Fahrbericht: Die neue S-Klasse von Mercedes-Benz

28.07.2013 | Christian Sauer | Testrides

Mercedes-Benz S-Klasse Drivers Club Germany

„Das beste Auto(mobil) der Welt“, diesen Anspruch erlegte sich Mercedes-Benz selbst bei der Entwicklung der neuen S-Klasse auf. Die Erwartungen waren also hoch und umso gespannter waren wir, das Stuttgarter Flaggschiff erstmals nun selbst fahren zu können. Christian Sauer, Drivers Club Germany Chefredakteur, hatte die Ehre und das Vergnügen in Kanada – hier sein Fahrbericht.

Wie wird sich die High-Tech-Limousine auf der Straße anfühlen? Setzt die S-Klasse erneut neue Maßstäbe in Sachen Komfort und Sicherheit, so wie es den bisherigen Generationen seit über 50 Jahren immer wieder aufs Neue gelungen war? Fragen über Fragen, die nur eine Testfahrt klären kann. Deshalb freuten wir uns sehr über die Einladung von Mercedes-Benz zur Internationalen Fahrveranstaltung in Kanada.

In Toronto angekommen, erwartet uns vor dem bestem Hotel der Stadt – getreu dem Motto: „Das Beste oder nichts“ – neben der neuen S-Klasse auch die gesamte Flotte ihrer Urahnen. Mit Chauffeur steht eine Stadtrundfahrt der etwas anderen Art durch die boomende Metropole am Ontario-See an. Einmal wie Willy Brandt oder Helmut Schmidt fühlen, die in den 1970ern und 80ern in S-Klassen der Baureihen 116 und 126 zu Gast waren. Oder doch lieber mit dem despektierlich „Panzer“ genannten Koloss aus den 1990er Jahren auf Tour gehen, in dem selbst Helmut Kohl großzügige Platzverhältnisse und die modernste Technik der damaligen Zeit vorfand? Man müsste eigentlich alle testen und mehr als nur einen Tag Zeit haben. Leider bleiben uns aber nur wenige Stunden in Kanada und genau aus diesem Grund fällt unsere Wahl auf die neuste Baureihe mit dem Kürzel 222.

Trotz ihrer optischen „Leichtigkeit“ merkt man direkt beim Einstieg in die auf 5,24 m gestreckte Langversion, dass selbst Profi-Basketballspieler keine Platzangst zu befürchten haben. Das Panorama-Glasdach garantiert nicht nur eine luftige Kopffreiheit, sondern auch spektakuläre Ausblicke auf die Wolkenkratzer, von denen es mit 147 in Toronto inzwischen mehr als in New York City gibt. In diesem Moment kann es auf die Frage, wo der beste Platz in der neuen S-Klasse ist, nur eine Antwort geben – hinten rechts!

 

Verschiedene Sitzvarianten stehen zur Wahl und verwandeln den „Ehrenplatz“ schräg hinter dem Fahrer auf Wunsch in einen ultra-bequemem Liegesitz samt ausklappbaren Tischchen, Kissen für den Kopf und die Beine, sowie diversen Massageprogrammen inklusive „Hot-Stone“. Der Vergleich zu einer sehr guten Business- oder gar First Class in Flugzeugen drängt sich auf und passend dazu gibt es auf zwei Monitoren das entsprechende Bordprogramm. Zur Wahl stehen neben TV-Sendern und Filmen auf DVD oder der eingebauten Festplatte, auch Navigationsanzeigen oder Internetanwendungen. Uns genügt bei den optischen Reizen Torontos das faszinierende Klangerlebnis des Burmester High-End 3D-Surround-Soundsystems mit 1.540 Watt und 24 Lautsprechern. Zur Bedienung der meisten Komfortfunktionen gibt es im Fond zwar keinen Controller wie in der vorderen Mittelkonsole, sondern eine Fernbedienung oder eine App fürs eigene Smartphone, die wir präferieren würden.

Trotz des heißen und schwülen Wetters in den Straßen von Toronto entspannen wir wohl temperiert, durch die Sitzbelüftung angenehm gekühlt und durch die aktive Beduftung betört wie in einem rollenden Spa. Vom trubligen Großstadtleben draußen findet man sich im Inneren des Mercedes nahezu abgekapselt. Und so geht es weiter zum letzten Punkt unserer Stadtrundfahrt, dem Stadtteil Yorksville mit der Bloor Street als einer der exklusivsten Shopping-Meilen Nordamerikas. Hier, wo sich zu Luxusboutiquen auch Luxuslimousinen gesellen, lässt die neue S-Klasse ihre Konkurrenz à la Audi A8 und BMW 7er, aber auch den noch recht jungen Lexus LS600 fast alt aussehen. Wenn auch die Verarbeitungsqualität schon immer auf einem sehr hohen Niveau war, hat Mercedes in Sachen Optik und Haptik nochmals einen drauf gesetzt. Bis auf wenige Ausnahmen sucht man schnödes Plastik vergebens. Serienmäßig gibt es eine Lederausstattung und gegen Aufpreis zahllose Möglichkeiten zur individuellen Verfeinerung.