihen der Marke das „80th Anniversary“-Sondermodell des Compass mit speziellen Details. Auffällig auf dem ersten Blick sind das modernere Cockpit mit neuem Infotainmentsystem und hochwertigeren Materialien. Der „neue“ Compass – zuerst als Sondermodell – soll bereits in wenigen Wochen hierzulande verfügbar sein.