Japanischer Luxus-Hybrid: Lexus LS 600h im Fahrbericht

18.08.2013 | Christian Sauer | Testrides

Lexus LS 600h Fahrbericht Test Drivers Club Germany

Doch bei allen Komfortzutaten und trotz exklusiver Materialien wie Leder, Alcantara oder Holz zeigen sich hier erste Detailschwächen. Warum gibt es selbst in der kurzen (Selbstfahrer-)Version nur hinten eine Massagefunktion, die dazu nur bedingt gut ihre Arbeit erfüllt? Warum lassen sich auf dem 9-Zoll-Monitor des Rear-Seat-Entertainment-System zwar DVDs und sogar Blu-rays abspielen, aber nicht die Infos aus dem Navi anzeigen? Weshalb gibt es nicht einmal die Option auf TV-Empfang oder eine Internetanbindung? Zugegeben, wir „meckern“ auf hohem Niveau, aber der Lexus LS 600h tritt in der automobilen Champions Leaque gegen Audi A8, BMW 7er und Mercedes S-Klasse an, die gerade als Neuauflage die Latte jetzt wieder ein Stück höher gelegt hat. Der teils zwiespältige Eindruck setzt sich leider auch aus der Fahrerperspektive fort.

Der Lexus bietet jede Menge Luxus und Hightech, aber teilweise offenbaren sich Schwächen im Detail. Ein größeres Display als das im LS 600h findet sich derzeit nur in der S-Klasse. Dafür ist dort auch die Grafikauflösung feiner, und die Bedienung gelingt einfacher als bei der japanischen Alternative mit einer Art Computermaus. Zumindest gewöhnungsbedürftig und aus unserer Sicht nicht optimal sind auch die verstreuten Knöpfe zur Steuerung der Assistenz- und Sicherheitssysteme. Die adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Abstandsradar ist aus unserer Sicht ebenso sinnvoll wie der Nachtsicht-, Spurhalte- oder Totwinkel-Assistent. Diese sind inzwischen auch für kleinere Modelle erhältlich und selbst in den erschwinglicheren Klassen gibt es eine Verkehrszeichenerkennung oder ein automatisiertes Einparken als Ergänzung zur Rückfahrkamera.

 

Das alles trübt den Gesamteindruck ebenso wie das stufenlose Automatikgetriebe, das einen unruhigen Eindruck hinterlässt. Dabei zeichnet den Motor eigentlich ein sehr geringes Geräuschniveau aus. Der V8 ist nur bei voller Beschleunigung dezent hörbar. Passend dazu schwebt man mit der Adaptiven Luftfederung quasi über den Asphalt – fast so gut wie in der S-Klasse von Mercedes. Selbst bei der Einstellung Sport S oder Sport S+ des Fahrmodus-Drehregler mit etwas strafferer Federung und direkterer Lenkung bleibt der Lexus seinem komfortable Charakter treu. Netter Gimmick: In beiden Sport-Programmen wechselt die Instrumentenbeleuchtung von blau auf rot, und die Power-Anzeige weicht einem Drehzahlmesser.

Auf digitale Instrumente setzt auch die neue S-Klasse von Mercedes-Benz, die als S 400 Hybrid mit Sechszylinder samt 306 + 27 PS mindestens 85.204 Euro kostet. Der S 500 mit Allradantrieb und 455 PS starkem V8 startet ohne Hybrid bei 108.409 Euro. Dagegen schlägt der LS 600h mit 111.000 Euro ins Konto – für unseren Testwagen müsste man sogar 130.000 Euro überweisen. Damit ist der Lexus also alles andere als ein Schnäppchen, und wer so viel Geld für ein Luxus-Auto ausgeben kann beziehungsweise will, bekommt dafür eben auch einen der deutschen Konkurrenten. Den bescheinigt man zumindest hierzulande mehr Prestige, und so wird es für Lexus und Toyota weiterhin schwierig bleiben, die marginalen Verkaufszahlen ihres Flaggschiffes zu steigern – selbst mit Hybrid.