Japanischer Luxus-Hybrid: Lexus LS 600h im Fahrbericht

18.08.2013 | Christian Sauer | Testrides

Lexus LS 600h Fahrbericht Test Drivers Club Germany

Nach der S-Klasse von Mercedes-Benz nimmt Drivers Club Chefredakteur und Testfahrer Christian Sauer nun das Topmodell von Lexus genauer unter die Lupe. Kann der Luxus-Hybrid ihn und die anspruchsvolle Kundschaft überzeugen?

Es ist schon ein sehr selbstbewusstes Statement, dass der Toyota-Konzern den LS600 – das Flaggschiff seiner Premiummarke Lexus – ausschließlich mit Hybrid-Antrieb anbietet. Dies weist aber auch darauf hin, wo der Hauptabsatzmarkt für die japanische Luxuslimousine liegt, nämlich in den USA. Dort wollen die Kunden trotz aller Bemühungen vor allem der deutschen Automobilherstellern immer noch nicht auf sparsamere Dieselmotoren umsteigen und setzen in größeren Modellen weiterhin am liebsten auf V8-Benziner. Auf die Kombination mit elektrischen Hilfsmotoren, darauf lassen sich die Amerikaner noch am ehesten ein – gerade wenn strengere Vorschriften sie dazu drängen. Dass vor allem Plug-In-Hybriden deutliche Verbrauchs- und Emissionssenkungen ermöglichen, zeigen Beispiele wie die Hybrid-Varianten der neuen S-Klasse von Mercedes-Benz.

Lexus als kleine aber feine Tochter von Toyota kann dank des Know-hows des Mutterkonzerns in allen fünf Modellreihen dessen Hybrid-Technologie einsetzen, derzeit aber noch keine Version mit direktem Stromanschluss. So muss auch das Topmodell LS 600h seine Nickel-Metallhybrid-Batterie während der Fahrt aufladen. Dies geschieht zum einen direkt durch den Achtzylinder-Motor mit fünf Liter Hubraum und 394 PS, sowie durch die Bremsenergierückgewinnung (Rekuperation) beim Gas wegnehmen. Den aktuellen Status zeigen die Displays zwischen den digitalen Rundinstrumenten und in der Mittelkonsole an. Dort hält der 12,3 Zoll große LCD weitere Menüs und Anzeigen zur Auswertung des persönlichen Fahrstils parat.

 

Leider lag der Durchschnittsverbrauch in unserem Test meist über 10 Liter auf 100 km und somit auch über dem offiziellen Wert von 8,6 Litern. Gern hätten wir öfters den EV-Modus genutzt, um mit dem Lexus rein elektrisch dahin zu gleiten. Doch anders als beispielsweise beim Porsche Panamera S E-Hybrid hat man im LS 600h wenig Einfluss darauf, wann sich der Benziner wieder zuschaltet, um den Elektromotor zu unterstützen oder komplett abzulösen. Selbst mit sehr sensiblem Gasfuß gelang es selten, nennenswerte Distanzen innerhalb von Ortschaften lokal emissionslos zurückzulegen. Vielmehr verführte der Japaner uns dazu, die Systemleistung von 445 PS (327 kW) auszutesten. Der allein schon 225 PS (165 kW) starke Stromer mit 300 Nm Drehmoment katapultiert zusammen mit den 520 Nm des Haupttriebwerks den Allradler in 6,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Beschleunigung endet elektronisch begrenzt bei 250 km/h. Wer so schnell über deutsche Autobahnen rast, braucht sich natürlich auch nicht wundern, dass der Verbrauch alle Angaben sprengt – da hilft kein Hybrid der Welt!

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil am relativ hohen Vergleich selbst bei normaler Fahrweise trägt sicherlich auch das hohe Gewicht von fast 2,5 Tonnen. Dabei wirken sich die schweren Hybrid-Komponenten – insbesondere die Batterien – ebenso negativ darauf aus, wie die Luxusausstattung mit vielen Elektromotoren für den Komfort der Passagiere. Die ziehen die massiven Türen wie von Geisterhand zu, lassen den Fahrersitz und das Lenkrad zum bequemeren Ein- und Austeigen zurückgleiten und übernehmen natürlich sämtliche Einstellungen, sogar die Höhe der Sicherheitsgurte. Als Fahrer sitzt man alles andere als schlecht – für große Personen vielleicht etwas zu hoch – aber auf der Beifahrerseite sogar noch ein bisschen besser. In der von uns getesteten Ausstattungsvariante „Wellness Line“ lässt sich die vordere Sitzfläche soweit ausfahren, dass man die Beine richtig hochlegen kann. Noch komfortabler (und teurer) geht es nur im 13 cm längeren LS 600h L zu. Dort gibt es auch hinten einen Liegesitz – Ottomane genannt. Dabei herrscht nicht nur in der viersitzigen Chauffeurs-Version kein Platzmangel im Fond.