Elektrisierend: Audi R8 e-tron im Fahrbericht

11.06.2013 | Christian Sauer | Testrides

Audi R8 e-tron Drivers Club Germany

Während Mercedes-Benz mit dem SLS AMG Electric Drive in der „Grünen Hölle“ einen neuen Rundenrekord aufstellte, fuhr Drivers Club Germany Chefredakteur Christian Sauer den Audi R8 e-tron in Berlin. Hier unser Fahrbericht von Iron Man’s Dienstwagen.

Die Location hätte kaum beeindruckender und passender sein können: Der ehemalige Flughafen Tempelhof im Süden Berlins hat nicht nur eine wechselvolle Geschichte, sondern selbst auch den ökologischen Wandel hinter sich. Wo früher Flugzeuge starteten und landeten, gehen heute nur noch Flugdrachen in die Luft und die Berliner nutzen die riesige Grünfläche für Freizeitaktivitäten. Flugzeuge gibt es nur noch im kleinen Maßstab als ferngesteuerte Modelle oder in Lebensgröße als historische Ausstellungsstücke zu bewundern. Doch dieser Tage hauchte Audi zumindest einem der riesigen Hangars und dem kaum zu überblickenden Vorfeld wieder Leben ein. Viel Platz wurde benötigt, um die automobile Zukunft mit alternativen Antriebskonzepten „erfahrbar“ zu machen. Eine ganze Flotte von Prototypen und Vorserienmodellen stand für Testfahrten zur Verfügung, aber vor der Praxis erst einmal die Theorie.

Der rein elektrisch angetriebene Supersportwagen R8 e-tron sollte eigentlich Audis Antwort auf den BMW i8 und den von uns bereits getesteten Mercedes-Benz SLS AMG Electric Drive werden. Doch dann häuften sich Gerüchte um einen Stopp des Projekts. Was war passiert und was wird aus dem Elektrorenner, der gerade auch mit Robert Downey Jr. alias Tony Stark im Hollywood-Blockbuster „Iron Man 3“ zu sehen ist? Offiziell heißt es, dass man sich nach einer ausführlichen wirtschaftlichen Prüfung gegen eine Fertigung von Kundenfahrzeugen in kleiner Auflage entschieden hat. Man wolle dieses „Auto für Millionäre“ nicht durch die anderen Audi-Kunden querfinanzieren lassen. Die Kosten eines einzelnen Wagens hätten wohl bei über 1 Mio. Euro gelegen. So wird es bei den zehn serienreifen Exemplaren bleiben, die Audi nicht verkaufen wird und uns freundlicherweise in Berlin zur Verfügung stellte.

 

Bevor es raus auf die improvisierte Piste ging, stand auch hier noch der Theorieteil an. Diverse Exponate gewährten einen Blick unter die Leichtbau-Karosserie und in die komplexe Technik. Auch wenn der e-tron wie ein „gewöhnlicher“ R8 aussieht, wurde er von Grund auf neu konstruiert. Von insgesamt über 6.000 Bauteilen wurden nur neun übernommen! Mit 1.780 kg ist der R8 e-tron unter den Sportwagen zwar kein Leichtgewicht aber dennoch wurde enormer Aufwand betrieben, damit das Gewicht trotz dem großen Batteriesystem mit über 500 Einzelzellen nicht ausufert. 557 kg wiegt allein die Antriebseinheit, die aber auch tragende Funktionen erfüllt. Zum Ausgleich wurde noch mehr leichtes aber auch teures Karbon sowie Aluminium eingesetzt – Resultat – die Karosserie des e-tron ist 23 kg leichter als die des normalen R8 Coupés. Beim Fahrwerk geht die Diät weiter: Während Radnaben aus Titan jeweils 600 g ungefederte Massen einsparen, sind Spiralfedern aus GFK-Material nicht nur leicht, sondern auch sehr robust und somit vielleicht bald ebenso für andere Modelle erhältlich. Wie im erfolgreichen LeMans-Rennwagen R18 e-tron quattro ersetzt im R8 e-tron ein elektronischer Rückspiegel samt AMOLED-Display und Farbkamera auf dem Dach den normalen Innenspiegel, denn aus Gewichtsgründen wurde nämlich auf die gläserne Rückscheibe verzichtet.

Dank dieser und vieler anderer Maßnahmen ist der R8 e-tron mehrere hundert Kilogramm leichter als der Mercedes SLS ED, der über 2.100 kg auf die Waage bringt. Audi verzichtet wegen der Gewichtsersparnis im Fall des E-Sportlers sogar auf den quattro-Allradantrieb und baut anders als der Sternenkreuzer auf nur zwei statt vier Elektromotoren. Die beiden leisten insgesamt 280 kW, was 380 PS entspricht. Der Mercedes trumpft dagegen mit insgesamt 552 kW / 751 PS und dem enormen Drehmoment von insgesamt 1.000 Nm auf. Der Audi gibt an die Hinterräder ebenfalls beeindruckende 820 Nm ab, liegt bei den Fahrleistungen aber wieder fast gleichauf: 4,2 Sekunden auf 100 km/h (Mercedes: 3,9) und abgeriegelter Topspeed 200 km/h (250). Die Reichweite soll bei knapp 200 km (250) liegen. Gemeinsam haben beide das sog. Torque Vectoring an Bord, welches das Drehmoment radselektiv verteilt und für besseres Kurvenverhalten sorgen soll.