Hoffnungsträger: Infiniti Q50 S Hybrid AWD

06.07.2014 | Christian Sauer | Testrides

Infiniti Q50 2

Die Steer-by-Wire-Lenkung oder offiziell Direct Adaptive Steering genannt soll schneller ansprechen, einen kleineren Lenkwinkel bieten und störende Vibrationen oder gar Schläge auf schlechten Straßen vermeiden. Wie schon bei Flugzeugen werden die, über Sensoren gemessenen, Steuerimpulse elektronisch über drei Steuergeräte und ohne mechanische Verbindung an einen Elektromotor weitergegeben, der binnen Millisekunden den unteren Teil der Lenksäule und die Zahnstange bewegt. Für den Notfall gibt es – so will es auch der Gesetzgeber – als Backup noch eine Kupplung, die automatisch schließt und eine mechanische Verbindung herstellt, so dass der Fahrer in jedem Fall eingreifen kann. In unserem Test funktionierte die neue Technik problemlos. Die Lenkung reagierte sehr direkt und im Sportmodus noch fester.

Nicht zu hart, aber für Fahrdynamik optimiert, präsentierte sich das Fahrwerk ohne adaptive Dämpfereinstellung. Von Natur aus mit Heckantrieb konzipiert, bringt die Kraftverteilung an die Vorderräder bei Bedarf noch mehr Traktion und Sicherheit. Speziell die beiden Hybrid-Varianten mit oder ohne Allrad rüstet Infiniti mit einem besonders starken Sportbremssystem samt gegenüberliegenden Kolben aus. Außerdem unterstützen auf Wunsch diverse Assistenzsysteme wie beispielsweise die Active Lane Control und das Abstandsradar. Kameras ringsum sorgen für optimale Orientierung beim Parken der 4,80 m langen und 1,82 m breiten Limousine. Eine Parkautomatik wird hingegen nicht angeboten. Dafür trotzt das Cockpit voll Elektronik. Ein Novum stellt die Bedienung der vielfältigen Multimedia-Funktionen mit gleich zwei Touchscreens und individuellen Apps dar. Da  wundert es schon, dass sich kein Head-up-Display dazu gesellt.

 

Zur Komplettierung der Wohlfühl-Oase fehlen noch ein beheizbares Lenkrad und Sitze mit Massagefunktion oder Belüftung. Ansonsten erfüllen sie mit ihrer elektrischen Verstellung und dem guten Seitenhalt hohe Ansprüche. Gleiches gilt für das Platzgebot – zumindest vorn – hinten macht sich das sportlich-flache Design mit maximal 1,43 m Höhe bemerkbar. Ansonsten gibt es im Innenraum dank guter Ergonomie und hochwertigen Materialen nichts zu kritisieren. Hartplastik sucht man zum Glück fast vergebens, vor allem da, wo man hin fasst oder hin schaut. Natürlich gilt das auch schon für das Einstiegsmodell mit 170-Diesel-PS zu Preisen ab 34.350 Euro.

Der Hybrid mit Heckantrieb startet bei 51.356 Euro, Allrad kostet 2.500 Euro zusätzlich. Die Aufpreisliste ist relativ kurz und von Ausstattungspaketen geprägt. Unser Testwagen mit Vollausstattung schlug mit rund 60.000 Euro zu Buche. Deutlich teurer, mit dem Motor des Nissan GT-R aber auch deutlich stärker, wird der Infiniti Q50 Eau Rouge werden. Das wird garantiert nicht nur Sebastian Vettel – offiziell übrigens Director of Performance der Marke – gefallen. Bereits die Auftritte des Prototypen auf Messen und beim Goodwood Festival of Speed ließen unseren Puls höher schlagen. Doch selbst ohne 586 PS bereitet der Q50 viel Spaß und bereichert die Autowelt auch in Deutschland.