Fahrbericht: Jaguar XE – Angriff auf die Mitte

13.06.2015 | Christian Sauer | Testrides

Jaguar XE S Drivers Club Germany
Mit der sportlichen Limousine will der britische Hersteller den deutschen Konkurrenten ihre Kunden abjagen und einen neuen Einstieg bieten. Ist Luxus eine Frage der Größe und des Preises?

Jaguar Land Rover hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Entwicklung durchlaufen. Kaum eine andere Automobil-Marke hat sich so gewandelt. Mögen Traditionalisten den alten Jaguar-Modellen mit der klassisch-eleganten Formensprache nachtrauern, begeistern die modernen Modelle immer mehr (Neu)Kunden. Was 2008 mit dem XF und ein Jahr später mit der Neuauflage des XJ begann, dann ab 2013 mit dem F-Type seinen vorläufigen Höhepunkt fand, wird nun mit dem komplett neuen Modell XE konsequent fortgesetzt. Er soll der zum indischen Tata-Konzern gehörenden Traditions-Marke weiter zu immer neuen Absatzrekorden verhelfen. Dafür wird viel in Forschung und Entwicklung, aber auch in die Fertigungsstätten in Großbritannien investiert. Positiv macht sich das bereits beim leichten und verwindungssteifen Chassis bemerkbar, das zu 75 % aus Aluminium besteht. Das macht den XE zum leichtesten Modell in der Mittelklasse.

 

Das geringe Gewicht kommt der Effizienz ebenso zu Gute wie der Fahrdynamik. Besonders ausgeprägt ist sie natürlich im sportlichen Topmodell XE S, das trotz den optionalen 20-Zoll-Rädern mit adaptiven Dämpfern sehr geschmeidig abrollt. Seinen 3,0-Liter-Sechszylinder mit Kompressor-Aufladung und 340 PS haben wir bereits in den anderen Jaguar-Modellen zu schätzen gelernt. Mit dem lediglich 1.665 kg schweren XE S – die Vierzylinder-Modelle wiegen sogar nur rund 1,5 Tonnen – haben die 340 Nm Drehmoment ab 4.500 Touren leichtes Spiel. In 5,1 Sekunden geht es auf Tempo 100 und weiter bis zur abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Der Sound ist dabei kräftig aber nicht übertrieben, der Kompressor hörbar aber nicht unangenehm im Vordergrund. Diskret zurück hält sich auch sein Verbrauch, der mit offiziell 8,1 Liter angegeben ist. Die Kraftübertragung an die Hinterachse übernimmt dort die geniale 8-Stufen-Automatik von ZF ebenso wie in den schwächeren Benziner-Vierzylinder mit 240 und 200 PS sowie in Verbindung mit den beiden Diesel-Motoren.

Die sind entweder mit 163 oder 180 PS und alternativ auch mit einer manuellen 6-Gang-Handschaltung erhältlich. Wir testeten die stärkere Variante mit Automatik, die von der neu entwickelten 2-Liter-Ingenium-Motorenfamilie in Deutschland wohl am interessantesten ist. Mit 430 Nm ab 1.750 Umdrehungen wirkt er auch alles andere als Schwach auf der Brust und zudem angenehm leise. Außerdem fällt sein offizieller Verbrauch mit 4,2 Litern in Anbetracht der Leistung sehr positiv aus. Noch weniger genehmigt sich nur der 163-PS-Diesel mit 3,8 Litern laut Jaguar. Selbst er gibt sich dank dem aufwendigen Fahrwerk mit zahlreichen Alu-Bauteilen und der erstmals überhaupt in einem Jaguar eingesetzten elektromechanischen Servolenkung kaum weniger agil als der XE S, aber dafür noch etwas komfortabler abgestimmt. Wer es wiederum härter mag, kann das Sportfahrwerk im Rahmen des „R-Sport“-Pakets wählen, für das es ebenso wie für fast alle anderen Ausstattungslinien auch Adaptive Dynamics gegen Aufpreis gibt. Wir finden es lobenswert, dass Jaguar die Wahl lässt, selbst die Diesel mit sportlichen Zutaten zu garnieren. Beim Konfigurieren sollte man sich bei den vielen Optionen allerdings genug Zeit nehmen, um sich „seinen“ XE individuell zusammen zu stellen.