Japanisches Flügelmonster: Honda Civic Type R GT

04.06.2016 | Christian Sauer | Testrides

2015 Honda Civic Type R

Mit traditionellen Sportwagen-Tugenden wie einem aerodynamisch verkleidetem Unterboden und einer direkten (elektrischen Servo)Lenkung will Honda den zumeist dezenter gestylten Konkurrenten aus Deutschland, Frankreich und Italien den Titel des sportlichsten Kompakten abjagen. Der japanische Hersteller spricht sogar vom „Rennwagen für die Straße“. Damit dies kein leeres Versprechen bleibt, findet sich im Type R exklusiv der „+R“-Knopf. Er verwandelt den leer nur 1.453 kg schweren – oder besser gesagt – leichten Viertürer zum brettharten Racer mit Drang zu immer neuen Bestzeiten auf abgesperrtem Terrain. Passend dazu wird auch das Ansprechverhalten des ohnehin schon drehfreudigen Triebwerks nochmal geschärft, die mechanische Differentialsperre sorgt für bestmögliche Traktion der Vorderräder und die Instrumente unterstreichen mit speziellen Fahrdaten sowie roter Färbung den spürbar veränderten Charakter.

 

Doch den Aus- und Zuschlag für den Type R könnte ihm sein Fahrwerk mit serienmäßig adaptiven Dämpfern bringen. Damit bietet er bei deaktiviertem „+R“-Modus trotz den dünnen und 235er breiten Niederquerschnittsreifen von Continental selbst auf langen Strecken einen akzeptablen Fahrkomfort und überraschend stabilen Geradeauslauf. Für Sicherheit sorgen in der komplett ausgestatteten GT-Version einige Assistenzsysteme wie der Kollisionswarner, der Spurhalte- oder Totwinkelassistent. Alltagstauglich präsentieren sich ebenfalls der fast 500 Liter große Kofferraum und der geräumige Innenraum. Wie schon im Exterieur dominieren beim Type R GT rote Kontraste. Diese finden sich beispielweise am handlichen Multifunktionslenkrad, den Gurten oder den bereits erwähnten Schalensitzen mit Veloursledereffekt wieder, die allerdings etwas hoch montiert sind und ohne Sitzheizung oder elektrische Verstellung auskommen müssen. Nahezu keine Wünsche lässt dagegen das Infotainmentsystem samt 7-Zoll-Touchscreen, zahlreichen Anschlüssen, Online-Apps und -Vernetzung sowie Rückfahrkamera offen.

Die Qualität passt insgesamt auch, wenn gleich wir uns etwas weniger schwarzes Hartplastik wünschen würden. Aus echtem Carbon oder rot lackiert gibt es allerdings offizielles Zubehör für das Exterieur und Interieur, die den Civic Type R noch mehr Individualität verleihen. Die fünf Metallic- bzw. Pearl-Lackierungen inklusive der Sonderfarbe unseres Testwagens „Championship White“ stellen bei der GT-Ausstattung die einzigen Sonderausstattungen dar und kosten lediglich 520 Euro extra zu den 37.850 Euro. In Anbetracht der umfangreichen Vollausstattung und des gebotenen Gesamtpakets ist der Preis nicht nur heiß, sondern nahezu konkurrenzlos. Daher würden wir die schlechter ausgestattete Grundversion des Type R für 35.350 Euro nur bedingt empfehlen – auf jeden Fall sollte genau geprüft werden, welche Features darin nicht enthalten sind und ob sich der Mehrpreis nicht doch lohnt. So oder so können wir dem aktuell sportlichsten Honda neben dem Supersportwagen NSX insgesamt eine sehr gute Gesamtnote attestieren – ein Blender ist der auf Knopfdruck supersportliche Civic Type R definitiv nicht – selbst wenn am Ende unseres Tests die „Theke“ zum Absacker einlädt.