Jaguar Land Rover @ AvD Oldtimer Grand Prix 2018

14.08.2018 | Christian Sauer | Lifestyle, Testrides

50 Jahre Jaguar XJ und das 70. Jubiläum von Land Rover standen im Mittelpunkt des diesjährigen Auftritts am Nürburgring. Exklusiv konnten wir am Vortag mehrere Klassiker und die neuen Sondermodelle XJ50 sowie XJR575 selbst fahren.

Ach das waren noch Zeiten: V12-Sauger mit 5,3 Liter Hubraum, kaum Elektronik, dafür feines Holz innen und filigranes Design außen. So sah das Idealbild des Jaguar XJ in den 70er, 80er und frühen 90er Jahren aus, als der Zwölfzylinder vom E-Type vier Jahre nach der Weltpremiere 1968 samt Reihensechszylinder folgte. Und nun 50 Jahre später fällt es nicht-Experten schwer, zwischen den Baujahren und den drei XJ-Serien zu unterscheiden. Am besten lassen sie sich im direkten Vergleich an den unterschiedlichen Kühlergrille erkennen. Wie gut, dass Jaguar beim 48. AvD Oldtimer Grand Prix auf dem neu gestalteten Ausstellungsgelände in der Start-Ziel-Kurve der Grand Prix Strecke gleich mehrere Exemplare aufreihte. Natürlich zog der brachiale Broadspeed-Rennwagen von 1976, den wir bereits im Rahmen der diesjährigen Classic Days Schloss Dyck dynamisch erleben konnten, die Blicke magisch an. Doch die dagegen zierlichen Straßenversionen faszinierten Enthusiasten und Marken-Fans mindestens auf den zweiten Blick. Und der lohnte sich auf jeden Fall, befanden sich doch sogar die persönlichen Wagen von Firmengründer Williams Lyons und von Queen Mum, Mutter von Queen Elizabeth II darunter. Wie gut sich die Klassiker und ihre aktuellen Urahnen fuhren und fahren, konnten wir bereits am Vortag auf und rings um den Flugplatz von Mendig selbst erleben.

Los ging es mit einem 1978er Series 2 V12 Coupé vom offiziellen Jaguar Land Rover Classic Center in Essen. Dort können seit kurzem mindestens zehn Jahre alte Oldtimer und Youngtimer beider Marken nach höchsten Standards gewartet und repariert werden. Außerdem können hochwertige Klassiker dort sogar mit Hersteller-Garantie gekauft und vorher Probe gefahren werden. Allerdings bleiben einige Sammlerstücke unverkäuflich, wozu auch das braue Coupé mit beigem Leder gehört. Schon auf den ersten Metern begeistert die legendäre Geschmeidigkeit, die die britische Kultmarke auf vier Räder ebenso wie die Raubkatze auf vier Pfoten charakterisiert. Gleiches gilt für den roten Series 3 Sovereign 4.2, in unserem Test das letzte überhaupt produzierte Fahrzeug mit dem fast 40 Jahren verwendeten Sechszylinder vom legendären Jaguar XK, der wiederum dieses Jahr sein 70. Jubiläum feiert. Die optischen Modifikationen von Series 2 zu 3 – heute sagen wir einfach Facelift dazu – verantwortete übrigens erstmals nicht die hauseigene Designabteilung, sondern Pininfarina aus Italien.

Beim Design unseres dritten Testkandidaten – wiederum das letzte Exemplar seiner Generation – schieden sich 1986 bei der Präsentation die Geister und sie tun es heute immer noch. Außen vor allem mit den rechteckigen Scheinwerfern und Heckleuchten sowie innen mit vielen Schaltern überfrachtet, markierte der XJ40 eine neue Ära für Jaguar. Technisch war er als komplette Neukonstruktion seinem 1968 als Series 1 vorgestellten XJ6 natürlich deutlich überlegen. Trotz den bis 1994 unübertroffenen Verkaufszahlen entschied sich Jaguar jedoch nach der mutigen Formensprache dann beim Nachfolger-XJ X300 wieder für ein traditionelleres Design. Während unsere beiden letzten Test-Klassiker eigentlich im Museum, genauer gesagt beim Jaguar Heritage Trust neben dem sehenswerten British Motor Museum in Gaydon, stehen, finden sich die beiden neuen XJ-Sondermodelle mit etwas Glück beim nächsten Jaguar-Händler.

