Ein Fall für vier: Ferrari FF im Fahrbericht

25.01.2013 | Christian Sauer | Testrides

Ferrari FF Drivers Club Germany

Der Name „Ferrari Four“ ist Programm und Kampfansage zugleich, denn mit innovativem Allradantrieb und komfortablen Platz für Vier soll das springende Pferd mit Shooting Brake Heck neue Kunden erobern und der Konkurrenz das Fürchten lehren. Drivers Club Germany testete den alltagstauglichsten Ferrari aller Zeiten und zeigt Ihnen den FF in der Fotogalerie nicht nur auf der Straße, sondern auch auf Eis und Schnee .

Im Zeichen des „Cavallino rampante“ haben große GTs eine lange Tradition: Ferrari 400, 412, 456 und 612 Scaglietti – alle sollten die Vorteile von komfortablen Reisewagen mit Platz für Vier samt Gepäck mit dem typisch sportlichen Charakter eines Ferraris verbinden. Dieser schwierige Spagat gelang nur bedingt erfolgreich und so standen sie oft im Schatten der kompromissloseren Modelle aus dem eigenen Stall. Das könnte sich mit dem neuen FF ändern: Wie seit Jahrzehnten alle Ferraris vom Hausdesigner Pininfarina gezeichnet, spiegelt sich auch bei der 4,90 m langen Alu-Karosserie des FF die markentypische Formensprache in zahlreichen Details wieder.

Das berühmte Turiner Designstudio kreierte ein formschönes wie praktisches Heckkonzept, das sich am besten mit dem wieder angesagten Begriff „Shooting Break“ bzw. „Shooting Brake“ beschreiben lässt. Hinter der großen Heckklappe wartet ein, für einen Sportwagen ungewöhnlich gut nutzbarer Kofferraum mit 450 bis maximal 800 Liter Volumen bei umgelegten Rücksitzen. Die bieten in unserem Selbstversuch selbst Großgewachsenen überraschend viel Kopf- und Beinfreiheit. Nur der Einstieg nach hinten erfordert bauartbedingt etwas Geschick und Beweglichkeit, aber das können sportliche Limousinen à la Aston Martin Rapide mit ihren schmalen Rücktüren, die sich dem Coupé-Design unterordnen mussten, kaum besser.

 

 Bei aller Begeisterung für die zweite Reihe bleibt der Fahrersitz im FF dennoch die erste Wahl. Großzügig bemessen, sowie elektrisch einstellbar, beheiz- und kühlbar sitzt es sich mit gutem Seitenhalt selbst auf langen Touren bequem. Das gesamte Cockpit lässt sich in feinstes Leder oder Alcantara hüllen und versprüht die Exklusivität, die man von einem Ferrari erwartet. Gleiches gilt für die Verarbeitungsqualität, die in der Vergangenheit leider viel zu oft Grund zur Kritik gab. Auch dem Wunsch nach mehr Individualität steht man in Maranello nun offen gegenüber und hält unzählige Gestaltungsvarianten vor.

Selbst den zentralen Drehzahlmesser gibt es in mehreren Farben und nur er allein erinnert noch an die analoge Vorzeit und nicht an das Cockpit eines Jets. Denn bereits im 458 Italia wurde das Ende der traditionellen Rundinstrumente mit den auf den Piloten ausgerichteten Digitaldisplays besiegelt. Diese liefern unzählige Informationen zum Status des Fahrzeuges und das Bild der Kameras vom Heck, sowie der Front. Das Navigationssystem mit Touchscreen verrichtet auch schon in anderen Ferrari-Modellen halbwegs gute Dienste und stillt zusammen mit einem schmalen Zusatzdisplay auf der Beifahrerseite den Wissenshunger des Co-Piloten. Das abgeflachte Lederlenkrad debütierte ebenfalls schon im 458 und beherbergt serienmäßig Bedienelemente für Blinker und Licht, Dämpfereinstellung, sowie das kleine Manettino-Drehrad mit fünf Fahrdynamik-Einstellungen und wird auf Wunsch auch mit Carbon und Leuchtdioden als Schaltempfehlung garniert.