Fahrbericht: Die neue S-Klasse von Mercedes-Benz

28.07.2013 | Christian Sauer | Testrides

Mercedes-Benz S-Klasse Drivers Club Germany 4

Nun wird es Zeit für einen Perspektivwechsel: Wir nehmen selbst hinterm Steuer der S-Klasse Platz und fahren hinaus aufs Land. Für das Einstellen des persönlichen Setups der Sitze und Funktionen sollte man sich genügend Zeit nehmen. Erfreulicherweise ist die Anzahl der Bedienelemente übersichtlich und die Bedienung erfolgt dank Animationen zur Veranschaulichung recht intuitiv. Die Liste komplett neuer oder nochmals verbesserter Assistenzsysteme ist fast unendlich lang. Ein Highlight ist sicherlich das (fast) autonome Fahren. Mit Distronic Plus samt Lenkassistenten und Stop&Go Pilot kann die S-Klasse schon heute wie von Geisterhand gesteuert durch die Stadt fahren. Laut Aussagen von Mercedes-Ingenieuren wäre technisch auch ein Autopilot für Highways in naher Zukunft vorstellbar, allerdings müssten vielerorts dafür noch die Gesetze geändert werden. Die Grundlage ist mit einer Vielzahl an Kameras und Sensoren rundum gelegt. Sie lassen die Luxuslimousine nachts ebenfalls Menschen oder Tiere erkennen und automatisch einparken, um nur einige Beispiele zu nennen. Ein weiteres ist Magic Body Control, womit der Begriff „Fahrkomfort“ wirklich eine neue Bedeutung bekommt, denn das Luftfahrwerk kann so regelrecht vorausschauen und sich auf Unebenheiten einstellen.

Doch wie sieht es mit den Motoren aus? Die neue S-Klasse startet mit mehreren Diesel- und Benzin-Versionen, darunter gleich zwei Hybride, die in ähnlicher Form bereits in der E-Klasse zum Einsatz kommen. Im S 300 BlueTec Hybrid begnügt sich ein 2,1 Liter großer Vierzylinder-Reihenmotor mit 204 PS Leistung und 500 Nm Drehmoment ab 1.600 Umdrehungen mit unter fünf Litern Diesel auf 100 km. Dank des zusätzlichen Elektromotors mit 20 kW (26 PS) und 250 Nm Drehmoment fühlt sich das „Sparmodell“ keinesfalls untermotorisiert an. Mit 7,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und 240 km/h Höchstgeschwindigkeit ist der Diesel-Hybrid schnell sehr viel schneller als es auf den kanadischen Highways mit Tempolimit 100 km/h und 80 km/h auf den Landstraßen erlaubt wäre. Das gleiche Hybridmodul sorgt im 306 PS starken und 3,5 Liter großen Sechszylinder-Benziner S 400 Hybrid für zusätzlichen Schub und einige rein elektrische Kilometer. Sein Verbrauch soll insgesamt bei 8,6 Liter liegen. Auf der diesjährigen Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt wird Mercedes dann den bereits in Kanada ausgestellten S 500 Plug-In Hybrid sowie das vorläufige Topmodell der Baureihe, den S 63 AMG mit 585 PS und 900 Nm Drehmoment präsentieren. Den besten Kompromiss zwischen Effizienz und Leistung, Komfort und Sportlichkeit bietet aus unserer Sicht der S 500 mit seinem 4,6-l-Achtzylinder. Äußerst kraftvoll und kaum vernehmbar schiebt er ab 1.800 Touren mit 700 Nm Drehmoment an. Maximal leistet das Triebwerk 455 PS und ermöglicht in Verbindung mit der sanft schaltenden 7-Gang-Automatik eine Beschleunigung von 4,8 Sekunden auf 100 km/h.

 

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Steigerung der Effizienz haben auch kleinere Entwicklungen. Da wäre zum Beispiel die Aerodynamik, die der S-Klasse mit einem cw-Wert von 0,23 einen neuen Rekord in ihrem Segment beschert. Mit knapp zwei Tonnen Gewicht ist die Luxuslimousine auch wegen der Luxusausstattung sicherlich kein Leichtgewicht, aber durch die Konstruktion des Rohbaus zur Hälfte aus Leichtmetallen konnte das Gewicht laut Mercedes-Benz um bis zu 100 kg gegenüber dem Vorgänger reduziert werden. Vergebens sucht man im Stuttgarter Flaggschiff energiefressende Glühlampen, stattdessen sorgt außen wie innen ausschließlich moderne LED-Technologie für Erleuchtung. Sprichwörtlich also „viel Licht und wenig Schatten“ bei der neuen S-Klasse? Definitiv ja und von daher müssen wir unterm Strich neidlos anerkennen, dass die S-Klasse von Mercedes-Benz in Summe ihrer Merkmale (derzeit) wirklich das beste Auto der Welt ist.