Gas geben – Aston Martin Rapide S Hybrid Hydrogen

30.05.2013 | Anja Sauer | Testrides

So weit, so gut. Ziel der Ingenieure für das diesjährige Rennen war es, den Aston Martin Hybrid eine 25 km lange Runde auf der Rennstrecke nur mit Wasserstoffgas zu fahren. Dieses Ziel konnte laut Motorsport-Chef und Ingenieur David King übertroffen werden – es wurden sogar 1,5 Runden geschafft. Außerdem wollte man schauen, ob diese Technologie einem 24-Stunden-Extrem-Einsatz standhält.

Für die Produktion mussten nur minimale Veränderungen am und im Auto vorgenommen werden. So wurden zum Beispiel andere Materialien für Einspritz-Ventile verwendet und der Kühlergrill und Teile der Front sind zwecks Kühlung leicht abgeändert worden. Der Verbrennungsmotor wurde ebenfalls nur wenig modifiziert – man könnte sagen, an die Umstände „angepasst“. Auch das Gesamtgewicht des Autos musste durch die Wasserstoff-Tanks nicht extrem erhöht werden. So sind es nur 100 kg, die der Wagen an Gewicht zunahm, was verglichen mit dem Gesamtgewicht des Rapide S fast vernachlässigbar war.

Der Zwölf-Zylinder-Motor mit 560 PS stammte aus der Straßenversion Rapide S. Dazu wurden im Rennwagen zwei Turbolader verbaut, damit bei Nutzung von Wasserstoffgas dieses effizienter verbrannt werden konnte. Der Aston Martin Rapide S Hybrid Hydrogen ist somit zur Zeit das stärkste Hydrogen-Auto der Welt.

Nun zum Hydrogen-Treibstoff. Das Wasserstoffgas ist chemisch gesehen viel einfacher aufgebaut, als andere Gasarten. Nebenbei kann man es unter anderem aus Abfallprodukten der Bio-Diesel-Produktion, wie für dieses Rennen eingesetzt, gewinnen. Das senkt nicht nur die Kosten sondern auch den Ausstoß von Treibhausgasen um 50-80%. Zusätzlich verbrennt das Gas sechsmal schneller als herkömmliche Brennstoffe und ist mit ca. 30 % mehr Effizienz, im Gegensatz zur Benzin-Verbrennung, höchst effektiv.

Auch die Sicherheitsfrage während des Renn-Einsatzes war ein enorm wichtiger Punkt. Aber sie kann durchweg gewährleistet werden. Wasserstoffgas verflüchtigt sich sehr schnell. Hinzu kommt ein umfassendes, mittels Sensoren gesteuertes Kontroll-System, welches im Falle einer Störung oder eines Unfalls sofort die Gaszufuhr blockiert. Weiterhin verschließt ein Ventil den Raum zwischen Tank und Druckregler, so dass das Gas, das sich in den Leitungen befindet, nicht mehr austreten kann. Dieses vom TÜV Süd abgenommene System macht den Aston Martin genauso sicher wie andere Rennwagen.

Am Ende des Rennens, das wegen ergiebigem Regen für ca. zehn Stunden unterbrochen werden musste, hat der Hydrogen das Rennen mit der Überquerung der Ziellinie erfolgreich beendet.

Das gesamte Hybrid-Team und die Fahrer brachten den Hybrid sicher und ohne größere Probleme ins Ziel. So war die Freude des Projekt-Gespanns riesengroß, als Dr. Bez voller Stolz im Parc Fermé aus dem Wagen stieg. Platz 114 wurde es für ihn und sein Team, doch die Platzierung spielte hierbei keine große Rolle, der Aston Martin lief in seiner Rennklasse sowieso außer Konkurrenz.

Abschließend sagten die Ingenieure, dass es in Zukunft tatsächlich möglich sei, bei entsprechendem Tank-System für Serien-Fahrzeuge bis zu 250 km ohne CO2-Emissionen zu fahren und die strenger werdenden Umwelt-Regelungen zu erfüllen. Wir sind gespannt, was daraus wird.