Gigant auf sechs Rädern: Mercedes-Benz G 63 AMG 6×6

04.11.2013 | Christian Sauer | Testrides

Mercedes-Benz G 63 AMG 6x6 Drivers Club Germany Testdrive

Während der kurzen Fahrt machen wir uns einen Eindruck vom Luxus an Bord des Dickschiffs. Serienmäßig verfügt der G 63 AMG 6×6 über eine absolute Vollausstattung. Zur Wahl stehen lediglich  die verschiedenen Lack- und Lederfarben. Durch die Verlängerung der Passagierkabine bietet der „Über-G“ noch mehr Platz hinten, wo zwei Einzelsitze mit elektrischer Verstellung  warten. Deren Sitzbelüftung wird später wohl mehr im Einsatz sein als die Sitzheizung, schließlich wird ein Großteil der nicht limitieren Produktion in Länder am Persischen Golf gehen. Aber auch einige Kunden aus Europa haben den 6×6 schon bestellt, eine Homologation für die USA steht noch aus. Vielleicht liegt es an den Verbrauchs- und Emissionswerten, die Mercedes offiziell mit unter 20 Liter auf 100 km angibt. Der tatsächliche Wert lässt sich kaum ermitteln, schließlich zeigt der Bordcomputer maximal 30 Liter an – „Scheich-egal“ – schließlich garantiert ein Zusatztank mit 149 statt 96 Litern eine große Reichweite.

 

Auf dem Testgelände angekommen, finden wir statt Dünen und Sand mitteleuropäischen Schlamm. Doch bevor es dort hinein geht, testen wir erstmal das Beschleunigungs- und Bremsverhalten des 4,1 Tonnen schweren Koloss. 7,9 Sekunden vergehen bis 100 km/h. Der G 63 AMG mit vier Rädern schafft den Standardsprint in 5,4 und dessen Höchstgeschwindigkeit liegt bei abgeriegelten 210. Der 6×6 schafft immerhin Tempo 160 und zum Stehen bringen ihn extra-große Bremsen. Was die Zahlen gar nicht vermitteln können, ist das einmalige Fahrgefühl. Hier bekommt die physikalische Formel von Masse mal Geschwindigkeit eine ganz neue Dimension. Noch beeindruckender als auf Asphalt, ist das  Erlebnis allerdings auf unbefestigten Untergrund. Ob extra angelegte Passagen mit extremen Verschränkungen, steile Auf- oder Abfahrten – wo andere Offroader nur im Kriechgang vorankommen, fliegt der 6×6 regelrecht drüber. Und wenn das Ungetüm doch einmal droht, die Bodenhaftung zu verlieren, versetzt er einfach ein Stück und dann es geht unbeirrt weiter.

An die Lenkung müssen wir uns allerdings erst gewöhnen. An sich ist sie gar nicht so indirekt, wie wir befürchteten. Die überdimensionalen Abmessungen und die drei Achsen verlangen ein recht frühes Einlenken, doch wer zu früh dran ist, gräbt mit den hinteren Rädern eine neue Fahrspur. Egal, der 6×6 wühlt sich mit seinen sechs Rädern wie ein Tausendfüßler durchs Gelände. Wo er nicht hinkommt, hilft wohl nur noch der Kettenantrieb eines Panzers. Allein der rutschige Untergrund scheint der G-Klasse nicht zu schmecken. Da hilft nur Anlauf holen und Vollgas!