Ritt auf der Kanonenkugel – Fiat Abarth 595C Turismo

08.06.2014 | Christian Sauer | Testrides

Fiat Abarth 595C Turismo Drivers Club Germany
Auf den ersten Blick traut es dem kleinen Cabrio wohl kaum jemand zu, aber der Abarth 595C Turismo ist ein echter Racer im Taschenformat. Warum erfahrt ihr in unserem Fahrbericht.

„Ach, ist der Kleine süß“ oder „Frauenauto“ mag derjenige denken, der erstmalig Bekanntschaft mit dem nur 3,65 m langen, 1,62 m breiten und 1,48 m hohen Flitzer im Retro-Design macht und von seiner Kraft nichts weiß. Dabei versucht Fiat schon seit mehr als fünf Jahren, mit der Sport-Marke samt Skorpion als Symbol und langer Tradition wieder mehr Fahrdynamik und Fahrspaß auf die Straße zu bringen. Im Heimatland vom schier übermächtigen GTI gelingt das auch durch das dünne Händlernetzt allerdings nur bedingt.

 

Dabei reicht das Leistungsspektrum derzeit von 135 bis 180 PS. Unser Testwagen, der Abarth 595C Turismo – das „C“ steht dabei für die offene Version mit elektrischem Faltdach und „Turismo“ für die Ausstattungsvariante – liegt mit 160 PS dazwischen. Die maximale Leistung erreicht der Turbo-Vierzylinder bei 5.500 Umdrehungen und schöpft aus lediglich 1.368 cm³ Hubraum immerhin 230 Nm Drehmoment ab 3.000 Touren. Doch schon ab dem Start röhrt der Sportauspuff lautstark und macht Lust auf mehr. Beim optimalen Umgang mit der Kupplung des manuellen 5-Gang-Getriebes sprintet das Leichtgewicht mit weniger als 1,2 Tonnen auf der Waage, wie vom Skorpion gestochen, in nur 7,4 Sekunden auf Tempo 100. Mit den Schaltwippen der alternativen Halbautomatik sollen 0,1 s mehr vergehen, aber in Anbetracht der leider hakeligen Handschaltung wäre der Aufpreis von 1.300 Euro vielleicht doch eine Überlegung wert – ein sechster Gang fehlt allerdings so oder so.

Damit würde der Abarth wahrscheinlich sogar noch schneller in der Endgeschwindigkeit sein. Doch selbst mit nur fünf Gängen erreicht er für einen Kleinwagen geradezu wahnwitzige Fahrleistungen. Während die Druckanzeige des Turbos schon fast am Anschlag ist, klettert die Nadel des analogen Tachos im Retrolook – demnächst wird er gegen ein modernes TFT-Display ausgetauscht – mühelos über 150, 160, 170 hinaus. Die verwunderten Gesichter der Fahrer deutlich stärkerer Wagen verschwinden rasch im Rückspiegel und unser Blick wechselt kurz auf die GPS-Anzeige des mobilen Navis. Wir trauen kaum unseren Augen, doch 213 km/h sind mehr als beachtlich und sogar mehr als die offiziell angegebene Höchstgeschwindigkeit von 205. Allerdings gleicht das Gefühl bei nur 2,30 m Radstand dann allerdings dem Ritt auf einer Kanonenkugel. Dass der Verbrauch dabei die Werksangabe von 6,5 Litern toppt, ist klar und der 30-Liter-Tank leert sich zusehends. Ein sechster Gang würde natürlich auch hier helfen die Effizienz zu erhöhen – selbst im Sportmodus, in dem wir meistens unterwegs waren.

 

Ohne ihn fühlt sich der 595 seiner außergewöhnlichen Kraft beraubt und auch die Fahrdynamik ändert sich per Knopfdruck spürbar. Beim Rangieren oder Manövrieren in der Innenstadt mag die leichtgängige Lenkung sicherlich Sinn machen, dem sportlichen Fahren ist sie allerdings nicht förderlich. Daher heißt es wieder den gleichnamigen Knopf in der Mittelkonsole drücken und die Po-Backen zusammen kneifen. Das im Vergleich zum normalen Fiat 500 tiefergelegte Sportfahrwerk macht nämlich seinem Namen alle Ehre und gibt den Fahrbahnzustand jeder Zeit fast ungefiltert an den Allerwertesten des Piloten weiter. Was ihm hilft, zielgenau durch Kurven zu flitzen, kann dem Sozius oder den zwei Hinterbänklern umso mehr auf den Magen schlagen. Dazu tragen auch die 17 Zoll großen Aluräder in diversen Designs und die bissigen Bremsen dahinter ihren Teil bei. Die 205er Reifen haben wiederrum jede Menge damit zu tun, trotz ESP und elektronischem Sperrdifferenzial die nicht zu unterschätzende Leistung über die Vorderräder auf den Asphalt zu bringen, was ihnen überraschend gut gelingt.