Gigant auf sechs Rädern: Mercedes-Benz G 63 AMG 6×6

04.11.2013 | Christian Sauer | Testrides

Mercedes-Benz G 63 AMG 6x6 Drivers Club Germany Fahrbericht
Drivers Club Germany Chefredakteur Christian Sauer testete exklusiv die sechsrädrige G-Klasse von AMG. Mit 455.770 Euro ist das Offroad-Monster derzeit nicht nur das teuerste Modell von Mercedes-Benz, sondern auch das Extremste. Hier sein abenteuerlicher Fahrbericht.

Auf Sanddünen und Wüsten-Pisten präsentierte Mercedes-Benz vor einigen Monaten den damals noch als Showcar klassifizierten G 63 AMG 6×6. Doch ernst gemeinte Anfragen für den Giganten auf sechs Rädern ließen nicht lange auf sich warten – noch in Dubai boten arabische Scheichs dem Testfahrer Erwin Wonisch einen Blankoscheck, damit er den Offroad-Boliden gleich dort ließe. Das war natürlich nicht möglich, aber dennoch wurde der Wunsch von „König Kunde“ nach einer Serienfertigung wie schon beim G 65 AMG mit seinem 612 PS und 1.000 Nm Drehmoment starken V12-Biturbo erhört. Im 6×6 kommt zwar „nur“ der 5,5 Liter große V8-Biturbo zum Einsatz, mit 544 PS und 760 Nm ist er allerdings alles andere als untermotorisiert und der Sound aus den Sidepipes ist unserer Meinung sowieso beeindruckender als der des Zwölfzylinders.

 

Traditionell mit der Unterschrift des jeweiligen Monteurs versehen, werden seit Jahren immer mehr AMG-Motoren vom Firmensitz der Mercedes-Sportbeauftragten in Affalterbach ins österreichische Graz verschickt. Dort in der Steiermark werden im Werk von Magna Steyr schon seit 1979 die unterschiedlichen Varianten der G-Klasse gebaut und die AMG-Versionen machen inzwischen einen Anteil von rund 50 Prozent aus. Insgesamt verkauft sich „der G“ besser denn je und die Produktion wurde sogar aufgestockt, sowie modernisiert. Überraschend ist dennoch zu sehen, wie viel Handarbeit im Geländeurgestein steckt, währenddessen in den anderen Hallen von Magna Steyr der Peugeot RCZ, sowie der MINI Countryman und Paceman überwiegend per Roboter zusammengeschweißt werden.

Doch die G-Klasse war schon immer anders und keinesfalls mit einem der „weichgespülten“ SUVs vergleichbar. Mit seinem Leiterrahmen und den Starrachsen ist er nie ein Leichtgewicht gewesen, dafür aber ein nahezu unaufhaltsamer Geländewagen. Deshalb bekommen Fans auf der ganzen Welt gar nicht genug von ihm. Für besondere Einsätze gibt es auch gepanzerte „Guard“-Modelle und spezielle Varianten fürs Militär, darunter auch eine mit drei Achsen für die australische Armee. Darauf aufbauend wurde nun der zivile 6×6 entwickelt. Sogenannte Portalachsen und Federelemente aus dem Rallye-Sport bescheren dem wohl extremsten Offroader ab Werk mit Straßenzulassung eine nochmals verbesserte Geländegängigkeit. Der Rampenwinkel stieg von 28 auf 51 Grad, die Bodenfreiheit von 21 auf 46 cm und die Wattiefe von 60 cm auf einen Meter.

Tiefe Wasserdurchfahrten lassen den G 63 AMG 6×6 also ebenso kalt wie heißer Sand. Dafür lässt sich der Luftdruck in den sechs 37 Zoll großen Reifen auf 18-Zoll-Felgen vom Cockpit aus per Schalter am Dachhimmel ablassen und per Kompressoren wieder aufpumpen. Eine spezielle Konstruktion im Inneren der Räder verhindert, dass die Pneus auch bei niedrigstem Luftdruck von der Felge springen, was in der Wüste schon mal vorkommen kann. Ein vorerst letzter Blick unter den noch sauberen Wagen lässt die fünf Differentialsperren und die 7-Stufen-Automatik erahnen, die sich ganz simpel wie im „normalen“ G 63 AMG bedienen lassen. In allen Dimensionen gewachsen präsentiert sich der 6×6 von außen: Der Pickup ist über einen Meter länger und misst nun exorbitante 5,79 m. Gegen den Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr sprechen ebenso die Breite von 2,18 m, sowie die Höhe von 2,36 m. Zum Aspiranten für einen der vier exklusiven Plätze im Innenraum werden diejenigen qualifiziert, die über eine ausreichende Körpergröße verfügen. Also aufgesessen und ab zum Testgelände von Magna Steyr.