Wilde Raubkatze: Jaguar F-Type

18.07.2013 | Christian Sauer | Testrides

Jaguar F-Type Drivers Club Germany

Während im V6 S ein mechanisches Sperrdifferential für maximale Traktion an der Hinterachse sorgt, kommt beim V8 S ein elektronisches aktives Sperrdifferential zum Einsatz. Die Kraftübertragung übernimmt im F-Type generell eine ZF-Automatik mit acht Stufen, die kaum spürbar aber ähnlich schnell wie ein Doppelkupplungsgetriebe die Gänge sortiert. Jaguar hat bei seinem sportlichen Roadster auf den bei allen anderen Modellen beim Start herausfahrenden Drehschalter verzichtet. Stattdessen laden ähnlich wie in den M-Modellen von BMW ein handlicher Joystick in der Mittelkonsole und die am Lenkrad montierten Schaltpaddel zur Handarbeit ein. Dabei arbeitet die intelligente Elektronik made in Germany nahezu perfekt und sorgt beispielsweise beim Verlassen von Kurven dafür, dass stets der passende Gang eingelegt ist. Im Sport-Modus gibt die Automatik beim Herunterschalten von sich aus Zwischengas, was wunderbar in das  Klangfeuerwerk des F-Types passt.

Auch in diesem Kapitel differenziert Jaguar die unterschiedlichen Motorisierungen: Das Topmodell verfügt serienmäßig über eine aktive Sport-Abgasanlage mit Klappensteuerung und insgesamt vier Auspuffrohre, sowie der Sound-Taste im Cockpit. Im V6 S gibt es letztgenannte gegen Aufpreis und statt vier, zwei mittige Endrohre im Stil des historischen E-Types. Von der Optik her identisch, gibt es in der Basis serienmäßig auch einen Sportauspuff und die aktive Klappen-Steuerung als Option. Diese können wir aus eigener Erfahrung nur empfehlen, denn wer einmal den Schalter in der übersichtlichen Mittelkonsole gedrückt hat, will eigentlich nie mehr ohne unterwegs sein. Ob nun mit sechs oder acht Zylindern bestückt, ist man so in jedem Fall mit beeindruckenden Sound gesegnet. Die Deaktivierung der Sound-Taste empfiehlt sich dennoch beispielsweise für längere Autobahn-Etappen oder für Ausfahrten zu besonders früher oder später Stunde – die Nachbarn werden es danken!

 

Fest steht also, der F-Type fährt optisch und akustisch vom Start weg in der ersten Liga. Doch wie sieht es mit der Performance aus? Schon der Basismotor ist mit 340 PS und 450 Nm Drehmoment ist alles andere als untermotorisiert, was auch die Beschleunigung mit Launch-Control aus dem Stand auf 100 km/h in 5,3 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit von elektronisch begrenzten 260 km/h beweisen. Doch zumindest in Deutschland bestellten die ersten Kunden bislang tendenziell lieber die stärkeren Versionen. Unter ihnen fällt die Entscheidung nicht einfach: 340 PS gegenüber 495 PS – jeweils bei 6.500 Touren – 460 Nm ab 3.500 zu 625 Nm schon ab 2.500. Der Leistungsüberschuss des V8-Kompressors spiegelt sich trotz des höheren Gewichts auch in den Fahrleistungen wieder. 4,3 statt 4,9 Sekunden vergehen auf Tempo 100 und abgeriegelt wird das Topmodell erst bei 300 anstatt bei 275 km/h.

Selbst im direkten Vergleich auf der Rennstrecke, mit nahezu voll ausgestatteten und somit fast identischen Fahrdynamik-Features samt individuell programmierbarem Dynamic-Modus, haben beide Versionen ihre Vorteile. Der V8 S zu Preisen ab 99.900 Euro beeindruckt mit seiner immensen Kraft in jeder Lebenslage. Selbst wenn er die magische 500-PS-Marke (noch) nicht knackt, ist er ein leidenschaftlicher Garant für schier unendlichen Fahrspaß. Der vermeintlich chancenlose Bruder mit Sechszylinder für mindestens 84.900 steht ihm in Sachen Unterhaltungswert kaum nach. Abhängig von den Witterungsbedingungen und der individuellen Qualifikation des Piloten kann der V6 S auf kurvigem Geläuf sogar schneller als der V8 S sein. So bleibt es eine Frage des persönlichen Geschmacks und des jeweiligen Geldbeutels. Eine Schmusekatze ist der F-Type in keinem Fall – schon eher eine wilde Raubkatze – also ein echter Jaguar ganz in der Tradition des E-Types!