Honda CR-V: die unterschätzte Größe?

06.11.2016 | Christian Sauer | Testrides

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Wir testen Hondas größtes SUV mit 160-PS-Diesel und 9-Stufen-Automatik. Kann er in der Topausstattung Executive überzeugen oder sollten Interessenten auf die nächste Generation warten?

Es ist natürlich längst kein Geheimnis mehr, dass sich SUVs hierzulande zu den Bestsellern bei den meisten Autoherstellern und zu den Lieblingen der Autokäufer entwickelt haben. Dem „Trend“ tragen wir bei Drivers Club Germany auch Rechnung und präsentieren regelmäßig die wichtigsten Modelle des weiter boomenden Segments als Fahrberichte.

Und dazu gehört zweifelsohne der Honda CR-V, dessen erste Generation bereits 1996 startete. Die vierte Generation ab 2012 in Europa war 2014 das weltweit meistverkaufte SUV. Hierzulande tut sich der Japaner allerdings gegen die deutsche, europäische und auch asiatische Konkurrenz schwer. Um den Abstand zu ihnen zu verringern, gab Honda seinem CR-V letztes Jahr nochmal einige technische sowie optische Modifikationen mit auf den Weg.

Diese beinhalteten vor allem neu gestaltete Stoßfänger und LED-Rückleuchten. Auf Wunsch gibt es ein Aero- oder Chrome-Paket zur Individualisierung. Apropos individuell – zur Wahl stehen neun Lackierungen inklusive „Passion Red Pearl“ unseres Testwagens. Hinzu kommt seine stattliche Länge von 4,61 Meter, womit der CR-V deutlich größer als der Honda HR-V als sein kleiner Bruder und auch größer als die meisten Kompakt-SUVs ausfällt. Das macht sich positiv beim Blick in den geräumigen Kofferraum bemerkbar. 589 – 1.669 Liter passen hinein und die niedrige Ladekante erleichtert das Be- und Entladen ebenso wie die elektrische Heckklappe.

Auf der Rücksitzbank finden selbst 1,90-m-Gäste viel Platz. Noch mehr Kopffreiheit gäbe es, wenn das große Panorama-Glasdach weiter nach hinten reichen würde. In der ersten Reihe bieten die Sitze sehr gute Langstreckenqualitäten. Im Vergleich zum Vorgänger präsentieren sich die Materialien mit hochwertigeren Kunststoffen und solider Verarbeitung. Das Cockpit ist übersichtlicher, wenn auch das kleine Display in der oberen Mittelkonsole wie bei anderen Honda-Modellen zusammen mit dem neuen Infotainmentsystem Honda CONNECT samt 7-Zoll-Touchscreen, Android-Betriebssystem und Online-Vernetzung die Bedienung nicht unbedingt vereinfacht.

In der aktuellen Generation des CR-V haben zusätzliche Assistenzsysteme Einzug gehalten. Darunter befindet sich das i-ACC mit vorrausschauender Kamera und Radar. In der Praxis – und im Vergleich zu anderen Herstellern mit ähnlichen Systemen – reagiert der Tempomat mit Abstandshalter allerdings recht spät und nicht immer fehlerfrei. Abgesehen davon bietet der Honda ein umfangreiches Sicherheitspaket, das für sein Segment kaum Wünsche offenlässt.

 

Sehr angenehm finden wir das geringe Geräuschniveau und den guten Fahrkomfort. Dank dem Feinschliff am Fahrwerk mit breiterer Spur sowie neu abgestimmter Lenkung lässt sich der CR-V agiler und direkter um Kurven dirigieren, wenn auch es andere SUVs dynamischer können. An Kraft mangelt es zumindest der Topmotorisierung nicht: Der 1,6-Liter-Diesel mit Biturbo-Aufladung löste den 2,2-Liter ab und leistet trotz Downsizing mit 160 PS und vor allem 350 Nm Drehmoment ab 2.000 Touren.

Damit beschleunigt der stärkste CR-V samt serienmäßigen Allradantrieb in 9,6 Sekunden auf Tempo 100 und weiter bis zur Höchstgeschwindigkeit von 202 km/h. Als offiziellen Durchschnittsverbrauch gibt Honda 4,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer für die Version mit 6-Gang-Handschaltung an. Die sehr weich schaltende 9-Stufen-Automatik für 2.100 Euro extra verbraucht laut Hersteller lediglich 0,2 Liter mehr und bietet neben einem Sportmodus auch Schaltpaddel am Multifunktionslenkrad.

Nicht so recht zum Hightech-Charakter samt Joystick-Schalthebel will allerdings die klassische Handbremse passen. Eine elektrische Parkbremse würde sich zumindest in der nahezu vollständigen Executive-Ausstattung unseres Testwagens inklusive Rückfahrkamera, elektrischem Fahrersitz, schwarzer oder beiger Lederausstattung, 18-Zoll-Rädern und Xenon-Scheinwerfern mit LED-Tagfahrlicht gut machen. Allerdings fällt der CR-V so hochgerüstet mit knapp 42.000 Euro nicht gerade günstig aus. Als Extras werden neben den bereits erwähnten Aero- und Chrome-Paketen auch die sogenannte Black Edition sowie 19-Zöller.

Günstiger wird der CR-V-Einstieg mit dem 155-PS-Benziner ab 23.990 Euro oder dem 120-PS-Diesel ab 27.340 Euro jeweils mit Frontantrieb. Da aber bereits die fünfte Generation des erfolgreichen Honda-SUVs für die USA vorgestellt wurde und nächstes Jahr in Europa folgt, ist von mehr Spielraum bei den Preisverhandlungen und steigenden Nachlässen zu rechnen. Der Neuling verspricht allerdings keine Design-Revolution, sondern eher eine Evolution unter anderem mit Voll-LED-Scheinwerfern. Er ist aber in der Größe erneut gewachsen und bietet sicher auch neue technische Features. Da noch nicht alle Informationen zum Beispiel zu den Motorisierungen in Europa und den Preisen bekannt gegeben wurden, sollten noch unschlüssige Interessenten zumindest noch darauf warten und dann entscheiden.