Geschmacks- und Sinnfrage: BMW 6er Gran Coupé

01.01.2013 | Christian Sauer | Testrides

Der gestaltet sich durch die unzähligen technischen Features umso entspannter, wenn man sich erst einmal damit vertraut gemacht hat. Viele der Features wurden im BMW 7er präsentiert und wurden sukzessive nach unten in die 5er Baureihe exportiert. Das farbige Head-Up Display lernten wir bereits im BMW M5 zu schätzen. Das einzige, was verwöhnte Persönlichkeiten vermissen könnten, wäre eine Massagefunktion für die Sitze. Dafür verbreitet das Bang & Olufsen High End Surround Sound System „Good Vibrations“ mit kräftigen Bässen und klaren Höhen. Der ist ein Eyecatcher und zeigt wenigstens zum Teil, wo die extra investierten 5.000 Euro geblieben sind.

Serienmäßig sind hingegen die Achtgang-Automatik mit Schaltwippen, die Auto Start Stop Funktion und der „Fahrerlebnisschalter“ mit verschieden Einstellungen von Eco Pro über Comfort bis hin zu Sport und Sport+. Die Setup-Konfigurationen beeinflussen u.a. das Ansprechverhalten des Motors, die Schaltvorgänge des Getriebes, das Stabilitätsprogramm und die Lenkung. Wer das ab Werk aufwendig konstruierte Fahrwerk elektronisch aufrüstet, kann auch die Dämpfer samt Wankausgleich an die jeweiligen Anforderungen anpassen.

Auf Wunsch gibt es eine mitlenkende Hinterachse, die BMW Integral-Aktivlenkung nennt. Die bemerkten wir während unseren Testfahrten direkt zwar nicht, aber das Fahrverhalten verdient wirklich ein großes Lob. Ob in der Stadt, auf der Landstraße oder Autobahn, ob langsam oder schnell – das Gran Coupé fühlt sich handlich, komfortabel und zugleich sportlich an. Dank Leichtbaukomponenten blieb das Gewicht unter zwei Tonnen, natürlich immer abhängig von der Ausstattung und Motorisierung. Zur Wahl stehen derzeit zwei Benziner und ein Diesel, jeweils mit TwinPower Turbo Technologie aufgeladen und dadurch mit hohem Drehmoment aus dem Drehzahlkeller gesegnet. Als Reihensechszylinder gibt es den 640d, dessen 3,0 Liter großer Vollaluminium-Motor maximal 313 PS und 630 Nm an die Hinterachse stämmt, und den von uns getesteten 640i. Er hat den gleichen Hubraum wie das Dieselaggregat, leistet 320 PS und 450 Nm Drehmoment. Typisch Benziner ist sein Verbrauch aber höher und pegelte sich bei unseren Testfahrten bei rund 10 Litern ein. Das ist nicht wenig, doch dafür entschädigt das Hightech-Triebwerk mit hoher Laufruhe, souveräner Kraftentwicklung und wenn es drauf ankommt, mit nur 5,4 Sekunden von Null auf Einhundert.

Noch fast eine Sekunde weniger für den Standardsprint benötigt der 650i, das vorläufige Topmodel. Der neue 4,4 Liter große V8 mit 450 PS und 650 Nm soll nicht viel mehr verbrauchen als sein kleiner Bruder und ist zudem mit Allradantrieb zu haben. Als 650i xDrive ist er mit mindestens 96.000 Euro aber auch kein Schnäppchen. Ohne Allrad sind 3.400 Euro weniger fällig. Der 640d schlägt mit knapp 83.000 Euro zu Buche und der 640i beginnt bei rund 80.000 Euro. Durch die große Auswahl reizvoller Optionen inkl. M-Sportpaket und Veredelung von BMW Individual wird es dabei wahrscheinlich nicht bleiben. Kein Geheimnis ist, dass das für 2013 geplante M6 Gran Coupé über 100.000 Euro Grundpreis kosten und die Baureihe krönen wird – ein 660i mit Zwölfzylinder ist nicht vorgesehen. Offen bleibt hingegen, ob es eine schicke Kombi-Version geben wird. Da sind Mercedes mit dem CLS Shooting Brake und Porsche mit der Designstudie Panamera Sport Turismo BMW wieder einen Schritt voraus – aber wir wissen ja – was gut werden soll, braucht seine Zeit.