Japanisches Flügelmonster: Honda Civic Type R GT

04.06.2016 | Christian Sauer | Testrides

2015 Honda Civic Type R
In unserem Fahrbericht testen wir, ob der 310 PS starke Kompakte mit aggressiver Optik ein schamloser Blender oder ein potenter Sportler ist?

Ich sitze in Sportsitzen, deren Seitenhalt einer Schraubzwinge gleichen und blicke auf jeweils drei klassische Rundinstrumente sowie digitale Displays, die so manchen Supersportwagen die Show stehlen. Hand an den runden Alu-Schaltknauf gelegt und schon klackt der erste Gang rein. Als die Kupplung zubeißt, schnellt die Nadel des Drehzahlmessers rasant in Richtung 7.000 Touren. Bei Vollgas faucht vorne der Turbo – hinten dröhnt es aus vier faustdicken Endrohren. Nach nur 5,7 Sekunden ist Tempo 100 schon Geschichte und weiter geht es bis zum beeindruckenden Topspeed 270 km/h!

 

In welchem Wagen ich sitze, verrät spätestens der Hinweis auf den stolz und unübersehbar am kurzen Heck thronenden Flügel. Der hat seinen Namen definitiv verdient und verleiht dem kompakten Honda-Modell mit 4,39 m Länge seinen ganz eigenen Charakter. Und auch vorn bescheren dem Civic als Type R sportliche Anbauteile mehr Respekt und Überholprestige beim Blick in den Rückspiegel. Dazu passen die schwarzen 19-Zöller mit rotem Kranz und roten Bremssätteln dahinter. Dass der vor allem bei jungen Enthusiasten weltweit extrem angesagte „Hatchback“ kein Blender ist, beweisen die Brembo-Schriftzüge vorn und gelochte 350er Scheiben. Die sind jedoch nur ein Hinweis für die tatsächlichen Ambitionen der vierten Generation des Type R in seiner 22-jährigen Geschichte. Okay, einige der Lüftungsöffnungen sind nur Fake, doch tatsächlich muss der 2,0 Liter kleine Vierzylinder-Turbo auf der einen Seite viel frische Luft ein- und auf der anderen Seite heiß wieder ausatmen.

 

Bereits zwischen 2.500 und 4.500 Touren liegt das maximale Drehmoment von 400 Nm an, doch damit nicht genug, galoppieren die 310 Pferdestärken erst bei 6.500 Touren zusammen. Um bei dieser atemberaubenden Drehzahlorgie nicht das Schalten zu verpassen, mahnen zusätzliche Shifting Lights wie in einem Rennwagen zum Gangwechsel. Die Kupplung wirkt für einen Sportler zwar etwas leichtgängig, aber dennoch der Leistung gewachsen. Ein echtes Highlight stellt das 6-Gang-Getriebe mit ultra-kurzen Schaltwegen und separater Kühlung dar. Es muss zwar ohne Zwischengasfunktion wie beispielsweise beim Nissan Nismo 370Z auskommen, lässt sich laut Honda dafür allerdings genauso schnell wie im ersten NSX-Sportwagen von 1990 schalten. Doch anders als beim neuen NSX gibt es für den Type R weder einen Hybridantrieb, der den nicht gerade geringen Benzin-Konsum mit offiziellem Durchschnittsverbrauch von 7,3 Litern senken würde, noch ein automatisiertes Getriebe als Option.