Wilde Raubkatze: Jaguar F-Type

18.07.2013 | Christian Sauer | Testrides

Jaguar F-Type Drivers Club Germany Christian Sauer

Drivers Club Germany Chefredakteur Christian Sauer testete den neuen Sport-Roadster aus England auf der Straße und der abgesperrten Piste des Bilster Berg Drive Resorts. Ob mit Sechs- oder Achtzylinder-Kompressor-Triebwerken, der Jaguar F-Type ist eine der spektakulärsten Auto-Neuheiten des Jahres.

Jaguar umweht schon immer ein besonderes Flair: elegant, exklusiv und geschmeidig. Bis auf wenige Ausnahmen entsprachen die meisten Modelle in der über 75 Jahre langen Unternehmensgeschichte tatsächlich dieser Vorstellung. Dabei sticht besonders ein Jaguar heraus – der legendäre E-Type aus den 1960ern und 70ern – für viele immer noch eins der schönsten Autos überhaupt. Nachdem die beiden, zum indischen Tata-Konzern gehörenden Marken Jaguar und Land Rover in den letzten Jahren mehr Gewinn denn je einfuhren, investierte man nicht nur Millionen Pfund in eine verbesserte Infrastruktur, sondern suchte auch ein neues, sportliches Alpha-Tier. Designer Ian Callum sollte Begehrlichkeiten wecken, so wie er es schon früher bei Aston Martin erfolgreich tat. Mit dem F-Type schuf er einen würdigen Nachfolger des E-Types, der nicht nur wegen seines Namens die konsequente Weiterentwicklung des Kult-Roadsters verkörpert.

Atemberaubend, aufregend und Aufsehen erregend sind Attribute, die auch wir dem F-Type attestieren können. Deutlich kompakter als die Cabrios und Coupés der Jaguar XK Baureihe, die auch weiterhin mit V8-Motoren und diversen Leistungsstufen mit bis zu 550 PS im XKR-S gebaut werden, fällt der Jaguar-Nachwuchs mit seiner Länge von 4,47 m aus. Dabei besitzt der F-Type dank seines relativ langen Radstands von 2,62 m und der Breite von 1,92 den größten „Footprint“ seiner Klasse. Die definiert Jaguar selbst neu als „Mid-Size Sports“ zwischen dem Porsche Boxster/Cayman einerseits und Sportwagen wie Aston Martin V8 Vantage, Audi R8, Chevrolet Corvette oder Porsche 911 andererseits. Im Vergleich zum Jaguar F-Type kommt der deutsche Platzhirsch länger, aber auch schmaler daher.

Der Brite unterstreicht seinen sportlichen Charakter mit der geringen Höhe von nur 1,29 m, dem ab 96 km/h ausfahrenden Heckspoiler und dem knappen Stoffverdeck. In Sachen Alltags- und Gangjahrestauglichkeit gibt es aber keine Kompromisse: Es öffnet und schließt sich sehr schnell elektrisch. Die Glasheckscheibe gewährt stets einen klaren Blick nach hinten und durch die gute Fütterung dringen kaum Störgeräusche von außen nach innen.

 

Für ausgedehnte Reisen eignet sich der F-Type aus unserer Sicht dennoch nur bedingt. Der 200 Liter große Kofferraum im Heck bietet zwar ausreichend Platz für ein Golfbag oder einen Getränkekasten deutscher Standardmaße – aber auch nicht für viel mehr. Für einen Jaguar ungewöhnlich straff präsentiert sich die Federung des Adaptiven Fahrwerks selbst in der komfortabelsten Einstellung. Der neue Jaguar war eben von vornherein als waschechter Sportler konzipiert und das ist er am Ende eines jahrelangen Entwicklungsprozesses mit rund 1,6 Mio. Testkilometer – darunter allein 30.000 auf der Nordschleife – tatsächlich auch geworden.

Der Fahrdynamik zu Gute kommt das relativ geringe Gewicht von unter 1.597 kg beim Einstiegsmodell mit 3-Liter-V6 mit 340 PS, 1.614 kg beim V6 S mit 380 PS und 1.665 kg im fünf Liter großen V8 S mit 495 PS. Die Alu-Leichtbau-Karosserie des F-Types wurde ausschließlich geklebt und genietet, aber nicht geschweißt – das erhöht die Verwindungs- sowie Quersteifigkeit des Chassis. Weitere Maßnahmen waren die Reduktion der ungefederten Massen und die optimale Gewichtsverteilung zwischen den beiden Achsen. Dies sind allerdings nur die Grundlagen für das, was Jaguar „Connected Feel“ nennt. Gemeint ist damit die optimale Verbindung zwischen Fahrer, Auto und Straße, die wir selbst hinterm Steuern erfahren konnten.

Gefühlt liegt zwischen dem Asphalt und unserem Allerwertesten nur wenige Zentimeter, denn im neuen Jaguar sitzt man sehr tief. Konsequent verzichtet der F-Type auf Notsitze hinter den optionalen Performance-Sitzen als Alternative zu den serienmäßigen Sportsitzen. Selbst Großgewachsene finden nicht nur nach oben, sondern auch nach hinten genug/genügend Luft/Spielraum. Das gesamte Cockpit scheint auf den Fahrer ausgerichtet und hochwertig verarbeitet. Als nettes Gimmick gibt es das unten abgeflachte Sportlenkrad sogar mit Beheizung. So oder so liegt es gut in der Hand und überträgt die Lenkbefehle äußerst exakt und nahezu ohne Verzögerung auf die Hydraulische Lenkung mit elektronischer Regelung. Im Zusammenspiel mit den Dämpfern des Jaguar Adaptive Dynamics entsteht ein Gefühl der direkten Verbindung des Fahrers zum Wagen und zum Asphalt. Sicherheit vermitteln die bissigen Bremsen mit bis zu 38 cm großen Scheiben sowie die dynamische Stabilitätskontrolle DSC (ESP).