Götterdämmerung: Pagani Huayra

01.01.2013 | Christian Sauer | Testrides

Teaser Drivers Club Pagani Huayra

Ein Besuch in der Automobil-Manufaktur von Pagani ist ein außergewöhnliches Erlebnis, vor allem wenn der neue Supersportwagen Huayra für eine exklusive Testfahrt zur Verfügung steht – das einmalige Vergnügen hatte Drivers Club Germany Chefredakteur Christian Sauer.

Wir müssen schon zweimal hinschauen um den Weg zu einem der exklusivsten Automobilhersteller der Welt zu finden. Versteckt im Gewerbegebiet eines kleinen Vororts von Modena, auf halben Weg zwischen der „Konkurrenz“ von Ferrari und befindet sich der Firmensitz von Pagani Automobili. Bis auf die gläserne Fassade geradezu unscheinbar präsentiert sich das zweistöckige Gebäude, in dem der Argentinier Horacio Pagani mit seinem kleinen Team automobile Kunstwerke schafft. Der 57-jährige Designer und Konstrukteur kam bereits in den 1980er Jahren nach Italien und arbeite unter anderem bei Lamborghini. 1992 gründete sein eigenes, nach ihm benanntes Unternehmen, wo er dank eines eigenen Autoklav-Ofen selbst Carbonteile „backen“ konnte. Damit war er ein Pionier dieser heute nicht mehr wegdenkbaren Technologie, die ihm auch Aufträge von Ferrari und Lamborghini einbrachte. Daneben nahm sich Horacio Pagani viel Zeit, um seinen Traum eines neuen Supersportwagens zu realisieren. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollte es dauern, bis der Pagani Zonda C12 erstmals das Licht der Öffentlichkeit erblickte.

 

Deutsches Herz von Mercedes-AMG

Es war ein Einstand nach Maß: Das Premierenwerk von Pagani hätte nicht spektakulärer sein können. Die Formensprache erinnerte an das aerodynamische Design der früheren Gruppe-C-Rennwagen und die filigranen Details des überwiegend aus Kohlefaser bestehenden Straßensportwagens waren einzigartig. Die Qualität der Materialien und deren Verarbeitung ließen keine Zweifel an dem Perfektionismus von Horacio Pagani. Beim Antrieb setzte er von Beginn an auf eine Kraftquelle aus Deutschland – exklusiv liefert Mercedes-AMG seitdem V12 Power „Made in Germany“. Die Leistung stieg von anfangs noch unter 400 PS auf über 700 PS beim Zonda R. Wenn auch die Höchstgeschwindigkeit mit ca. 350 km/h hinter der des Bugatti Veyron zurückblieb, überholte er ihn zeitweise beim Anschaffungspreis. Unter einer Million Euro verließ am Ende der Produktion kein Zonda mehr die Manufaktur. Wie sollte das noch gesteigert werden?

 

Mehr Flügel geht nicht

Die Antwort heißt Huayra. Der ungewöhnliche Name steht in der Sprache südamerikanischer Indianer für den Gott des Windes, während der Zonda „nur“ nach einem Wind benannt war. Die Idee für dessen Nachfolger entstand bereits im Jahr 2003 und wurde als Projekt C9 parallel zur Weiterentwicklung des Zonda vorangetrieben. Das Design ist nicht nur atemberaubend, sondern beschert dem Huayra dank ausgeklügelten Details auch eine außerordentlich guten Aerodynamik. Der komplett verkleidete Unterboden mit Diffusor am Heck sorgt für Unterdruck und somit dafür, dass die nur 1,16 m flache Flunder bei höheren Geschwindigkeiten regelrecht am Asphalt zu kleben scheint. Auf einen großen Spoiler, der von oben Anpressdruck generiert, verzichtet Pagani und setzt stattdessen insgesamt vier sogenannte Flaps an der Front sowie am Heck ein. Die Klappen werden automatisch gesteuert und stellen sich bei Bedarf blitzschnell einzeln in den Wind, um den Luftfluss zu optimieren. Ähnlich wie die Airbrakes von Bugatti und McLaren unterstützen die Pagani-Flaps auch beim Verzögern. Die Hauptarbeit dabei übernimmt allerdings eine Carbon-Keramik-Bremsanlage von Brembo.