Turbo-Revival: Ferrari California T

12.02.2014 | Anja Sauer | News

Ferrari California T Drivers Club Germany
Nach dem F40 bringt Ferrari mit dem California T erstmals wieder einen Turbo auf die Straße. Wie die neuen Formel-1-Rennwagen soll auch der Klappdach-Roadster so bei mehr Leistung weniger verbrauchen und insgesamt noch sportlicher werden.

Der runderneuerte 2+2-Sitzer, der im März auf dem Genfer Auto Salon vorgestellt wird,  verfügt weiterhin über ein faltbares Hardtop, das ihn in nur 14 Sekunden von einem schicken Coupé in einen eleganten Spider verwandelt. Höchste Aufmerksamkeit wurde dem Design zuteil, bei dem man die Abmessungen des Vorgängermodells beibehielt und dem California T zugleich eine neue, individuelle Persönlichkeit schenkte. Die schnittigeren Proportionen stammen aus den Zeichenfedern des Ferrari Styling Centre in Zusammenarbeit mit Pininfarina und entsprechend weitgehend dem Ethos der Frontmotor-Ferraris.

Die Flankenform des California T wurde vom berühmten Styling der Pontonkotflügel am 250 Testa Rossa inspiriert, wobei sich die Linie des vorderen Kotflügels schwungvoll nach hinten zum kompakten, muskulösen hinteren Kotflügel zieht und den Seiten somit eine aerodynamische Dynamik verleiht. Dem Heck kommen sorgfältige Aerodynamikstudien zugute, die zu einem neuen Diffusor mit drei senkrechten Finnen führten.

Im Cockpit gestellt sich zum bekannten Ferrari-Lenkrad mit integrierten Bedienelementen nun die sogenannte „Turbo Performance Engineer” Anzeige  (TPE), die ein Ehrenplatz zwischen den beiden Luftaustrittsöffnungen in der Mitte des Armaturenbretts erhielt. Die TPE-Anzeige besitzt eine berührungsempfindliche Oberfläche, auf der man mit dem Finger durch Informationen blättern kann, die neben Ladedruck anzeigen, wie man das Leistungspotential des Motors optimal ausschöpft. Außerdem verfügt der California T über ein neues Infotainment-System mit einem besser zu bedienendem Touchscreen mit 16,5 cm Diagonale und hoher Auflösung.

Doch die eigentliche Sensation wartet unter der langen Motorhaube: Die Ingenieure in Maranello haben eine völlig neue Antriebseinheit geschaffen, die herausragende Leistungen und den mitreißendsten Klang liefern soll, der jemals aus einem Turbo ertönt ist. Laut Ferrari ist es auch das erste Mal, dass das Turboloch bei einem Motor dieses Typs praktisch eliminiert werden konnte. Dadurch soll sichergestellt sein, dass er ohne Verzögerung auf Gasbefehle anspricht und – wie Saugmotoren – eine Drehmomentkurve aufweist, die dank variablen Ladedrucks (Variable Boost Management) über das gesamte Drehzahlband konstant ansteigt.

Der V8-Turbo-Direkteinspritzer mit 3.855 cm³ Hubraum sitzt vor der Vorderachse sehr tief im Chassis und liefert 560 PS bei 7.500 U/min., aus denen sich eine Hubraumleistung von 145  PS/ℓ – die höchste in dieser Fahrzeugklasse – und ein maximales Drehmoment von 755 Nm ergeben. Diese Werte verleihen dem California T eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 3,6 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 316 km/h. Trotz der um 70 PS höheren Leistung und einem um 49 Prozent gesteigerten Drehmoment konnte der Benzinverbrauch im Vergleich zum Vorgängermodell auf diese Weise um ungefähr 15 Prozent gesenkt werden. Der Motor des California profitiert zudem von einer Reihe weiterer Lösungen, die bei dem Formel1-Einsitzer zur Anwendung kamen, nicht zuletzt von den kompakten Twin-Scroll-Turbinen mit geringer Trägheit, die ein ultra-direktes Ansprechen auf Gaspedaleingaben gewährleisten.

 

Eine der größten Herausforderungen beim California T war es, den Ferrari-typischen Motorenklang zu gewährleisten. Erreicht wurde dies durch aufwendiges Sound-Design und spezieller Fertigungstechniken bei wesentlichen Bauteilen, wie etwa der Flat-Plane-Kurbelwelle und dem dreiteiligen gegossenen Abgaskrümmer und Turbogehäuse. Sowohl während der Ansaug- als auch während der Auslassphase erzeugt der Motor einen kraftvollen Klang, der mit zunehmender Drehzahl sogar noch an Intensität zunimmt. Dies ist das erste Mal, dass ein solches Ergebnis bei einem Turbomotor erzielt wurde.

Passend dazu soll der 1.625 kg leichte California T mit seiner sehr direkten Lenkung dank einer neuen Anordnung von Lenkgetriebe und Fahrwerksaufhängung auch die Dynamik echter Sportwagen vermitteln. Neue Federn und 50 % schneller reagierende MagnaRide-Stoßdämpfer verringern in Verbindung mit Beschleunigungssensoren, die die Karosseriebewegung erfassen, Rollen und Nicken und sorgen für ein präziseres Handling sowie einen höheren Fahrkomfort.

Zusätzlich verfügt der California T über die jüngste Evolutionsstufe der F1 Trac Traktionskontrolle, die eine maximale Beschleunigung aus Kurven heraus ermöglicht. Die Carbon-Keramik-Bremsanlage arbeitet dank neuer Bremsscheiben und  -beläge aus Verbundstoffen ebenfalls äußerst effizient. Die Bremsen sind in das ESP 8.0 Premium integriert, die ein Hochleistungsantiblockiersystem steuert, mit dem das Fahrzeug auf einem sehr kurzen Bremsweg von nur 34 Metern von 100 auf 0 km/h zum Stehen kommt. Trotzdem soll der neue Achtzylindermotor des California T einen perfekten Kompromis vom sportlichen Fahren unter fordernden Bedingungen bis hin zum entspannten Fahren in der GT-Tradition bieten.