Infiniti Q30 Sport – die schönere A-Klasse?

22.10.2016 | Christian Sauer | Testrides

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Technisch größtenteils mit dem kompakten Mercedes identisch, positioniert Nissans Premiummarke den Q30 als (noch) edlere Alternative. Wir fuhren die Sport-Version.

„Vernetzung“ ist bekanntlich eins der großen Themen derzeit in der Automobilbranche. Neben der Online-Vernetzung der Infotainmentsysteme vernetzen sich die Hersteller selbst aber auch immer stärker per Kooperationen und Zusammenschlüssen untereinander. Dazu gehört nicht nur, dass Infiniti die Premiummarke von Nissan ist, sondern somit auch zur Allianz mit Renault gehört und Nissan zudem größter Einzelaktionär von Mitsubishi wurde. Und dann wäre da noch die Kooperation mit Mercedes-Benz, die demnächst mit dem ersten Pickup samt Stern auf Basis des Nissan Navara wohl größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird als bislang mit dem Infiniti Q30 und QX30. Beide eng miteinander verwandte Modelle bauen bereits jetzt auf der gleichen Plattform wie die A-Klasse und des GLA auf. Dementsprechend fällt der Q30 in Länge und Breite mit 4,42 zu 1,80 m auch kaum größer aus als der deutsche Kompakte.

 

Sehenswerte Unterschiede gibt es dennoch beim Design, auf das Infiniti besonders stolz ist und als „inspiriert durch Klarheit der Proportionen“ beschreibt. Es liegt natürlich immer im Auge des Betrachters, aber gerade in der Sport-Version mit entsprechenden Karosserieelementen und seiner Lackierung gefällt uns der Testwagen richtig gut. Der asiatische „Silberpfeil“, der übrigens im britischen Nissan-Werk in Sunderland produziert wird, wirkt mit seinen ebenso geschwungenen wie scharfen Linien emotionaler als die A-Klasse. Ob die Infiniti-typischen Details in violett unter anderem auf den 19 Zoll großen Alufelgen mit 235er Bereifung jedem gefallen und zu allen Lacktönen passen, sei dahingestellt. Zumindest beim genaueren Hinschauen sind sie Eyecatcher.

Im Innenraum unseres Testwagens findet sich Violett bei den Fußmatten sowie den Nähten der von Mercedes bekannten, bequemen Sportsitze wieder. Diese sind zum Teil mit Leder und zum anderen mit Alcantara bezogen, womit außerdem große Teile des Cockpits veredelt wurden. Doch nicht „nur“ dadurch verdient der Qualitätseindruck das Prädikat „Premium“. Während die Instrumente ebenfalls nahezu mit dem Benz identisch sind, geht Infiniti beim Infotainment eigene Wege. Der 7-Zoll-Touchscreen lässt sich nämlich zusätzlich mit einem Dreh-Drück-Controller in der Mittelkonsole bedienen.

Anders als bei der „normalen“ A-Klasse und ähnlich wie beim AMG A45 befindet sich im Q30 in der Mittelkonsole ein kleiner Wählhebel für die Automatik. Alternativ lässt sich das flinke 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe auch manuell per Paddel am handlichen Volant schalten. Beim 211 PS starken 2,0-Liter-Benziner unseres Testwagens ist die Automatik ebenso obligatorisch wie beim 2,2-Liter-Diesel mit 170 PS und beim 1,6-Liter-Benziner (156 PS). Allein im 1,5-Liter-Diesel (109 PS) gibt es auf Wunsch auch eine 6-Gang-Handschaltung, die bei der 122-PS-Variante des kleinen Benziners Standard ist. Während die anderen Motorisierungen Fronttriebler sind, gibt es beim stärkeren der beiden Diesel auf Wunsch den Allradantrieb, über den unsere Topmotorisierung serienmäßig verfügt.

Analog zum direkt vergleichbaren Mercedes-Benz A 250 Sport 4MATIC bietet die vielversprechende Kombination von 350 Nm Drehmoment ab 1.200 Touren, 211 PS bei 5.500, Allrad und Doppelkupplungsgetriebe ein dynamisches Gesamtpaket. In 7,2 Sekunden sprintet der 1,5-Tonner von 0 auf 100 und sein Vortrieb endet erst bei 235 km/h. Der Vierzylinder-Turbo wirkt drehfreudig und kraftvoll; der offizielle Durchschnittsverbrauch ist mit 6,7 Liter angegeben. Leider hält die Klangkulisse nicht mit dem Antrieb mit und gerade im Sportmodus hätten die Sounddesigner dem Q30 Sport gerne etwas mehr akustischem Selbstbewusstsein auf den Weg geben können. Das kann sein deutscher Bruder selbst ohne AMG-Zutaten – und auch die Premium-Konkurrenten Audi A3 und BMW 1er – besser.

 

Zwar fehlt dem Infiniti Q30 die Option auf ein adaptives Fahrwerk, aber auch so bietet er in der Sport-Version mit 2 cm Tieferlegung und steiferen Federn eine gelungene Verbindung von Dynamik und Komfort. Die direkte Lenkung überzeugt mir ihrer progressiven, linearen Rückmeldung. Wer es kommoder möchte, sollte sich den Q30 in der Ausstattungslinie „Premium“ anschauen oder direkt auf den höher gelegten QX30 ein- bzw. aufsteigen. Allerdings gibt es das SUV-Derivat des Mercedes-Benz GLA ausschließlich in Verbindung mit dem 170-PS-Diesel ab 38.600 Euro. Der Q30 startet bei 24.200 Euro und mindestens 40.290 Euro sind für den Q30 2.0T Sport fällig. Im Vergleich dazu ist Mercedes teurer und die Aufpreisliste länger.

Ob das höhere Markenprestige (zumindest) hierzulande die höhere Individualität des Infiniti aufwiegt, bleibt eine subjektive Frage. Fest steht, dass sich der Q30 seit seiner Premiere im letzten Jahr zum wichtigsten Modell im stetig wachsenden Portfolio entwickelt hat. Mit niedrigen vierstelligen Verkaufszahlen bleibt er aber ein Exot. Das liegt wohl auch daran, dass Infiniti’s Händlernetz mit Standorten in zehn Ballungszentren immer noch dünn ausfällt. Allerdings soll die Anzahl der Service Partner bis Ende des Jahres auf rund 20 anwachsen. Damit würde sich dieser Nachteil auch weiter relativieren und dem Q30 beziehungsweise QX30 als attraktive Alternative zu den bekannten Premium-Kompakten zusätzlichen Rückenwind verleihen. Wünschen würden wir es Infiniti auf jeden Fall!