Gas geben – Aston Martin Rapide S Hybrid Hydrogen

30.05.2013 | Anja Sauer | Testrides

aston martin rapide s hybrid hydrogen

Wie wir bereits angekündigt haben, kommt nun der Bericht zum Aston Martin Rapide S Hybrid Hydrogen Rennwagen, der beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring an den Start ging. Drivers Club Germany-Redakteurin Anja Sauer hat ihn genauer unter die Lupe genommen.

Erst einmal war die Idee, einen ganz besonderen Wagen zu bauen. Aston Martin-Chef Dr. Ulrich Bez wagte diese Reise und fuhr am Wochenende mit vollem Einsatz im Rennen mit. Der Rapide S, das größte Modell der Aston Martin-Familie, bildete die Grundlage für dieses Projekt. Außerdem trug die langjährige Erfahrung in der Entwicklung von Wasserstoff-Tanks der Firma Alset Global mit europäischem Hauptsitz in Graz einen großen Teil dazu bei.

Es sollte ein Rennwagen für dieses eine Event entstehen, der neben einem herkömmlichen Verbrennungsmotor auch mit Wasserstoffgas das 24-Stunden-Rennen bestreiten kann. Von der Entwicklung bis zur Fertigstellung des Wagens vergingen „nur“ zwölf Monate. Doch war das Rennen vielmehr ein Forschungseinsatz für die Zukunft alternativer Antriebe bei unseren Straßen-Fahrzeugen.

Zunächst erscheint diese Technik kompliziert, ist sie aber eigentlich gar nicht. Der Aston Martin ist neben dem Benzintank mit vier Wasserstoff-Tanks aus Kohlefaser ausgestattet, die in Zusammenarbeit mit Magna Steyr entwickelt wurden. Zwei davon befinden sich direkt neben dem Fahrer, die zwei anderen im Kofferraum. Insgesamt fassen die Tanks 3,2 kg Wasserstoffgas – das entspricht 12 Litern normalem Treibstoff. Das auf 350 bar komprimierte Gas wird hierbei über ein Leitungssystem mit konstanten vier bis fünf bar in den Motor eingespritzt – damit kann der Wagen gänzlich ohne CO2-Emission fahren. Dabei wurde das Auto allerdings etwas langsamer. Je nach Fahrsituation konnte aber auch mit Benzin oder kombiniert mit Wasserstoff gefahren werden. Getankt wurde in zwei Etappen. Gleich am Boxeneingang wurde der Aston Martin mit Wasserstoffgas betankt, danach an der eigenen Box mit normalem Treibstoff, wie jeder andere Rennbolide auch. Das Wasserstoffgas wurde von der Firma Linde, welche eine langjährige Erfahrung mit der Produktion von Wasserstoffgas hat, mittels einem Truck bereitgestellt. Die Betankung mit Gas dauerte ungefähr eine Minute.

Während des Exklusiv-Interviews mit Matthew Marsh, einem Fahrer im Hybrid-Team, wurde uns ein kleiner Eindruck des Fahrgefühls in diesem Auto vermittelt: „Ich bin richtig begeistert vom Fahrzeug. Wir haben es nicht übertrieben, aber es ist richtig schnell. Der Wagen liegt gut in den Kurven.“ Auf das alternative Antriebskonzept angesprochen, meint der erfahrene Pilot: „Gerade das Erlebnis mit Wasserstoff ist faszinierend. Als ich das erste Mal den Wagen gefahren bin, fragte ich die Mechaniker, wie ich den Antrieb selbst umschalten kann, und die sagten nur – hier ist das Briefing, hier drückst du den Knopf für Wasserstoff, das ist alles. Also die Bedienung ist sehr simpel.“ Marsh weiter: „Ich war überrascht von dem Projekt, Wasserstoffgas in einem Auto-Rennen einzusetzen. Es ist ein Experiment, und das ist sehr spannend.“ Wir fragten ihn auch, inwiefern Unterschiede zwischen dem Betrieb mit Wasserstoffgas und Benzin bestehen: „Mit Wasserstoffgas ist der Wagen etwas langsamer und schwächer, was in manchen Situationen aber sogar Vorteile bringt.“ Zum Thema Motor-Sound konnte er nicht viel erzählen: „Durch die Kopfhörer unter meinen Helm höre ich nicht viel davon, aber er soll etwas leiser sein – wurde mir gesagt.“ Die Frage, ob er im nächsten Jahr wieder auf solch einem Wagen antreten würde, beantwortete Matthew Marsh mit einem eindeutigen „Ja, auf jeden Fall. Vielleicht schaffen wir dann sogar zwei oder drei Runden, oder einen kompletten Stint im Hydrogen-Modus.“