Zum einen wurde anlässlich des 50. Jubiläums der XJ50 aufgelegt. Das nicht limitierte Sondermodell basiert auf der Ausstattungslinie „Premium Luxury“ und greift außerdem Details der „Portfolio“ und „R-Sport“-Modelle mit auf. So gibt es beispielsweise einen schwarzen Kühlergrill und diamantgedrehte 20-Zöller. Spezielle „XJ50“-Embleme runden außen wie innen das Bild ab. Neben vier exklusiven Farben („Fuji White“, „Santorini Black“, „Loire Blue“ und „Rosello Red“) zeichnet sich das Sondermodell außerdem durch Ledersitze mit Rautenmuster, Schaltwippen aus Alu sowie Pedale aus Edelstahl aus. Zusätzlich sind Massage-Sitze in der ersten Reihe und adaptive LED-Scheinwerfer ab Werk installiert. Der Jaguar XJ50 ist sowohl mit kurzem als auch mit langem Radstand erhältlich und unter der Haube arbeitet hierzulande der bekannte Dreiliter-V6-Diesel mit 300 PS und 700 Nm.

Mit 575 PS und ebenfalls 700 Nm tritt beziehungsweise trat der bis dato stärkste XJR575 an. Leider wurde er bereits kurz nach seinem Start hierzulande wegen den strengeren WLTP-Abgas- und Verbrauchsnormen wieder aus dem Angebot genommen. Zugegeben, schon der XJ an sich kämpft verglichen mit der deutschen Konkurrenz in einer relativ kleinen aber feinen Nische – der Markt für dessen Sportversion ist und war noch überschaubarer. Das schmälert allerdings nicht seine Faszination, sein Exoten-Status steigert diese sogar noch.


Neben dem sportlich(er)em Exterieur- und Interier-Design begeistert vor allem sein fünf Liter großer V8-Kompressor mit souveränen Leistungsreserven. Während der britische Gentleman zum Start und beim Cruisen diskret seine feinen Manieren beweist, verwandelt ihn der Dynamik-Modus zur jagenden Raubkatze. Zwar bleibt der zum Sprung ansetzender Jaguar hinter der bulligen Kraft der deutschen Sportlimousinen zurück, aber 4,4 Sekunden aus dem Stand (mit Heckantrieb) auf 100 km/h und Tempo 300 in der Spitze sind ja mehr als ausreichend. Dazu bietet das Sportfahrwerk mit adaptiven Dämpfern einen gelungenen Kompromiss zwischen Dynamik und Komfort.

Unabhängig von der gewählten Modellvariante und Motorisierung finden wir den 2009 mit seinem damals futuristischen, für einen XJ revolutionärem Design heute immer noch sehr sympathisch. Er ist eben individueller als ein Audi A8, BMW 7er oder eine Mercedes S-Klasse. Positiv formuliert, liegt sein Fokus eher auf der Form und auf feinen Details, denn auf technische Innovationen. Kritisch gesehen, kann der XJ trotz regelmäßigen Updates und Upgrades in vielen Aspekten längst nicht mehr mit den deutschen Hightech-Limousinen mithalten. Nach fast zehn Jahren ist die Zeit reif für einen neuen XJ. Und der steht wohl schon in den Startlöchern. Während die jetzige Generation bereits die Kraft auf alle vier Pfoten – respektive Räder – überträgt, wird sein Herz zukünftig elektrisch schlagen oder zumindest unterstützt. Vielleicht feiert auch ein XJ Coupé wieder ein Comeback und schließt eine klaffende Lücke in der ansonsten stetig gewachsenen Jaguar-Familie.

Parallel dazu entwickelte sich auch Land Rover zu einer regelrechten Automobil-Dynastie. Alles begann vor 70 Jahren mit dem Defender als reines Nutzfahrzeug. Bekanntlich entwickelte er sich bis zu seiner Einstellung vor zwei Jahren auch zum kultigen Lifestyleauto. 1970 wurde mit dem Range Rover eine erste weitere Erfolgsgeschichte nachhaltig fortgeschrieben und die heute so beliebte Gattung komfortabler bis ultraluxuriöser Geländewagen überhaupt erst begründet. Während der Discovery seit 1989 die markentypische Geländegängigkeit mit immer besserem Komfort verbindet, startete der Freelander als indirekter Vorgänger des Discovery Sport direkt als SUV. Bei Range Rover markierte 2009 das spektakuläre Showcar Range Stormer samt Flügeltüren einen weiteren Meilenstein. Er gewährte bereits einen Ausblick auf den ersten Range Rover Sport, der in den weiteren Jahren von so reizvollen Modellen wie dem Evoque – selbst als Cabrio – und dem Velar sowie den SVR-Varianten ergänzt wurde. Wir von Drivers Club Germany freuen uns, die einzigartige Erfolgsgeschichte von Jaguar Land Rover auch in den nächsten Jahren weiter zu begleiten.